EZB-Neubau bietet neuen Blick auf die Skyline

Frankfurt. Die Doppeltürme der neuen Europäischen Zentralbank heben sich inzwischen schon von weitem von der Skyline ab. 40 Meter fehlen noch – jede Woche kommt ein Stockwerk dazu. Bis zum Sommer soll der Rohbau fertig sein:

185 Meter Nordturm und 164 Südturm – leicht ineinander gedreht und verbunden mit Brücken, Plattformen und Streben. Von innen gewährt das Hochhaus einen ganz neuen Blick: mit der Paulskirche vor den Bankentürmen und der Biegung des Mains – wie ein Baustellenrundgang ergab.

Der Einzug der EZB-Beschäftigten ist 2014 geplant: Rund 1500 Beschäftigte, die derzeit auf mehrere Gebäude in der Innenstadt verteilt sind, sollen dann in das neue Domizil im Osten der Stadt ziehen. Die Türme bieten etwa 2300 Arbeitsplätze. Ende 2013 soll fast alles fertig sein. Der rund 500 Millionen Euro teure Neubau sei im Großen und Ganzen im Plan, sagt Projektleiter Thomas Rinderspacher. Mehr als 400 Bauarbeiter aus allen Ländern werkeln derzeit auf der gigantischen Baustelle. »Bis zu 1200 können es in den Spitzenzeiten in diesem Jahr noch werden«, sagt Rinderspacher. »Das ist jetzt ein sehr interessanter Zustand, weil der Rohbau oben weiter geht, in der Mitte die Fassade gemacht wird und unten schon der Innenausbau beginnt.«

Wasser- und Stromleitungen werden in den unteren Stockwerken gelegt, in der Mitte hängen Arbeiter die später zu öffnenden Fenster der Glasfassade ein. Außerdem wird intensiv an der Restaurierung der 1928 von Martin Elsaesser erbauten Großmarkthalle gearbeitet, die unter Denkmalschutz steht, weil sie die größte freitragende stützenfreie Halle Europas war. Mehr als 7,5 Kilometer an Fugen mussten mit der Hand herausgekratzt und neu gemacht werden. Die Renovierung der dunkelroten Ziegelfassade am Ostkopf ist weitgehend abgeschlossen. Eingang und Konferenzcenter werden wie ein Keil die Gemüsehalle durchbohren und an die Doppeltürme andocken. So sieht es das Projekt des Wiener Architektenbüros Coop Himmelb(l)au vor.

»Der Zustand der Großmarkthalle war völlig marode. Sie war auch nicht für die Ewigkeit gebaut«, betont Rinderspacher und ist überzeugt: »Wäre sie einfach so stehen geblieben, wäre sie in 30 Jahren zusammengebrochen.« Die Sanierung der zwölf Tonnendächer erweist sich als langwierig, noch immer kratzen an einigen Stellen Arbeiter mit Spachteln die Dämmmaterialien der letzten 80 Jahre vom Dach.

Jeder Turm ist als Hochhaus allein voll funktionsfähig. »Es sieht aus wie zwei schlanke Hochhäuser. Von der Konstruktion her ist es aber ein stabiles Hochhaus«, sagt Rinderspacher. Langstreckenaufzüge bringen die Beschäftigten und Besucher einmal zu den vier Plattformen zwischen den beiden Türmen, von denen aus langsamere Aufzüge in jedes Stockwerk gehen. »Die Idee des Architekten war die einer vertikalen Stadt.«

Über ungefähr zwölf Brücken können die Beschäftigten von einem Turm in den anderen gelangen. »Kommunikation ist in einem Hochhaus ein wichtiges Thema, damit man nicht nur mit dem Aufzug morgens hochfährt und abends wieder runter und den ganzen Tag keinen sieht.« Der Statik dienen auch die 14 gigantischen Stahlstreben, die beide Türme verbinden. Seit dem Terroranschlag auf das World Trade Center werde noch mehr Wert auf Statik gelegt und verhindert, dass ein einstürzender Bauteil auf andere fallen und diese zerstören könne.

In dem fertigen EZB-Gebäude wird eine Gedenkstätte daran erinnern, dass in der Nazi-Zeit Tausende von Juden aus der Großmarkthalle mit Zügen in die Vernichtungslager abtransportiert wurden – oben lief der Marktbetrieb ganz normal weiter. Eine der alten Rampen wurde erhalten. Sie wird Teil eines »Ensembles verschiedener authentischer Orte«, wie Martin Neitzke vom Planungsamt sagte. Die Gedenkstätte soll – anders als das übrige mit einem unauffälligen durchsichtigen Zaun geschützte Gelände – für die Öffentlichkeit zugänglich werden

. Ira Schaible, dpa

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