+
Ein Physiotherapeut aus Frankfurt muss sich wegen eines sexuellen Übergriffs verantworten. Er hält sich für unschuldig.

Amtsgericht Frankfurt

„Medizinisch motiviert“: Physiotherapeut rechtfertigt sich vor Gericht

  • schließen

Ein Physiotherapeut aus Frankfurt muss sich wegen eines sexuellen Übergriffs verantworten. Er hält sich für unschuldig. Jetzt ist die Strafe klar.

Frankfurt - Sagen möchte Constantin K. nichts zu jenem Vorfall, außer, dass er natürlich unschuldig sei. Im November vergangenen Jahres kam eine junge Frau in die Massagepraxis in der Innenstadt, in der K. als Physiotherapeut arbeitet. Victoria S. kannte den heute 33-Jährigen zu diesem Zeitpunkt wohl flüchtig, der Anklagevertreter zumindest spricht von einem etwas einseitigen Whatsapp-Verkehr via Handy.

Als die junge Frau bäuchlings auf der Massageliege ruht, mit einem Pulli und einem Slip bekleidet, den unteren Rücken noch mit einem Handtuch bedeckt, sollen die Finger des Physiotherapeuten laut Anklage unter den Slip gewandert sein. „Soll ich da weitermachen?“, soll K. gefragt haben. Seine Patientin verneinte nicht nur, sie erstattete auch Anzeige bei der Polizei.

Frankfurt: Physiotherapeut rechtfertigt sich für Verhalten

Elf Monate später landet der Fall vor dem Amtsgericht. Der Rechtsanwalt des Angeklagten gibt für seinen Mandanten eine kurze Erklärung ab, wonach die Behandlung „ausschließlich medizinisch motiviert“ gewesen sei. Ein fraglicher Muskel verlaufe sehr nahe an der Intimzone. Staatsanwalt Kai Lindgens hält das für Unsinn, macht aber ein Angebot. Er bietet an, das Verfahren einzustellen, wenn der Physiotherapeut sich verpflichte, 2500 Euro zu zahlen. 1250 Euro für die ehemalige Patientin, 1250 Euro für den Frauennotruf. Der Angeklagte K. ist sich nicht sicher, wie er mit dem Angebot umgehen soll, und bittet um eine Verhandlungspause. Nach Beratung mit seinem Anwalt erklärt dieser, das könne man so machen.

Nun will das Gericht aber doch noch mal die mutmaßliche Geschädigte hören, ob diese denn damit leben könne, wenn das Verfahren eingestellt wird. S. hat mittlerweile geheiratet und bekommt in zwei Monaten ein Kind, mit dem Vorfall im vergangenen November möchte sie sich möglichst wenig befassen.

Auch interessant: Rentner um 180.000 Euro betrogen - Opfer reagiert vor Gericht in Frankfurt erstaunlich

Physiotherapeut aus Frankfurt stimmt Geldstrafe zu

Allerdings, so räumt sie ein, habe sie an der Sache zu knabbern gehabt. Zwei Wochen sei sie nicht zur Arbeit gegangen, ihre Familie und der Frauennotruf hätten ihr geholfen. „Das geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagt sie. Ob sie mit einer Einstellung des Verfahrens leben könne, fragt die Richterin. „Ich hoffe, dass das Verhalten zeigt, dass es Konsequenzen hatte“, sagt die Zeugin etwas schüchtern.

Einen großen Belastungseifer habe das Opfer von Anfang an nicht gehabt, betont Staatsanwalt Lindgens. Dies sei einer der Gründe, warum der Vorfall überhaupt zur Anklage gebracht worden sei. Den sexuellen Übergriff nachzuweisen, sei aber wegen des „flüchtigen“ Kontakts nicht einfach, begründet der Anklagevertreter sein Angebot zur Einstellung. Der Angeklagte, der sich für unschuldig hält, aber nichts sagen will, hat das Angebot gerne angenommen.

Lesen Sie auch: Ermittlungen wegen Nötigung - Frankfurter Polizist unter schwerem Verdacht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare