19. März 2013, 19:53 Uhr

Flugzeugabsturz: Durfte der Piper-Pilot ans Steuer?

Wölfersheim/Gießen (en). »Es gibt bestimmte Krankheitsbilder, die das Erteilen einer Pilotenlizenz verbieten,« erklärte die Pressesprecherin der Gießener Staatsanwaltschaft, Ute Sehlbach-Schellenberg, am Dienstag auf Anfrage. Konkreter wollte sie nicht werden.
19. März 2013, 19:53 Uhr
Ob der Pilot der Piper Satatoga überhaupt eine Lizenz hätte bekommen dürfen, prüft die Staatsanwaltschaft. (Archivfoto)

Inzwischen ist aber klar, dass Diabetes mellitus 1 dazu gehört. Unter dieser Form der »Zuckerkrankheit« litt offenbar der Pilot der Piper, die am 8. Dezember nach einer Kollision bei Melbach ins Feld gestürzt war. Acht Menschen hatten damals ihr Leben verloren. Weiter bestätigte die Oberstaatsanwältin, dass gegen den Arzt ermittelt wird, der dem 40-Jährigen die Flugtauglichkeit bescheinigt hatte.

»Welche Rolle spielt der Fliegerarzt?«, hatte die Nordwest-Zeitung (NWZ) bereits Mitte Februar gefragt. Die Rede war von einem 72-jährigen Mediziner aus dem niedersächsischen Bad Zwischenahn. Kripobeamte aus Friedberg hatten einen ganzen Nachmittag lang seine Praxis und seine Wohnung durchsucht. Zahlreiche Patientenakten hätten sie sichergestellt, bestätigt die Oberstaatsanwältin den Zeitungsbericht. Hintergrund der Durchsuchung sei ein »Anfangsverdacht auf Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse« gewesen.

Nach der Identifizierung der Absturzopfer und dem Fund der Diabetes-Medikamente hatten die Ermittler schnell herausgefunden, dass sie dem 40-jährigen Dietzenbacher gehörten, der die Piper geflogen hatte. Daraufhin war der »Fliegerarzt« ausfindig gemacht und die Durchsuchung angeordnet worden. Sehlbach-Schellenberg betont freilich, dass derzeit nur ein Anfangsverdacht im Raum stehe, möglicherweise werde das Verfahren auch eingestellt.

Warum der Dietzenbacher zur Tauglichkeitsuntersuchung ins 460 Kilometer entfernte Ammerland reiste, fragt sich auch die NWZ. Sie räumt allerdings ein, dass der Mann aus Papenburg im nahen Emsland stammt.

In Fliegerkreisen will die Zeitung erfahren haben, »dass der Mediziner in der Szene als großzügig bekannt« ist. Beim Deutschen Fliegerarztverband sind laut Vizepräsident Dr. Uwe Beiderwellen aber »keine Ungereimtheiten« im Zusammenhang mit dem betreffenden Arzt bekannt. Der Verband verlange von seinen Mitgliedern, und dazu zählt auch der Arzt aus Zwischenahn, »dass strikt nach den Regeln untersucht wird«.

Unabhängig von der Frage der Rechtmäßigkeit der Lizenzerteilung ist nach wie vor unklar, ob das Unglück etwas mit dem Diabetes des Piper-Piloten zu tun gehabt hat. Nach einem solchen Absturz werde es wohl schwierig sein, anhand der sterblichen Überreste einen Zuckerschock nachzuweisen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit in Sachen »fahrlässige Tötung in acht Fällen«. Ob sich der Anfangsverdacht erhärtet und – wenn ja – ob die Bescheinigung aus Großzügigkeit, Nachlässigkeit oder gar finanziellen Gründen ausgestellt wurde, soll in einigen Wochen geklärt sein. Dann wollen die Juristen, auch aufgrund der sichergestellten Akten, prüfen, ob in weiteren Fällen unrichtige Gesundheitszeugnisse ausgestellt worden sind.

Acht Tote nach Flugzeugabsturz in der Wetterau Nach Flugzeugabsturz: Entsetzen und Trauerbeflaggung Flugzeugkatastrophe: Acht Menschen sterben Identitäten der Opfer des Flugzeugunglücks bei Wölfersheim bekannt Unfalluntersuchung: Erste Ergebnisse Ende Januar »Ähnlich wie Autofahren – nur mit viel mehr Platz« »Mehr gesehen als mir lieb war« Nach Flugzeugkatastrophe: BFU kontert »Bild« Absturzbericht: 66 Sekunden bis zum Inferno

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
  • Flugzeugabstürze
  • Gesundheitsatteste
  • Krankheitssymptome
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.