Martin Schreiber ist mit seinem Skater-Sneaker-Shop Bonkers in der Klappergasse in Frankfurt weltbekannt geworden, weil er die chinesischen Kauf-Bots ausgetrickst hat. 
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Martin Schreiber ist mit seinem Skater-Sneaker-Shop Bonkers in der Klappergasse in Frankfurt weltbekannt geworden, weil er die chinesischen Kauf-Bots ausgetrickst hat. 

Kampf gegen Online-Bots

Aus Frankfurt und weltbekannt: Sneaker-Shop Bonkers hat ein innovatives Konzept  

In Frankfurt sitzt einer der weltweit namhaftesten Sneaker-Shops: Bonkers. Der Hype um die Schuhe ist enorm. Und der Kampf ums neueste Modell hart. 

  • Der Hype um die neuesten und exklusivsten Sneaker ist riesig – auch in Frankfurt.
  • Ein Sneaker-Laden aus Frankfurt ist weltweit in der Szene bekannt.
  • Der Bonkers Shop hat nämlich einen Weg gefunden, nervige Kauf-Bots auszutricksen.

Frankfurt – Den Hype, den Sneakers bestimmter Marken entfachen, die nur in limitierter Zahl auf dem Markt sind, kann Martin Schreiber kaum nachvollziehen. Dabei dient das Geschäft des gelernten Mediengestalters und seines offiziellen Chefs Fabian Herkelmann, der Bonkers Shop in Alt-Sachsenhausen in Frankfurt, den Fans der exklusiven Treter als Anlaufpunkt. 

Bevor das Coronavirus grassierte, bildeten sich regelmäßig lange Schlangen in der Klappergasse. Bis zu drei Tage und Nächte hindurch harrten die Geduldigsten aus, um an die begehrten Artikel zu kommen.

Frankfurt: Exklusive Sneaker kaufen ohne Mogeln in Bonkers Shop

Gemogelt werden konnte nicht. Platzhalter, oft angeheuerte Obdachlose, waren nicht zugelassen. Auch sonst achten der 28-jährige Schreiber und sein fünf Jahre älterer Partner darauf, dass möglichst die an die Ware kommen, die an den Raritäten und nicht an der Kohle interessiert sind, die sich damit verdienen lässt.

Wer etwa eine zu kleine Schuhgröße bestellt, um sie vermutlich nach Asien weiterzuverkaufen, geht ebenso leer aus wie Randalierer oder Diskutierer. Was die Skaterkollegen, deren Angebotsschwerpunkt eigentlich auf Shirts und Boards liegt, nicht verhindern können, ist, dass Eltern ihre Kinder mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstatten, damit diese sich mit den Schuhen ein nettes Leben finanzieren. "Das hat doch keine Perspektive", betont Schreiber.

Sneaker-Hype: Frankfurter erinnert sich an 4000 Euro Verkauf 

Genau in dieser übertriebenen Großzügigkeit und der sehr guten finanziellen Ausstattung mancher Kids sieht er die Ursache für den Trend, dass sich mit bestimmten Modellen der seit den 80er Jahren modernen Sportschuhe mittlerweile viel verdienen lässt. Er selbst erinnert sich an einen Fall, bei dem ein 150 Euro teures Paar für 4000 Euro weitergegeben wurde.

Neben den Problemen vor der Tür existieren noch ganz andere im Internet. Dort offerieren die Bonkers-Leute jeweils die Hälfte der Spezial-Fuhren. Das nutzten Reseller aus, die bestimmte Computerprogramme, Bots, dafür verwenden, blitzschnell und unentwegt zuzuschlagen, sobald die gefragten Versionen eingestellt werden. Die Frankfurter verbuchten bis zu 700.000 Aufrufe pro Minute, was ihre Website oft lahmlegte.

Frankfurt: Sneaker-Händler Bonkers aus Frankfurt trickst Bots mit Fotos aus

Sie beschlossen, die Bots-Verwender auszutricksen. Statt der Sneakers selbst bot Bonkers Fotos von diesen an. Ein echter Käufer habe das sofort erkennen können; zudem wurden die Kunden über die Sozialen Medien vorgewarnt, erzählt Schreiber. Die Programme störten sich daran nicht.

Proteste gegen die Fehleinkäufe waren vergebens, da die Produktbeschreibung richtig war und die Geschäftsbedingungen einen Umtausch ausschlossen. Über die Idee wurde weltweit in den Medien berichtet, unter einem halben Dutzend Nachahmer fanden sich auch welche aus Japan und den USA.

Schreiber und Herkelmann haben für sich einen neuen Weg gefunden, Vielkäufer auflaufen zu lassen. Über ihre Facebook-Seite leiten sie die Interessenten jetzt auf Instagram um und verlosen die beliebten Objekte. Dabei finden sie deutliche Worte für all jene, die auf einer Schwarzen Liste stehen, weil sie beim Wiederverkauf erwischt wurden. Die Menge der Bewerber wird zudem durchforstet, um auch andere Sünder zu erkennen.

Frankfurt: Bonkers Shop in Sachsenhausen hat guten Ruf bei Herstellern

"Wir leben in einer zu kapitalistischen Gesellschaft", kritisiert Schreiber. Dass er und Herkelmann überhaupt die exklusiven Sneakers bekommen, liege an dem Image, das sie sich bei Herstellern aufbauten, seitdem sie ihren Skatershop eröffneten. Ursprünglich nur online und mit einem Lager auf dem Dachboden, seit fünf Jahren im Ladengeschäft. Statt Massenware biete man Qualität an und auch Produkte kleinerer Firmen. Der Verkauf der Sneakers "ist für uns nur ein nettes Zubrot". Von Katja Sturm *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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