01. Oktober 2015, 18:53 Uhr

Mais-Ernte für Biogasanlage um 20 Prozent gesunken

Wölfersheim-Berstadt (pm). Anlieferung wie am Fließband, rund um die Uhr, zehn Tage im Drei-Schicht-System: Schlag auf Schlag fährt eines der insgesamt zehn Gespanne der Liefergemeinschaft auf die Waage der Biogasanlage in Berstadt, um dort den größten Teil der diesjährigen Ernte abzuliefern. Die war allerdings nicht so toll.
01. Oktober 2015, 18:53 Uhr
In der Biogasanlage werden Energieträger wie Mais in Bioerdgas umgewandelt. (Foto: Red)

Reibungslos, wie am Schnürchen funktioniert das, wobei die zur Verfügung stehende Technik eine bedeutende, fast unverzichtbare Hilfe ist.

Fährt ein Gespann auf die Waage, teilt der Transporteur schon kurz vorher per Funk mit, von welchem Landwirt der gehäckselte Mais stammt. In der Leitzentrale der Biogasanlage, einer Tochter der Ovag Energie AG, wird das jeweilige Gewicht der angelieferten Frucht – das können pro Fuhre schon mal 25 Tonnen sein – dem Lieferanten gut geschrieben. Da nichts über eine Kontrolle geht, werden die Daten, die der Rechner gespeichert hat, am Ende des Tages mit den schriftlichen Aufzeichnungen der Lieferanten abgeglichen.

Keine Frage – ohne diese technische Hilfe wäre die Arbeitsbelastung für Michael Schmidt und seine vier Kollegen in der Erntezeit noch enormer, als sie es sowieso schon ist. Michael Schmidt ist Betriebsleiter der Anlage in Berstadt und einer der drei Geschäftsführer. Es ist seine sechste Erntesaison, die er seit Bestehen der Anlage überwacht. Sehr wohl weiß er den Segen der Technik zu schätzen, weiß aber mit Blick auf den diesjährigen Ertrag der Ernte genauso gut: »Die Natur zeigt uns dann und wann unsere Grenzen auf.«

Was für diese Saison bedeutet: Aufgrund der Trockenheit im Frühjahr und im Sommer hat die Mais-Ernte der siebzig Landwirte im Umkreis von zehn Kilometern nicht nur zwei Wochen früher begonnen, sondern ist vor allem um gut zwanzig Prozent schlechter ausgefallen als noch im Vorjahr. Etwa 26 000 Tonnen sind in Berstadt angeliefert worden, das heißt zirka 40 Tonnen pro Hektar. »Im Schnitt kalkulieren wir mit zirka 50 Tonnen pro Hektar. Es gab Jahre, da wurde auf einigen Feldern 60 Tonnen und mehr pro Hektar geerntet – aber das ist eben die Natur.«

Ausgleich mit Wintergerste

Kein Grund für Michael Schmidt und seine Kollegen in Panik auszubrechen. Denn in wenigen Tagen beginnt die Einbringung der Hirse, die in drei bis vier Tagen abgeschlossen sein sollte. »Trotz der erwähnten langen Zeiträume ohne erforderlichen Niederschlag bildet sich die besser trockenheitsresistente Hirse derzeit immer noch aus, was gut für das Ernteergebnis ist«, blickt Schmidt voraus. Um die niedrige Ausbeute an Mais auszugleichen, ist vorgesehen noch Ganzpflanzensilage (GPS) anzubauen wie Wintergerste, die im kommenden Frühjahr geerntet werden kann. »Das ist mit einigen, der mit uns über Jahre zusammenarbeitenden Landwirten, abgeklärt. Die dafür benötigten Flächen stehen zur Verfügung.«

Zurück zum Entladen in der Biogasanlage. Der Maschinenring Wetterau stimmt die Lieferungen punktgenau ab, vor Ort kümmert sich eine aus drei Arbeitern bestehende Silomannschaft um das richtige Lagern der Silage. Dies geschieht mit zwei Walzschleppern, und einem Schiebeschlepper, der die bis zu 25 Meter breiten Silage-Berge zusammenschiebt, luftdicht verfestigt und modelliert, ehe sie eine grüne Plane bedeckt. »Danach bildet sich unter Sauerstoffausschluss Milchsäure, welche die Silage haltbar macht«, erklärt Michael Schmidt. »Das kann man sich so vorstellen wie das Gären von Sauerkraut im Fass.«

Nach sechs bis acht Wochen ist die Silage einsatzbereit, um in hochwertiges Bioerdgas verwandelt zu werden, kann aber auch mindestens zwei Jahre auf dem Gelände der Biogasanlage lagern. Denn immerhin können hier gut und gerne 45 000 Tonnen Silage liegen, wovon in der Regel 110 Tonnen pro Tag in die Fermenter gelangen, davon – so die gesetzlichen Rahmenbedingungen – bis zu 60 Prozent Mais.

Nach der Ernte wird es für Michael Schmidt wieder etwas ruhiger. Ist er mitunter den Unbilden der Natur machtlos ausgesetzt, darf er sich dann wieder über die tadellose Technik der Anlage freuen. »Nach einer größeren Wartung und dem routinemäßigen Austausch von einigen Teilen läuft sie – toi, toi, toi – jetzt besser denn. So darf das ruhig weitergehen …“

Schlagworte in diesem Artikel

  • Hirse
  • Mais
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.