22. November 2013, 18:48 Uhr

Blinder Musiker mit gutem Gedächtnis

Rosbach v. d. H. (sky). »Mein Name ist Oliver Möckel, ich bin blind und werde gut damit fertig«, steht als Einleitung in dem Flyer, mit dem sich der Pianist und Trompeter aus Rosbach seinem Publikum vorstellt. Am ersten Weihnachtstag 1971 kam er ohne Augenlicht in Mexico-City zur Welt.
22. November 2013, 18:48 Uhr

Die Arbeit des Vaters hatte die deutschstämmige Familie dorthin verschlagen. Im fernen Land blieb den Eltern wenig Gelegenheit, mit dem Schicksal zu hadern, das ihnen ein blindes Kind in die Arme gelegt hatte.

»Man darf nicht so lange darüber nachdenken, was ihm fehlt, sondern man muss nach vorne schauen und erkennen, wo seine Stärken liegen«, sagt Vater Edmund über seinen Sohn. Und diese Stärken lagen von klein auf in der Musik. Nach sechs Jahren Mexiko zog die Familie zurück nach Deutschland, wo Oliver in verschiedenen Internaten musikalisch gefördert wurde. »Wenn man blind ist, lernt man die Musik nicht vom Notenbild, das man ablesen kann, sondern man muss sich absolut auf das Gehör und ein präzises Gedächtnis verlassen«, sagt der Konzertmusiker, der sich neben der Musik auch für Fußball und Wandern interessiert. »Natürlich spiele ich nicht selbst Fußball, aber die Radio-Übertragungen finde ich richtig spannend«, meint er.

Möckels Ehrgeiz ist es, seinen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten zu können, so wie andere Menschen es auch tun. »Das ist für uns Blinde zwar ein bisschen schwieriger, aber ich schaffe das schon«, sagt er.

Zuversicht und Freude an der Musik sind die Eigenschaften, die Möckel immer wieder aufrichten. An der Bayerischen Landesschule für Blinde in München erhielt er eine Ausbildung zum Berufsmusiker in den Fächern Klavier und Trompete. Von 1997 bis 2002 war er Mitglied im Ensemble »Blinde Musiker München gGmbH«. Diverse Solo-Auftritte führten ihn ins benachbarte Ausland. 2003 gründete er die Selbsthilfegruppe »Blinde Musiker Frankfurt/Main«, mit denen er im gleichen Jahr auch einen Fernsehauftritt beim Hessischen Rundfunk hatte. »Es gibt viele Menschen, die uns Blinden wohlwollend gegenüberstehen und unseren beruflichen Weg ideell und materiell unterstützen«, sagt Möckel. Jeden öffentlichen Auftritt werte er als Anerkennung seines Bemühens, das Leben selbstständig in die Hand zu nehmen.

Inzwischen hat er sich mit einem breiten Repertoire beruflich so aufgestellt, dass Vereine und Betriebe, Kirchen und öffentliche Einrichtungen ihn als Interpreten einladen.

»Musik ist der ideale Weg, um Freunde zu finden«, sagt er. In der Sängerin Bettina Skottke und dem Pianisten und Akkordeonspieler Sven Roth hat er zwei Partner gefunden, die ihn unterstützen, und mit denen er kurzweilige Konzerte gibt. Das gemeinsame Frühlingskonzert »Musik liegt in der Luft« im Kloster Arnsburg im April traf auf eine so gute Resonanz, dass die drei sich nun entschlossen haben, in der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach eine Fortsetzung zu geben. Die Zuhörer erwartet ein bunten Musikreigen von klassischer Musik über Evergreens und Disco-Songs bis hin zu Musical-Melodien. Möckel: »Es wäre schön, wenn möglichst viele Musikliebhaber den Weg zu uns finden würden.« (Foto: sky)

Das Herbstkonzert »Musik liegt in der Luft« findet am Samstag, 30. November, in der Adolf-Reichwein-Halle Rosbach statt. Beginn ist 20 Uhr, der Eintritt ist frei. Es wird jedoch um Spenden gebeten.

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