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Wollen den Hindenburgring in Bad Homburg umbenennen: Eva Ruppert, Waldemar Schütze, Gerhard Herbert und Henny Ludwig (von links).

Protestaktion von Initiative

Umstrittene Straße: Hindenburgring soll neuen Namen bekommen

Mit einer Protesaktion will die Initiative zur Umbenennung des Hindenburgrings die Diskussion um die umstrittene Straße in Bad Homburg neu beleben.

Bad Homburg - Der Verkehr rauscht über die viel befahrene Kreuzung am Untertor, wo Saalburgstraße, Dietigheimer Straße und Hindenburgring aufeinandertreffen. Auf einer Verkehrsinsel hat sich eine Gruppe Bad Homburger versammelt, die schon seit einigen Jahren das Ziel verbindet, den Namen des umstrittenen Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg aus dem städtischen Straßenverzeichnis zu löschen.

„Hindenburgring umbenennen“, fordern Henny Ludwig und Gerhard Herbert auf zwei großen Tafeln, und der stellvertretende Vorsitzende der Hochtaunus-SPD, Waldemar Schütze, hat ein Straßenschild dabei, das bereits den von ihm präferierten Ersatznamen trägt: „Willy-Brandt-Ring“. Passend zum Todestag des einstigen SPD-Vorsitzenden und Friedensnobelpreisträgers am 8. Oktober 1992, wie Schütze betont.

Bad Homburg: "Hindenburgring" soll umbenannt werden - Protestaktion von Initiative

Ganz einig über den künftigen Namen sind sich die Mitglieder der Initiative, die bei der Aktion am Dienstag von Eva Ruppert und Daniela Joel komplettiert wird, noch nicht. Auch eine Verlängerung des Hessenrings, der am Beginn des Schlossparks in den Hindenburgring übergeht, gilt als Option. Dass die Straße einen neuen Namen erhalten muss, sehen aber alle Beteiligten, zu denen auch die örtliche Amnesty-Gruppe gehört, als überfällig an. „Wir sind da schon lange dran“, sagt Waldemar Schütze. „Und wir werden auch nicht nachlassen.“

Als Militär im Ersten Weltkrieg und Reichspräsident, der Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt hat, trage Paul von Hindenburg Verantwortung für millionenfaches Töten und Sterben, sagt Gerhard Herbert. In zynischer Weise habe Hindenburg den Krieg vor seinen Kommandeuren sogar als „Badekur“ verharmlost. Und trotz seiner Wahl zum Reichspräsidenten 1925 sei Hindenburg nie Demokrat gewesen. Warum eine solche Person bis heute in Bad Homburg auf Straßenschildern geehrt wird, ist für Herbert nicht nachzuvollziehen.

"Hindenburgring" in Bad Homburg - Name "mit Werten nicht vereinbar" 

Deshalb hatten Herbert, Schütze und Eva Ruppert vor fünf Jahren schon einmal mit einer ähnlichen Aktion die Umbenennung des Hindenburgrings gefordert. Es war ihnen auch gelungen, das Thema in die politischen Gremien zu hieven. Die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) stellte im Stadtparlament einen entsprechenden Antrag, den SPD und Grüne unterstützten. Allerdings verhinderten CDU, FDP und AfD die Namensänderung.

Den neuerlichen Vorstoß begründen die Initiatoren mit einem Beschluss in Darmstadt, dort gleich acht Straßen umzubenennen, darunter die Hindenburgstraße. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass sich das Verhalten der Namensgeber „mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft nicht vereinbaren lässt“. Dem hätten in Darmstadt auch die Christdemokraten zugestimmt, betont Waldemar Schütze.

Bad Homburg: Diskussion um "Hindenburgring" - Auch Jüngere ansprechen

Darüber hinaus hofft die Hindenburgring-Initiative, einige jüngere Bad Homburger mit ins Boot zu holen. „Die Diskussion wird in Bad Homburg nicht mehr abebben“, ist der SPD-Politiker sicher. Auch einen erneuten Vorstoß im Parlament schließt er nicht aus.

Der Hindenburgring in Bad Homburg erhielt seinen Namen 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straße Teil des Hessenrings. Doch nur neun Jahre später wurde erneut das noch heute gültige Straßenschild angebracht. Die Gründe sind unklar. Die Entscheidung fiel geheim im Magistrat der Stadt, das Protokoll dazu ist nicht auffindbar.

Zur Person von Paul von Hindeburg 

Paul von Hindenburg (1847-1934) hatte sich als Generalfeldmarschall im Ersten Weltkrieg einen Namen gemacht („Sieger von Tannenberg“) und übernahm 1916 gemeinsam mit Erich von Ludendorff die Oberste Heeresleitung. Einige Historiker sehen darin die Etablierung einer Militärdiktatur. Nach der Niederlage verbreitete Hindenburg die „Dolchstoßlegende“, laut der die deutsche Armee „im Felde unbesiegt“ geblieben sei und diskreditierte damit zugleich die neue Republik. 

Dennoch ließ sich Hindenburg 1925 zum Reichspräsidenten wählen. Sieben Jahre später wurde der bereits 85-Jährige im Amt bestätigt. Gegenkandidat war Adolf Hitler. 

Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, der bereits am 1. Februar den Reichstag auflösen ließ und mit dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 den Weg in die Diktatur ebnete. 

Von Torsten Weigelt

Schon lange gibt es die Diskussion um die Umbenennung des Hindenburgrings in Bad Homburg. Die Idee entstand zum Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. 

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