09. November 2010, 10:12 Uhr

Verdienter Applaus für Theaterstück »Der Wald brennt«

Rosbach-Rodheim v. d. H. (sky). Mit ihrem Heimatspiel »Der Wald brennt« von Hermann Fornoff und Hans-Kurt Jacobi trat die Jubiläumstheatergruppe »1200 Jahre Rodheim« am Wochenende zweimal vor voll besetzte Reihen auf die Bühne des Bürgerhauses.
09. November 2010, 10:12 Uhr
Der Kronenwirt (Benni Muhle) leistet sich eine Auseinandersetzung mit Gret (Birgit Heinsch), die stets ein offenes Ohr für Gerüchte hat. (Fotos: sky)

Rosbach-Rodheim v. d. H. (sky). Mit ihrem Heimatspiel »Der Wald brennt« von Hermann Fornoff und Hans-Kurt Jacobi trat die Jubiläumstheatergruppe »1200 Jahre Rodheim« am Wochenende zweimal vor voll besetzte Reihen auf die Bühne des Bürgerhauses. Der Erlös der Veranstaltungen (eine dritte Aufführung gibt es am Samstag) soll der SG Rodheim und deren Anteil am Sportzentrum zugute kommen.

»Bleiben Sie ruhig auf Ihren Plätzen, wenn nachher einer ›Feuer‹ schreit. Denn das gehört zum Stück«, verkündete Ensemble-Mitglied Rainer Schaub bei der Begrüßung. Somit ließen sich die Gäste im Saal - allen voran Gerda Fornoff, die Witwe einer der Autoren - auf einen spannenden, amüsanten und zugleich lehrreichen Abend ein, an dem viele talentierte Hobbyschauspieler ihr Können unter Beweis stellten.

Den ersten Applaus erntete indes Bürgermeister Detlef Brechtel, als er im Talar eines Pastors gekleidet die Eingangsszene bestritt. Sein zufriedenes Lächeln hätte nicht typischer sein können, als er vor dem verblüfften Publikum durchs Kirchenportal auf den Bühnenmarktplatz schritt und einer Gruppe von Tratschweibern einen gesegneten Tag wünschte. »Der hat heute aber wieder schön gepredigt«, raunten die Weibsen einander zu. »Ach, das war doch wieder mal zum Einschlafen«, widersprach eine und erntete dafür in manch einem Zuschauergesicht ein breites Grinsen. Brechtel aber blieb bei seiner gewohnten Gelassenheit und überließ die Bühne für den Rest des Abends den Akteuren. So entspann sich vor den Augen der Zuschauer die in einer heftigen und lautstarken Auseinandersetzung gipfelnde Geschichte um den intriganten Hanauer Märkermeister (Hermann Krämer) und seinen Gegenspieler, den Rodheimer Schultheiß (Rainer Schaub), die schließlich in einen verheerenden Waldbrand mündete.

Gekonnte Mimik und Gestik

Regisseur Theo Hoffmann, der auch die Bühnenmusik eigens komponiert hatte, bewies eine glückliche Hand bei der Rollenverteilung, sodass die meisten Darsteller eine starke Identifikation mit den von ihnen gespielten Figuren spüren ließen. Selbst die jungen Nachwuchsschauspieler wie Louisa Gruner, Paul Zado, Aurelia Muhle, Lorenz Groh oder Christina Wolff zeigten beachtliche Leistungen, was nicht zuletzt auf ihre Freude am Schauspiel zurückzuführen sein dürfte. Ganz groß heraus kam Hermann Krämer in der Hauptrolle des Märkermeisters, dem er durch gekonnte Gestik und Mimik ein starkes Profil verlieh.

Szenenapplaus gab es auch für Birgit Heinsch als neugierige Gret, für Rainer Schaub als gestandenen, aber dennoch ohnmächtigen Bürgermeister, für Benni Muhle als niederträchtigen Kronenwirt und für Wolfgang Wien in seiner Doppelrolle als unterwürfiger Ortsdiener Christoph und als Balser, der Türmer.

Zudem gab es den politisch überwiegend desinteressierten Dreizehner-Rat oder die geschwätzigen Damen, die mächtig auf Zack und deshalb in der Lage waren, den Rodheimern anno 1670 wirklich »aufs Maul zu schauen«. Auch Heidi Gruppe als einfühlsame und weitsichtige Märkermeister-Gattin Christine sowie Sabine Konzelmann als die arme und ungerecht behandelte Kräuterlies verdienten sich mehr als nur braven Respekt für ihre Leistungen.

Einen Extra-Applaus gab es für Alexander Wien (Bürgermeister-Sohn Fritz) und Theresa Gruner (Kronenwirt-Tochter Mariechen), die mit dem gemeinsam gesungenen Liebeslied »Küss mich, halt mich fest« die Herzen der Zuschauer eroberten - ebenso für Frank Demmer, der als Sänger Wehrheim das Rodheim-Lied anstimmte.

Hans Moscherosch und Loni Mayer (den meisten Rodheimern noch als »Kaufmanns-Loni« bekannt) kommentierten die Aufführung auf ihre Weise. Moscherosch hatte als kleiner Bub die Freilicht-Uraufführung im Jahr 1949 miterlebt und erinnerte sich noch an den Grafen Friedrich Kasimir von Hanau, der hoch zu Ross daher geritten kam. Mayer hatte als Marktfrau vor 60 Jahren selbst auf der Bühne gestanden. »Damals sprachen wir Frauen keine wirklichen Sätze, sondern tuschelten nur irgendwas daher«, berichtete Mayer. Sie bedachte nicht nur die deutlichen Worte der Weiberschar in der Neuinszenierung mit einem großen Kompliment. »Es ist herrlich, mit anzusehen, wie die Rodheimer ihre eigene Geschichte so gekonnt auf die Bühne bringen«, meinte sie.

Dass dies so reibungslos klappen konnte, war nicht zuletzt den Leuten im Hintergrund zu verdanken. Die beiden Regieassistenten Daniela Wolff und Hans Joachim Nagel, Souffleuse Daniela Welzenheimer (die den Abend in einem kleinen blauen Kasten vor der Bühne verbrachte) sowie Oliver Spörer und Daniel Held an der Technik sorgten dafür, dass nicht nur der Ton stimmte, sondern auch der spektakuläre Waldbrand ins rechte Licht gerückt wurde. Nicht zu vergessen das einzigartige Bühnenbild, das Benni Muhle unter Mithilfe von Klaus Stary und Dirk Kessler entworfen hatte, sowie die Leistung der beiden Kostüm-Spezialistinnen Katja Dickel und Birgit Heinsch. Ihnen allen galt nach einer kurzweiligen Vorstellung ebenfalls der verdiente Applaus des Publikums.

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