Oberursel

Krabbelstube setzt auf gerechten Handel

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Die Kindertagesstätte Pfützenracker ist als „Faire Kita“ ausgezeichnet worden. Die Eltern waren an dem Prozess beteiligt.

Ich habe einen kleinen Papagei“, singen die Kinder und klatschen in die Hände. Ein alltägliches Ritual in der Oberurseler Krabbelstube Pfützenracker, aber auch ein Mittel, um die 24 unter Dreijährigen, die in der städtischen Einrichtung betreut werden, an das Thema Fairer Handel heranzuführen.

Denn der Papagei spielt eine Rolle im Erzähltheater „Wo kommt die Banane her?“, das den Kindern den Weg von fair gehandelten Früchten bis in den häuslichen Obstkorb verdeutlichen soll. Es gehe darum, die Kinder spielerisch zu dem Thema hinzuführen, sagt die Leiterin der Kindertagesstätte, Sonja Baier. Für diese und ähnliche Aktivitäten ist die Kita Pfützenracker nun vom Netzwerk Faire Metropole zur „Fairen Kita“ erklärt worden.

Ziel des Netzwerks sei es, zu einem Umdenken beim Konsumverhalten anzuregen, sagte Johanna Zschornack, Projektreferentin für Hessen und Rheinland-Pfalz, als sie Sonja Baier am Dienstag während einer kleinen Feier das entsprechende Zertifikat überreichte. Außerdem kann die Kita nun mit einem Schild an der Tür für ihre Fair-Trade-Aktivitäten werben. „Eine tolle Einrichtung“, lobte Zschornack.

Zwei Jahre lang habe das siebenköpfige Team der Krabbelstube auf die Auszeichnung hingearbeitet, berichtete Leiterin Baier. Wobei die Erzieherinnen nicht bei null anfangen mussten. Auch zuvor habe man schon darauf geachtet, dass Spielzeug vorwiegend aus Holz oder anderen Naturstoffen hergestellt sei oder die Handtücher regelmäßig gewaschen würden, statt auf Wegwerfware zu setzen.

Das Projekt
 „Faire Kita“ soll es Kindern ermöglichen, die Welt als Eine Welt zu verstehen. Initiiert wurde es vom Netzwerk Faire Metropole Ruhr.

Seit 2016 können sich Kitas in ganz Deutschland für eine Auszeichnung als „Faire Kita“ bewerben. Voraussetzung ist, dass faire Beschaffung und fairer Handel zum Alltag in der Einrichtung gehören. Die Einrichtungen sollen „Orte gelebter Solidarität und Vorreiter in der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ sein.

Projektreferentin für Hessen und Rheinland-Pfalz ist Johanna Zschornack. Sie ist montags von 10 bis 15 Uhr unter Telefon 0163-8690280 zu erreichen oder per E-Mail an j.zschornack@faire-kita.de.

Doch der Prozess hin zur „Fairen Kita“ habe das eigene Bewusstsein noch einmal geschärft. Etwa, was das Essen angeht, das in der Krabbelstube für die Kinder gekocht wird. Das stamme nicht nur zu 100 Prozent aus biologischem Anbau, sagt Sonja Baier, sondern zunehmend auch aus gerechtem Handel. Was auch für den Kaffee gelte, der den Eltern serviert werde.

Ohnehin sei es ein zentrales Anliegen gewesen, die Mütter und Väter in das Fair-Trade-Thema einzubeziehen, betont die Kita-Leiterin. So habe man es in Elterncafés und bei Vater-Kind-Nachmittagen angesprochen und für die Bewerbung habe sich eine gemeinsame Gruppe aus Erzieherinnen und Eltern gebildet.

„Man lernt eine Menge dazu“, bestätigt Britt Albertmelcher, die als Elternvertreterin die Bewerbung zur „Fairen Kita“ unterstützt hat. „Es setzt einen aber auch unter Druck“, gibt sie zu. Beim Einkauf greife sie inzwischen selbst zunehmend zu Fair-Trade-Produkten. Aber es gehe ihr auch darum, den Konsum insgesamt bewusster zu gestalten. So gebe es in ihrer Familie kein Wasser aus Plastik-, sondern nur aus Glasflaschen und ein Apfel dürfe durchaus auch einmal eine Macke haben.

Mit der Krabbelgruppe Pfützenracker habe Oberursel jetzt seine erste „Faire Kita“, freute sich der Erste Stadtrat und Sozialdezernent Christof Fink (Grüne). Es sei wichtig, dass das entsprechende Denken und Handeln „schon den Kindern vorgelebt wird“, lobte er das Engagement der Erzieherinnen. Die hätten die Bewerbung aus eigenen Stücken initiiert, hob er hervor. Fink hofft, dass die Auszeichnung nun den anderen Betreuungseinrichtungen in der Stadt als Vorbild dienen werde.

Oberursel ist seit mehreren Jahren Fair-Trade-Town, im Rathaus werden faire Produkte verwendet und es gibt einen rührigen Eine-Welt-Verein, der in der Unteren Haingasse einen Laden betreibt. Mit der IGS Stierstadt gebe es darüber hinaus bereits eine „Faire Schule“, sagte Christof Fink.

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