09. Januar 2013, 20:23 Uhr

Neuer JVA-Leiter Klaus Ernst offiziell im Amt

Rockenberg (hau). Vor viel Prominenz wechselte am Mittwoch in der Justizvollzugsanstalt auch offiziell die Leitung. Nach sechs Jahren wurde Leiter Michael Mentz verabschiedet, im April 2012 war er aus dem öffentlichen Dienst ausgeschieden. Sein Nachfolger Klaus Ernst hatte das Amt Mitte November übernommen.
09. Januar 2013, 20:23 Uhr
Findet in Rockenberg ein »gut bestelltes Feld« vor: Der neue JVA-Leiter Klaus Ernst. (Foto: Hausmanns)

Zum Festakt in der Sporthalle der JVA begrüßte der neue stellvertretende Anstaltsleiter Gerrit Holzapfel, unter anderem Justizminister Jörg-Uwe Hahn, Polizeipräsident Manfred Schweizer, die Bürgermeister von Rockenberg und Butzbach und Mitglieder von unterstützenden Vereinen und Organisationen. Der Frankfurter Sänger und Gitarrist Aren Emirze sang armenische Lieder.

Die JVA sei nach über 200-jähriger Geschichte ein geschätzter Bestandteil der Gemeinde, unterstrich Bürgermeister Manfred Wetz. Er wünschte Klaus Ernst Durchsetzungsvermögen und ein gutes Gespür, den Minister bat er um die Unterstützung der Landesregierung zur weiteren Sanierung des Marienschlosses, die ihm Hahn für dieses Jahr zusagte.

Professor Dr. Philipp Walkenhorst von der Uni Köln ging auf pädagogische Aspekte im Jugendstrafvollzug ein, er plädierte für »Lebensschule« statt »Knast«. Die moderne JVA sei ein »umfassender Lernort für junge Menschen mit Förderbedarf«. Inhaftierung sei kein Selbstzweck und der Justizbeamte kein Vollstrecker. Vielmehr gelte es, Goldkörner zu entdecken, und seien sie noch so versteckt. Seine Hochachtung gehöre Michael Mentz, der seinen Beruf mit großer leidenschaftlicher Initiative, mit neuen Ideen und der notwendigen Portion »Verrücktheit« ausgefüllt habe. Mit Engagement und Feuereifer habe Mentz immer im Dienst der jungen Leute gehandelt.

Justizminister Jörg-Uwe Hahn erinnerte an den 5. Geburtstag des hessischen Gesetzes zum Jugendstrafvollzug, der just in diesen Tagen gefeiert werden könne. Michael Mentz habe die Grundlagen dafür maßgeblich erarbeitet und die Umsetzung in Rockenberg nach vorne gebracht. Bei straffälligen Jugendlichen gehe es meist nicht um Re-Sozialisierung, sondern um die erstmalige Sozialisierung. Die meisten hätten vorher keine Chance bekommen. »Wir müssen Stärken stärken und Schwächen ein bisschen ausgleichen«, sagte der Minister.

Der Wohngruppen-Vollzug sei inzwischen Standard – zwar nicht immer problemlos, aber die beste Möglichkeit, familienartige Strukturen aufzubauen. Hahn ging ein auf die schulische und berufliche Bildung der Jugendlichen, aufs Freizeit- und Sportangebot und auf extravagante Angebote wie »Romeo und Julia hinter Gittern«, ein dreimonatiges Theaterprojekt, das in der Öffentlichkeit für Furore gesorgt hatte.

Seit Michael Mentz wisse Hessen, wie Jugendstrafvollzug funktioniere, sagte der Justizminister und wandte sich an Klaus Ernst mit der Bitte, das gut bestellte Haus so weiterzuführen.

Klaus Ernst betonte, seit seinem ersten Tag in Rockenberg habe er den guten Umgang unter den Jugendlichen, die aufgeschlossenen Bediensteten, kompetenten Kollegen und die effektive Verwaltung schätzen gelernt. Zum positiven Anstaltsklima habe sicher auch die Aufstockung des Personals nach der Gesetzgebung von 2008 beigetragen.

Er wolle die Teamarbeit weiterentwickeln, die Angebotsstruktur verbessern und die Haft-Entlassungen noch besser vorbereiten. Dazu sollten auch die sozialen Dienste und die Nachsorge besser vernetzt werden. Fortschritte habe man durch einen verlässlichen Vertretungsplan gemacht, durch Weiterbildungsangebote und die verbesserte Sicherheit. Bei seinem Vorgänger bedankte sich Ernst für 14 Monate gute Zusammenarbeit.

Er sei sicher kein pflegeleichter Mitarbeiter gewesen, räumte Mentz ein, manchmal ein unorthodoxer »Spinner«. Humorvoll verpackte er neben dem Dank an die Behörden auch den an seine Familie und an die Mitarbeiter, außerdem dem Fliedner-Verein und dem Rockenberg-Verein Dreieich als »verlässliche und unverzichtbare Säulen« bei der Hilfe für straffällige Jugendliche.

Der ehemalige Anstaltsleiter dankte dem Beirat (»es gab wenig Kontroversen«) und der Gemeinde Rockenberg. »Hier fühlt sich die JVA gut aufgehoben.« Seinen Nachfolger warnte Mentz: Die Anstalt sei eine regelrechte Kaderschmiede, er müsse mit Mitarbeiterklau rechnen.

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