20. Mai 2011, 22:05 Uhr

Demo auf der B3: 1000 Wöllstädter fordern Bau der Ortsumgehung

Wöllstadt (hed). Wie viele Autos täglich auf der Bundesstraße durch Ober- und Nieder-Wöllstadt fahren, erkennt man am ehesten, wenn sie nicht fahren: Wer am Freitag zwischen 15 und 17 Uhr durch Wöllstadt wollte, stand im Stau, denn die B 3 war dicht:
20. Mai 2011, 22:05 Uhr
Mehrere Hundert Meter schlängelt sich der Tross zwischen Nieder- und Ober-Wöllstadt: Rund 1000 Wöllstädter sind auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren.

Rund 1000 Menschen beteiligten sich am Demonstrationsmarsch, den die neu formierte Bürgerinitiative (BI) »Ortsumgehung Wöllstadt - Jetzt« organisiert hatte. Mit Hupen, Tröten, Rasseln, Plakaten und Parolen ausgerüstet, machten die Wöllstädter lautstark auf die unzumutbare Verkehrssituation in ihren beiden Ortsteilen aufmerksam.

»Kann man das nicht montags machen«, fragte ein entnervter Autofahrer den Motorradpolizisten, der vor dem Zug für Ordnung sorgte. Dabei hätten sich die Wöllstädter keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können: Nach einem Unfall auf der A 5 gab es dort am Freitagmittag zwölf Kilometer Stau - und alle, die dachten, diesen über die Bundesstraße in Wöllstadt umfahren zu können, wurden eines Besseren belehrt.

Doch auch ohne Stau auf der Autobahn ist die B 3 überfüllt: »30 000 Autos kommen hier täglich vorbei«, sagte der BI-Vorsitzende Peter Dangelmaier, der den mehrere Hundert Meter langen Tross anführte. Seit der Freigabe der Friedberger B 3a habe der Verkehr um 30 bis 40 Prozent zugenommen. »Wir haben keine andere Möglichkeit mehr, als auf die Straße zu gehen.« Seit Ende 2009 besteht Baurecht für die Ortsumgehung, seit genau einem Jahr ist sie juristisch nicht mehr anfechtbar. »Passiert ist seitdem nichts«, beklagte Bürgermeister Alfons Götz. Aus dem Bundesverkehrsministerium heißt es, die Straße werde erst gebaut, wenn sich »ein entsprechender Finanzierungsspielraum ergibt«. Die 6,8 Kilometer B 3 und 2,3 Kilometer B 45 kosten 30 bis 40 Millionen Euro. »Das ist doch nichts im Vergleich zu den Milliarden, über die in Berlin gesprochen wird«, sagte Klaus Zehm, Dangelmaiers Vorgänger in der vor 15 Jahren gegründeten Bürgerinitiative, die heute etwa 300 Mitglieder hat. Er hofft, dass die Steuermehreinnahmen den Bund dazu bewegen, die Mittel freizugeben. Das könne ja auch schrittweise geschehen, »damit wir wenigstens mit den archäologischen Grabungen beginnen können«.

»Es ist lebensgefährlich«

Für das Zögern in Berlin haben die Demonstranten kein Verständnis. »Es ist lebensgefährlich«, lautet die meistgehörte Aussage zur Situation an der Straße. Ständig fahren Lkw in den engen Gassen über die Bordsteine. »Ich kann meine Kinder nicht alleine hier laufen lassen«, erzählte Antje Ehlert, die mit ihren Töchtern Maya und Lilly zur Demo gekommen ist. »Morgens zwischen 6 und 8 Uhr ist es am Schlimmsten«, berichteten auch Susanne Lerch und Jörn Schröder, die mit Sohn Henry an der Straße wohnen und tagtäglich die lauten Laster ertragen müssen, die über das Nadelöhr fahren, um die Autobahnmaut zu sparen. »Ich muss minutenlang warten, um aus der Ausfahrt zu kommen«, sagte Schröder. Einige sind deswegen schon dazu übergegangen, Fußgängerampeln zu drücken, um aus dem Hof fahren zu können.

Der Demonstrationszug hatte die Auflage, nur auf einer Seite der B 3 zu laufen. Als jedoch »zufällig« mehrere Traktoren aus der Gegenrichtung antuckerten, war die Straße zeitweise dicht. Ein Großteil der Autofahrer reagierte jedoch gelassen. Viele hupten mit oder streckten die Daumen in die Höhe: »Nur einer hat mir Schläge angedroht«, erklärte ein Helfer, der mehr als 200 Zettel mit Infos für die Wartenden verteilte. »Wir demonstrieren ja auch für die Autofahrer, schließlich wollen auch die in Zukunft schneller vorankommen«, betonte er. Gleichwohl drehten viele sofort um, als sie den wohl längsten Umzug, den Wöllstadt je erlebt hat, auf sich zukommen sahen. »Und das wollen wir jetzt regelmäßig machen«, kündigte Ex-Parlamentschef Thomas Hein an. »Danke, dass sich Wöllstadt bewegt hat«, sagte Dangelmaier bei der Abschlusskundgebung auf der Bleiche in Ober-Wöllstadt, wo die Landfrauen Getränke und Würstchen bereit hielten. »Das wird auch Herr Ramsauer mitbekommen«, hieß es in Richtung des Bundesverkehrsministers.

Besser wäre es, denn außer MdL Tobias Utter, der in Vertretung für Ministerin Lucia Puttrich teilnahm, war kein hochrangiger Politiker gekommen. Der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Hanau, Dr. Peter Tauber, der die Wetterau in Berlin vertritt und sich angekündigt hatte, war nicht vor Ort. Vielleicht stand er ja im Stau.

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