156 Hektar Stadtwald werden besprüht

Frankfurt (pia). Der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner breitet sich witterungsbedingt in ganz Deutschland weiter aus. Experten schätzen das gesundheitsschädigende Potenzial des Schädlings als sehr hoch ein.

In Hessens größter Stadt haben die Blätter der Eichen inzwischen fast die Größe von Ein-Euro-Stücken erreicht. In der kommenden Woche wird deshalb ein Hubschrauber etwa 156 Hektar Stadtwald überfliegen und die Eichenkronen mit dem biologischen Präparat »Dipel ES« besprühen. Die Fläche ist nach Angaben der Stadtverwaltung gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Außerdem lässt das Grünflächenamt in den nächsten Wochen etwa 6000 Eichen an Straßen, auf Friedhöfen und in öffentlichen Grünanlagen sowie auf Schulhöfen und auf den Höfen von Kindertagesstätten vom Boden aus mit Sprühkanonen benebeln, wie angekündigt wird.

In wenigen Tagen werden die Raupen in das dritte Larvenstadium wachsen und dann die gefährlichen Gifthaare entwickeln. Genau dies wird durch Dipel ES, das speziell nur bei frei fressenden Schmetterlingsraupen wirkt, bei termingerechter Ausbringung verhindert. Seine wirksame Substanz ist der »Bazillus thuringiensis«, der seit über 30 Jahren in Deutschland auch zur großflächigen Schnakenbekämpfung im Rheintal erfolgreich eingesetzt wird. Das Mittel wirkt als Häutungshemmer über den empfindlichen Darm der jungen Schmetterlingsraupen, so dass diese innerhalb weniger Tage eingehen.

Schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und den übrigen Naturhaushalt sind nicht bekannt.

Im Stadtwald ist die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners notwendig, weil viele Menschen dort Erholung suchen. Vor allem die Besucher der Waldspielparke Carl-von-Weinberg, Tannenwald, Scheerwald, Goetheturm und Heinrich-Kraft-Park sowie der Waldfriedhöfe Goldstein und Oberrad sollen später nicht mit den giftigen Raupenhaaren des Schädlings in Berührung kommen, die sehr unangenehme, allergische Reaktionen auslösen können. Aus diesem Grund wird auch der mit vielen Eichen besetzte Wald rund um das StadtWaldHaus behandelt.

Lediglich die circa 250 Eichen des Schwanheimer Waldspielparks, der im FFH-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat) Schwanheimer Wald liegt, und die Bäume auf den innerstädtischen Grünflächen werden einzeln vom Boden aus besprüht. Bei allen Einsätzen werden die betroffenen Flächen kurzfristig abgesperrt, damit niemand mit dem Sprühnebel in Berührung kommt. Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturschutzbeirat abgestimmt. Die vorbeugenden Bekämpfungsmaßnahmen verursachen in diesem Jahr Gesamtkosten von circa 130.000 Euro brutto und bewegen sich damit im Kostenrahmen des Vorjahres.

Wer im Stadtgebiet auf öffentlichen oder privaten Flächen Nester entdeckt, sollte dies beim Umwelttelefon unter der Nummer 069/212-3 91 00 melden. Stehen die Eichen auf öffentlichen Flächen von Parkanlagen, wird die Beseitigung wie üblich über das Grünflächenamt geregelt. Befinden sich die betroffenen Bäume allerdings auf einem Privatgelände, nennt die Umweltberatung den Grundstückseigentümern die Adressen von professionellen Fachfirmen, die sich auf das Absaugen der Raupennester spezialisiert haben. In jedem Fall gilt: Auf keinen Fall selbst Hand anlegen.

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