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Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main

Zeugen sagen aus 

Mord im Niddapark – Das Geschäftsgebaren des Jan M.

Zeugen im Prozess um den Mord im Niddapark stellen dem Angeklagten kein gutes Zeugnis aus.

Frankfurt – Der Zeuge, der den Gerichtssaal am Dienstagmorgen betritt, kann nicht unbedingt der Hochfinanz zugerechnet werden. Mirko F. erscheint vor dem Landgericht in Begleitung seines Rechtsbeistands und seiner teuren Uhr. Der 39-Jährige soll Auskunft geben über seine Beziehung zum angeklagten Jan M. „Wir waren ein Arsch, ein Kopf“, sagt F. Die Vergangenheitsform wählt der Lackierer, weil es unabhängig von der Untersuchungshaft des Angeklagten gewisse finanzielle Unstimmigkeiten zwischen beiden gab.

Zeuge und Angeklagter hatten sich vor rund acht Jahren kennengelernt. M. als Gastronom, F. als jemand, der sich im Nachtleben zu Hause fühlt und gerne Gastronom wäre. Da konnte Jan M. helfen. Für 16.000 Euro überließ er seinem Freund im Mai 2017 einen zehnprozentigen Anteil an einem Pub in Alt-Sachsenhausen. Zumindest mündlich. Eine Quittung, Bestätigung, Umsatzbeteiligung oder Ähnliches erhielt F. nicht. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan staunt und spricht von einem „absurden Geschäft“.

„Dann schlage ich ihm die Seele aus dem Leib“

Eigentlich hatte F. ein Jahr nach der Geldübergabe in bar auch mal nachfragen wollen, ob von dem Geld mal was zurückfließe, aber dann sei der Tod von Irina A. dazwischengekommen, erzählt F. Auf Nachfrage räumt er ein, doch mal nachgefragt zu haben und auch die Harley Davidson des Angeklagten stünde mittlerweile bei ihm zu Hause. Ganz so einfältig und fromm, wie sich der Hobbytürsteher vor Gericht gibt, scheint er indes nicht zu sein. Die Staatsanwaltschaft zitiert aus einer SMS von F. an den Angeklagten, als dieser wegen eines Dritten Ärger mit der Polizei hatte: „Dann schlage ich ihm die Seele aus dem Leib, dann wird umgehend Frankfurt-Verbot ausgesprochen“, bot F. seine Hilfe an. Mittlerweile will der 39-Jährige von Jan M. nichts mehr wissen.

Auch am achten Prozesstag versucht sich die 21. Strafkammer ein Bild über die finanziellen Verhältnisse von Angeklagtem und Opfer zu machen. Die Frage ist, ob M. der Getöteten 150.000 Euro zurückgezahlt hat, die diese in eine Beteiligung am Bistro „First Inn“ auf der Freßgass’ investiert hatte. Dann würde das angeklagte Mordmotiv der Habgier wegfallen. Der Angeklagte hatte ausgesagt, Irina A. das Geld in monatlichen Raten von 10.000 Euro zurückgezahlt zu haben.

Jan M. sei „einwickelnd“

Doch das hält die beste Freundin des Opfers, Josephine R., für abwegig. „Ira hat nie viel Geld gehabt“, so die 31-Jährige. Gelebt habe sie vor allem von der Unterstützung des Vaters, der ihr nicht nur teure Klamotten kaufte, sondern auch jene 150 000 Euro zur Verfügung stellte, mit denen sich Irina A. bei Jan M. einkaufte. Von einem Einkommen aus der Immobilienfirma, bei der A. als Geschäftsführerin eingetragen war, geht die 31-Jährige nicht aus. Gegen die Behauptung der Ratenrückzahlung spricht auch, dass Irina A. der Zeugin noch knapp sechs Wochen vor ihrem Tod am Telefon erzählt habe, das Geld immer noch nicht zu haben. „Verarscht er mich?“, soll Irina A. ihre Freundin gefragt haben, die Jan M. als „einwickelnd“ beschreibt.

Viel Geld habe Irina A. trotz ihres ausschweifenden Lebens aber auch nicht gebraucht. Sie sei im Nachtleben bekannt und beliebt gewesen, andere Leute hätten sie eingeladen, Clubbesitzer gerne mal eine Flasche hingestellt. Richter Kaiser-Klan hat schon einiges über das Nachtleben gelernt in diesem Prozess. „Das sind die Codewörter dieses Verfahrens: Flasche und Handtasche.“ Der Prozess wird am 23. September fortgesetzt.

Weitere Prozesse: 

Beim Prozess um den Niddapark-Mord geben die Eltern der getöteten Irina A. vor Gericht Einblick in die finanziellen Verhältnisse ihrer Tochter. Der Prozess gegen einen millionenschweren Geschäftsmann wegen versuchten Auftragsmords beginnt mit großem Spektakel. 

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