Der Jury Rede und Antwort gestanden

Frankfurt (pia). Hessens größte Stadt hat eine reelle Chance, 2014 europäische Umwelthauptstadt zu werden. »Frankfurt hat eine ehrliche Bewerbung abgegeben und sich nicht als Ökotopia dargestellt«, sagte Bürgermeister Olaf Cunitz in einer Zwischenbilanz nach der entscheidenden Präsentation vor der EU-Jury in Brüssel.

»Wir konnten aus den letzten Jahren viele Erfolgsbeispiele wie das Mainufer, den Grüngürtel oder das Konversionsprojekt Europaviertel auf dem früheren Hauptgüterbahnhof vorstellen. Aber wir wollten auch deutlich machen: Wo stehen wir heute, welches sind die Herausforderungen und unsere Rezepte dafür.« Der Gewinner des Wettbewerbs wird am 29. Juni bei einem Festakt in Vitoria-Gasteiz (Spanien), der europäischen Umwelthauptstadt 2012, bekannt gegeben.

Auch Umweltdezernentin Manuela Rottmann sieht ein wichtiges Ziel der Green-Capital-Bewerbung schon erreicht: »Vieles, was vorher unverbunden nebeneinander zu stehen schien – Radfahren, Abfalltrennung, Stromsparen oder die Parks –, hat nun einen gemeinsamen Bezugspunkt. Green City ist ein gemeinsames Dach für alle diese Initiativen und eine Zielbeschreibung, an der sich die Leute natürlich auch reiben.« Als Beispiel nannte sie den Verkehrsversuch Tempo 30 nachts auf Durchgangsstraßen. »In einem Land, das kein Tempolimit auf Autobahnen hat, kann man dieses Thema durchaus nach vorne schieben.«

Cunitz und Rottmann hatten in Brüssel vor einer Jury der EU-Kommission die Argumente vorgetragen, die für Frankfurt als European Green Capital sprechen. Sie zeigten im Presse- und Informationsamt am Römer daraufhin erstmals die deutsche Fassung von Frankfurts Bewerbungsfilm für den Green Capital Award. Der Kurzfilm erklärt mit der Grünen Soße als »Protagonist«, wie sich Frankfurt den großen Fragen der Zeit – Klimaschutz und Klimawandel, Erhalt der Biodiversität, alternative Mobilität und demographischer Wandel – stellt und produktiv über die besten Rezepte streitet. Er ist auf www.frankfurt-greencity.de und auf www.frankfurt.de auf der Startseite zu sehen.

Kopenhagen und Bristol noch im Rennen

Im Wettbewerb um die »European Green Capital 2014« sind von den ursprünglich 18 Bewerbern um den Titel außer Frankfurt nur noch Kopenhagen und Bristol in der Endrunde. Die von Karl Friedrich Falkenberg, dem EU-Generaldirektor für Umwelt, geleitete Jury hatte diesen drei Finalisten bereits nach der ersten Runde exzellente Umweltstandards quer über zwölf Bereiche – von der Abfallwirtschaft bis hin zu Öko-Innovationen – bescheinigt. Die übrigen Bewerber – darunter Städte wie Brüssel, Rotterdam, Wien und Turin – waren demnach zwar jeweils in einigen Bereichen exzellent, aber nicht bei allen Umweltindikatoren des Wettbewerbs.

Frankfurt konzentriert sich laut Bewerbung beim nachhaltigen Stadtumbau auf vier ressortübergreifende Gestaltungsfelder:

Mobilität und Verkehr: Die Entwicklung einer stadtverträglichen Mobilität in allen Bereichen habe Priorität. Zwar gebe es noch immer ein hohes Verkehrsaufkommen und damit Lärm- und Abgasbelastungen in der Stadt, aber die Infrastruktur zum Beispiel für den Radverkehr und die Fußgänger habe sich verbessert. Die Stadt will auch zukünftig den ÖPNV und den Radverkehr weiter ausbauen, um den Autoverkehr und die damit verbundenen Belastungen (wie Abgase, Lärm und Platzbedarf) zu reduzieren.

Planen und Bauen im verdichteten Stadtraum: Frankfurt wächst. Für die Menschen müssen Wohnflächen zur Verfügung gestellt werden, ohne die Freiflächen zu verlieren. Man setze auf Nachverdichtung im Bestand, die sich an ökologischen Kriterien orientiert, auf Konversionen von Gewerbeflächen und auf die Entwicklung von Siedlungsflächen gemeinsam mit der Region.

Klimaschutz und Energieeffizienz: Energie- und Ressourcenbereitstellung seien die Basis für die Zukunftsfähigkeit des Standortes. Als Kommune nehme Frankfurt die lokale Verantwortung für die globale Entwicklung wahr. Energiesparen, Energieeffizienz und der Einsatz regenerativer Energien sicherten die Zukunftsfähigkeit des Standortes und trügen zur CO2-Einsparung bei. Frankfurt treibe die Sanierung im Bestand voran, gestalte Neubauten energieeffizient sowohl beim Wohnungs- als auch beim Gewerbebau. Ziel sei 100 Prozent erneuerbare Energie bis 2050, der Weg dorthin werde gemeinsam mit den Bürgern definiert.

Wirtschaft und Konsum: Frankfurt wolle wirtschaftlichen Erfolg im Einklang mit dem ökologischen Aus- und Umbau. Die Unternehmen würden sich mehr und mehr ihrer Verantwortung bewusst. Nachhaltigkeit sei Teil der Unternehmensstrategie. Nachhaltigkeitspolitik brauche die Beteiligung der Wissenschaft, Verbände und Institutionen.

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