Kaiser Wilhelm II. kam zu spät

Frankfurt. Der Binnenhafen pulsiert in der Nähe des Neubaus der Europäischen Zentralbank, er gehört zu den größten in Deutschland und feiert an diesem Wochenende sein 100-jähriges Bestehen. Rund 8000 Menschen arbeiten auf dem 162 Hektar großen Gelände.

Als der Osthafen im Mai 1912 eröffnet wurde, war Kaiser Wilhelm II. verhindert. Er holte seinen Besuch aber am 19. August nach. Das nimmt die Stadt zum Anlass, das 100-jährige Jubiläum jetzt zu feiern.

Zwischen alten Lagerhallen, modernen Container-Terminals und eisernen Kränen stehen Musik, Sport und Hafenrundfahrten auf dem Programm. Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßt am heutigen Nachmittag die Besucher und enthüllt eine Gedenktafel zu Ehren des Osthafens. Mit über 50 000 Menschen rechnen die Veranstalter.

Auf mehreren Bühnen treten Musiker und Comedians auf. Auch ein Poetry Slam ist geplant. Es gibt eine eigene Kinderbühne, Salsa-Schnupperkurse und eine Open-Air-Party. Eine eigens für das Jubiläum konzipierte Inszenierung aus Video-, Licht und Pyroeffekten endet am Samstagabend mit einem Hafenfeuerwerk. Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Greenpeace führen ihre Boote vor. Außerdem zeigen allerlei Wassersportler und Skater ihr Können.

Einen Binnenhafen für die Main-Schifffahrt hat Frankfurt seit dem Mittelalter – deutlich zu sehen auf der ältesten gedruckten Stadtansicht der Stadt aus dem Jahr 1485. Damit die großen Rheinschiffer von Köln bis nach Frankfurt fahren konnten, wurden der Untermain in den 1880er-Jahren kanalisiert und fünf Staustufen zwischen Frankfurt-Niederrad und Mainz-Kostheim gebaut. Um den Westhafen zu entlasten und den Kohlehafen zu ersetzen, der den Betrieb eines Krankenhauses störte, entstand ab 1907 der Osthafen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hafen zu 60 Prozent zerstört und anschließend allein mit Geld aus dem Stadtsäckel wieder aufgebaut. Er ist jetzt aller Voraussicht nach auch der Namensgeber für die neue Brücke, die am Montag nach dem Jubiläumswochenende vom Süd-Ufer zur Hafenmole geschlagen wird. Zweieinhalb Tage dauern die Arbeiten voraussichtlich, befahrbar ist die Brücke aber erst etwa ein Jahr später.

Mit einem Umschlag von 3,9 Millionen Tonnen brachte es der Hafen 2010 in der Statistik auf den achten Platz der deutschen Binnenhäfen - Spitzenreiter Duisburg schlug allerdings mehr als 49 Millionen Tonnen um. Vor allem Baustoffe, Recyclingmaterial und Kraftstoff werden am Main verladen. Und die Waren per Bahn und Schiff vor allem nach Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Hamburg gebracht. Ira Schaible, dpa

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