09. September 2015, 18:13 Uhr

Gemeinden und BI für Reaktivierung der Horlofftalbahn

Wölfersheim/Hungen (con/mlu). Seit mehr als zehn Jahren liegt die Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim im Dornröschenschlaf. Doch das soll sich wieder ändern. Zum Thema fand kürzlich eine Informationsveranstaltung im Hungener Kulturzentrum statt. Bürgermeister Kötter warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen.
09. September 2015, 18:13 Uhr
Mit der Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Strecke zwischen Hungen und Wölfersheim würde die Mainmetropole wieder etwas näher an die Peripherie rücken. (Foto: pm)

Über die verkehrliche Sinnhaftigkeit, technische Machbarkeit, Investitions- und Betriebskosten sowie die regionalpolitische Bedeutung einer Reaktivierung informierte kürzlich die als Bürgerinitiative aktive AG Horlofftalbahn im Hungener Kulturzentrum.

»Seit der Stilllegung mit Einstellung des regulären Personenzugverkehrs am 4. April 2003 ist kein Gras über die Horlofftalbahn im stillliegenden Abschnitt zwischen Hungen und Wölfersheim-Södel gewachsen«, sagte Stephan Kannwischer, der Sprecher der AG. Stattdessen hätten die Kommunen Hungen und Wölfersheim nach dem Ankauf 2011 einiges dafür getan, den Gleiskörper von Bewuchs freizuhalten und die jeweiligen Bahnhofsbereiche attraktiver zu gestalten, etwa durch die Renovierung des Hungener Bahnhofsgebäudes. »Hätte man sich nicht dazu entschieden, die Strecke zu kaufen, dann wäre sie von der Bahn entwidmet worden. Das hätte das Ziel einer Wiederaufnahme des Schienenverkehrs in unerreichbare Ferne gerückt«, weiß der Wölfersheimer Bürgermeister Rouven Kötter. Seither pflegten beide Kommunen ihre jeweiligen Streckenabschnitte. In regelmäßigen Abständen würden Sträucher zurückgeschnitten und Bewuchs aus dem Gleisbett entfernt. In Wölfersheim werden die Arbeiten vom Bauhof erledigt.

Sowohl Kötter wie auch sein Hungener Amtskollege Rainer Wengorsch lassen keinen Zweifel an ihrer Absicht, die Strecke zu reaktivieren. »Das wäre für die Region um Hungen und Wölfersheim sehr bedeutungsvoll, besonders wenn eine durchgehende Verbindung bis Frankfurt geschaffen würde«, sagt Wengorsch. Vorsichtiger formuliert Kötter: »Das Anliegen ist wichtig, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns, dessen Ziel wir nicht heute, nicht morgen und auch nicht im nächsten Jahr erreichen werden. Wir wissen nicht einmal, ob das Ziel irgendwann erreicht werden kann. Daher warne ich ausdrücklich vor populistischen Versprechen. Wir müssen weiter hartnäckig und zugleich realistisch bleiben.« Wichtig sei einstweilen, dass man die Chance einer Reaktivierung wahre, um sie umzusetzen, sobald sich die Möglichkeit dazu biete, so Kötter.

Als Ansprechpartner standen am Donnerstag die Mitstreiter der AG Horlofftalbahn, Jürgen Lerch (Regionalleiter Mittelhessen von Pro Bahn & Bus Hessen) sowie Dr. Franz Grolig zur Verfügung und präsentierten eine »Wasserstandsmeldung« des Projekts. Geplant ist eine Wiederaufnahme des Schienenverkehrs mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. »Die langsam fahrenden Züge, die hier früher verkehrten, waren einer der Hauptgründe dafür, dass nur wenige Fahrgäste die Bahnverbindung nutzten«, erklärte Lerch. Der Plan der Reaktivierung soll dabei in drei Schritten erfolgen, die teilweise auch die Grundbedingung für einen Erfolg darstellen: Zuerst müsste der Bahnhof in Beienheim umgebaut und modernisiert werden. Erst danach könnte die Strecke zwischen Hungen und Wölfersheim wieder in Betrieb gehen. Als dritter und abschließender Punkt stehe dann eine durchgehende Verbindung nach Frankfurt auf dem Plan. Diese könnte über Koppelzüge, die in Beienheim verbunden werden, erfolgen. Spätestens mit dem viergleisigen Ausbau der bis an die Grenzen ausgelasteten Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Friedberg würden sich Perspektiven für eine Direktverbindung nach Frankfurt eröffnen.

Hoffnung ruht auf EU-Förderung

Den Wölfersheimer Bahnhof hat die Gemeinde Wölfersheim gekauft, er soll »grundlegend umgestaltet« werden, lässt Kötter wissen. Derzeit würden die Pläne im Detail abgestimmt. Kötter: »Dabei müssen die genauen Anforderungen der Bahn beachtet werden. Beispiel hierfür ist die Länge des Bahnsteiges, der gemeinsam von Bus- und Bahnfahrern genutzt werden soll. Hatte man statt der erforderlichen 90 Meter in der Ursprungsplanung einen 120 Meter langen Bahnsteig eingeplant, sind nun 140 Meter vorgeschrieben. Derzeit beschäftigt sich das Eisenbahnbundesamt mit dem Wölfersheimer Bahnhof und muss entscheiden, ob eine einfache Plangenehmigung oder ein umfangreiches Verfahren mit Plangenehmigungsverfahren notwendig ist.«

Wie hoch die Gesamtkosten für eine Reaktivierung der Horlofftalbahn wären, könne derzeit nicht gesagt werden, hieß es auf der Informationsveranstaltung. Geschätzt gehe es um einen Betrag von fünf bis zehn Millionen Euro – Kosten, die die Kommunen alleine niemals tragen könnten. Daher ruht die Hoffnung auf Förderprogrammen, besonders das Leader-Programm der EU, mit dem strukturschwache ländliche Räume entwickelt werden, stehe im Fokus, so Lerch. Wichtig sei zunächst der politische und gesellschaftliche Wille. »Da ist Zeit und viel Überzeugungsarbeit nötig«, sagte Lerch. Dass die Reaktivierung funktionieren könne, zeige die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Korbach und Frankenberg: Dieser Streckenabschnitt wurde bereits in den 1980er Jahren stillgelegt und am Freitag wieder in Betrieb genommen.

Dass die Horlofftalbahn Befürworter hat, zeigte sich am Zuspruch zur Informationsveranstaltung, zu der rund 80 Besucher ins Hungener Kulturzentrum gekommen waren, die sich mit Ideen einbrachten.

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