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Das Stück spielt in einem einsamen Haus. 

Seeheim-Jugenheim

Das Gänsehaut-Haus von Seeheim

Eine Gruselfiktion ist als Hörspiel in der Kulturmetzgerei zu hören.

Das Haus hat also gelbe Fenster. Drinnen tanzt der Staub der Zeit im fahlen Licht um ächzendes Gebälk, bis unters Dach hat sich die Einsamkeit breitgemacht. Es ist ein großes, altes Haus, eingewachsen, eine verwilderte Insel in irgendeiner Stadt. Anna scheint ein Haus wie dieses gesucht zu haben, einen Platz, an dem sie sich ganz in Ruhe finden kann. Wie die junge Frau zuvor gelebt und warum sie sich dabei verloren hat? Sie spricht nicht darüber, auch nicht, als Valentina auftaucht und sich in einem der Zimmer einnistet.

Valentina riecht mal nach Schnaps, mal nach Wiese, aber immer nach Leben. Sie singt und trinkt und macht Kunst, um die Menschen aufzurütteln. Und plötzlich ist nicht nur das Haus mit Leben erfüllt, auch Anna fühlt sich leicht und frei wie lange nicht. Doch das Idyll bekommt Risse, wie die alten Mauern auch; draußen zerreißen sich die Nachbarn das Maul – und im Keller läuft die Waschmaschine, obwohl sie niemand angestellt hat...

Professionelle Stimmen

Das Haus hat gelbe FensterDas Hörspiel „Das Haus hat gelbe Fenster“ wird am Samstag, 23. November, um 20 Uhr in der Kulturmetzgerei, Bergstraße 6, in Seeheim aufgeführt. Nach der Vorführung erzählen Maidon Bader und Thomas Gaevert von ihrer Arbeit an dem Stück. Der Eintritt ist frei, mehr Infos zum Programm : www.kulturmetzgerei.com

Maidon Bader hat die Kulturmetzgerei mitgegründet und veranstaltet dort unter anderem eine Pre-Listening-Reihe, die Hörspiele präsentiert, bevor sie im Radio zu hören sind. 

Eine Gruselfiktion, so hat Maidon Bader ihr Hörspiel „Das Haus hat gelbe Fenster“ untertitelt, das am Samstag, 23. November, in der Kulturmetzgerei Seeheim zu hören sein wird. Und auch wenn die knapp einstündige Produktion mitunter Beklemmung auslöst, so war Bader doch froh, als es beim ersten Hören im kleinen Kreis „immer wieder Lacher gab, weil einige Dialoge oder Szenen eben auch ein bisschen absurd sind“.

Die Idee zum Stück ist alt, von 1996. Während ihres Studiums in Hildesheim schrieb Maidon Bader die Geschichte der zwei Frauen auf, hatte eigentlich vor, das Stück mit zwei Freundinnen zu produzieren. Sie selbst lebte zu dieser Zeit auch in einem alten Haus „mit ganz vielen Geräuschen, ich mag das, wenn sich Geräusche verselbstständigen“. Und das gehe eben „nirgends so gut wie im Hörspiel“. Aus der Geschichte von damals wurde dann erst mal kein Hörspiel, aber das Format ist heute Baders Profession: Sie arbeitet für den SWR als Autorin und Regisseurin. Vor knapp drei Jahren dann hatte sie Lust, mit dem alten Stoff zu arbeiten, merkte aber, während sie am Exposé für die Redaktion saß, dass sie das Material nicht im Studio produzieren mochte. Zumal die Idee in keines der gängigen Formate zu passen schien.

Also fuhr sie zu Thomas Gaevert, ebenfalls Rundfunkautor, in den Harz und arbeitete mit ihm am Text. Der Plan: Eine Improvisationsvorlage schreiben. „Aber es war ganz leicht, Thomas war wie eine Hebamme“, erzählt Bader – und dann war der Text in der Welt. Für die Aufnahmen mieteten sie sich in einem alten Klosterhof im Weserbergland ein, ausgestattet „mit knarrenden Türen und schrägem Interieur“. Für die Rollen konnte Bader professionelle Sprecherinnen und Sprecher gewinnen, darunter Walter Renneisen. „Ich war so dankbar, dass sich alle darauf eingelassen haben.“

Es lief also alles rund, einzig bei der Musik musste umdisponiert werden, weil der angefragte Musiker anderweitig eingespannt war. Das atmosphärische Wimmern der Geige spielte also eine Nachbarin ein, und die Gitarre, die das alte Haus mit Blues füllt, brachte ein Freund zum Klingen, dessen Lebenswandel an den Valentinas erinnert.

Nach 23 Jahren schließt sich also der Kreis um das Haus mit den gelben Fenstern. Ein gutes Gefühl? Maidon Bader lächelt. „Oh ja“, sagt sie. Und selbst wenn kein Sender ihr Stück ausstrahlen sollte, sie freut sich darauf, es mal wieder mit anderen zu hören. „Es ist immer schön, direkte Rückmeldung zu haben – ich hab ja sonst eher wenig Hörerkontakt.“

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