22. Januar 2010, 19:00 Uhr

»31 virtuelle Jahre« Rosbacher Bürgermeister

Rosbach v. d. H. (hed). Wie lang wird die Rednerliste erst sein, wenn Detlef Brechtel 2013 seinen Abschied als Bürgermeister feiert? Am Donnerstag waren es immerhin über ein Dutzend Gratulanten, die dem Rosbacher Stadtoberhaupt für seine 25 Jahre als Rathauschef lobende Worte mit auf den Weg gaben - von den über 300 Gästen im Saal, die Brechtel alle per Handschlag in der Adolf-Reichwein-Halle begrüßt hatte, ganz zu schweigen.
22. Januar 2010, 19:00 Uhr
Keine Lobhudelei: Dr. Paul Kuhlmann bei seiner mit Spannung erwarteten Laudatio.

Rosbach v. d. H. (hed). Wie lang wird die Rednerliste erst sein, wenn Detlef Brechtel 2013 seinen Abschied als Bürgermeister feiert? Am Donnerstag waren es immerhin über ein Dutzend Gratulanten, die dem Rosbacher Stadtoberhaupt für seine 25 Jahre als Rathauschef lobende Worte mit auf den Weg gaben - von den über 300 Gästen im Saal, die Brechtel alle per Handschlag in der Adolf-Reichwein-Halle begrüßt hatte, ganz zu schweigen.

Einer, der Brechtel in letzter Zeit eher seltener die Hand gereicht hat, ist Dr. Paul Kuhlmann, Ex-CDU-Chef, Ex-Brechtel-Verbündeter und vielleicht bald wieder Ex-Brechtel-Widersacher. Denn bis auf einige politische und persönliche Spitzen, die sich der Ehrenvorsitzende der Rosbacher Union in seiner mit Spannung erwarteten Laudatio nicht verkneifen wollte, gab sich Kuhlmann recht versöhnlich. In den »virtuellen 31 Jahren als Bürgermeister« - bei seiner kurzen Auszeit von 1991 bis 1997 habe Brechtel schließlich »stets im Hintergrund mitgemischt« - habe Reinhold Medebachs Vorgänger und Nachfolger die Weichen für eine gute Zukunft der Stadt gestellt. Kuhlmann lobte Brechtels konsequente Denkweise, seine Genauigkeit, die ihm das politische Überleben gesichert habe, sowie die »bodenpolitische Meisterleistung«, die er bei der Vermarktung des Feldpreul-Areals bewiesen habe - auch wenn sich zum architektonischen Ergebnis jeder seine eigene Meinung bilden solle. Dass Brechtels Stärken auch immer Schwächen sein können, machte Kuhlmann den Zuhörern zwischen den Zeilen deutlich. Brechtel sei ein »Extrem-Formalist«, habe den Hang zum Polarisieren. Bei ihm gehörten Politik und Freundschaft nicht zusammen. Stets habe er nach dem Grundsatz »Der Zweck heiligt die Mittel« gehandelt.

Landrat Joachim Arnold würdigte Brechtels Struktur- und Finanzpolitik, bewunderte seinen Einsatz für die Kinderbetreuung und lobte die Zielstrebigkeit, mit der er Rosbach zur Kommune mit den höchsten Steuereinnahmen in der Wetterau gemacht habe.

Von seinem langjährigen politischen Weggefährten Günter Sehr (FWG) bekam Brechtel einen auf Leinwandgröße gebrachten Schnappschuss geschenkt, der den 67-Jährigen »zur Abwechslung mal nicht mit seinem »Dienstlächeln zeigt, das er sonst für die Presse auflegt«. Wie Brechtel versicherte, sei das Bild bei einem Weinabend entstanden.

»Sie stehen noch voll im Saft«

Auch Erster Stadtrat Wolfgang Datz (»Es heißt, Menschen mit dem Sternzeichen Fisch versuchen, Streit möglichst zu vermeiden. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.«) und Florstadt Rathauschef Herbert Unger als Vorsitzender der Bürgermeistervereinigung (»Es wirkt wie Ihre Verabschiedung, dabei stehen Sie noch voll im Saft«) richteten an einem launigen Abend Worte an den locker wirkenden Jubilar. Am Rednerpult allerdings zeigte Brechtel die gewohnte Souveränität. Es habe ihn gefreut, dass »nicht nur Lobhudelei, sondern ehrliche Aussagen« an ihn gerichtet worden seien. In seinen Gedanken ging Brechtel auf den Einbruch der Steuereinnahmen ein und forderte eine Reform der Gemeindefinanzierung. Trotz Konsolidierungsprogramm werde es keinen Stillstand in Rosbach geben, lautete sein Versprechen - auch an den Nachwuchs der Stadt. Statt Geschenken hatte sich der Jubilar Spenden für den Förderverein der Kita »Alte Schule« gewünscht, weshalb ihm die Vorsitzende Ivonne Tschiersch ein von den Kindern gestaltetes Plakat überreichte.

Bevor nach über zwei Stunden der Männergesangverein Germania zu seinem Schlusslied auf die Bühne kam und das Büffet anschließend innerhalb weniger Minuten verputzt war, ließ der Geschäftsführer des Hessischen Städtetages, Dr. Jürgen Dieter, noch einmal alle aufhorchen. Man habe gute Argumente für eine Heraufsetzung des Höchstalters für Bürgermeister, das Brechtel im März 2013 erreicht. »Wenn Sie wollen, können Sie sich eine erneute Kandidatur ja noch einmal überlegen«, scherzte Dieter. Insider versicherten später: »Wer Brechtel kennt, weiß, dass er das sicher schon getan hat.

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