24. Mai 2013, 19:38 Uhr

Wandert die Raststätte an den Ortsrand?

Ober-Mörlen (hau). Seit längerem ist – mehr oder weniger – bekannt, dass es Planungen zur Verlegung und Erweiterung der Tank- und Rastanlage Wetterau Ost an der A 5 gibt. Bislang galt das Ansinnen des Bundes als Zukunfts-Projekt. Jetzt nimmt es konkrete Formen an.
24. Mai 2013, 19:38 Uhr
Blick übers Dorf und auf den Berg. Könnte dort in einigen Jahren eine bewirtschaftete Rastanlage stehen? Noch ist nichts spruchreif. (Foto: nic)

Unlängst erhielten Grundbesitzer ein Anschreiben mit der Bitte, für den Neubau benötigte Flurstücke zu verkaufen. Dem Schreiben der Hessischen Landgesellschaft lag eine Planskizze bei, die in der Bevölkerung für Unruhe sorgt. Eine Initiativgruppe macht sich für eine Bürgerversammlung stark. Unterschriften werden gesammelt, sie sollen dem Bürgermeister überreicht werden. Noch könne keine Aussage zu einem möglichen Baubeginn gemacht werden, hieß es seitens Hessen Mobil auf WZ-Anfrage.

Laut der Planskizze soll die Raststätte mit deutlich erweitertem Parkplatzangebot, insbesondere für Laster, nach Norden wandern. Und zwar in das Areal zwischen der verlängerten Nauheimer und der verlängerten Friedberger Straße – also von Ober-Mörlen aus gesehen auf die andere Seite der Autobahn zwischen den beiden Schleichwegen übern Berg Richtung Bad Nauheim. Eingezeichnet ist zudem eine neue Autobahnauffahrt in Richtung Norden, die von einer bislang nicht existenten Straße in West-Ost-Richtung aus zu erreichen wäre.

Die Skizze wirft Fragen und Spekulationen auf. Warum soll eine solch große Anlage direkt an ein Wohngebiet gelegt werden, noch dazu in ziemlich abschüssiges Gelände? Wie ist die Anbindungsstraße an die neue Autobahn-Auffahrt zu verstehen? Handelt es sich um die kleine Ortsumfahrt, die von der B 275 auf Höhe des Maibergs rund um Ober-Mörlen bis zur A 5 führen könnte? Wie ist die Verlängerung jenseits der Autobahn zu verstehen, nachdem Bad Nauheim in Sachen Umgehungsstraße längst abgewunken hat?

Waltraud Neisel von der Initiativgruppe, die sich für eine Bürgerversammlung stark macht und dazu Unterschriftenlisten im Dorf verteilt, sagt: »Wir wollen informiert werden, alles andere wäre undemokratisch.« Und: »Als wir im Winter beim Spazierengehen die orangefarbenen Autos der Landvermesser und dann die eingerammten Pflöcke in dem Gebiet unterhalb des Segelflugplatzes gesehen haben, haben wir noch gepennt.« Jetzt erst sei ihr die Verbindung zur geplanten Rastanlage klar geworden. Ihr bereite die Planung Sorge. Ein Blick in die Kriminalstatistik verrate, dass 80 Prozent der Straftaten auf den Wetterauer Raststätten verübt wurden, von denen nun eine direkt ans Dorf verlegt werden solle. Nicht zuletzt bei der Vorstellung von der verschandelten Landschaft drehe sich ihr der Magen um.

Von den angesprochenen Gemeindevertretern bekomme man keine Informationen, deshalb bemühe man sich nun um eine Bürgerversammlung, wie sie die Hessische Gemeindeordnung in »wichtigen Angelegenheiten« vorsehe. »Die Unterschriftenlisten überreichen wir am Montag im Rathaus an den Bürgermeister.«

»Gemeinde nicht involviert«

Wie Bürgermeister Jörg Wetzstein auf WZ-Anfrage sagte, sei die Gemeinde in das Bauvorhaben des Bundes nicht involviert. Deshalb kenne er auch keine Details.

Unterdessen will die CDU-Fraktion in die Gemeindevertretersitzung am Montagabend eine Anfrage bezüglich des Planungs-und Sachstands einbringen.

Über die Pressestelle von Hessen Mobil erfuhr die WZ, dass an der A 5 ein erhebliches Defizit an Parkplätzen für Laster bestehe. »Deshalb wurden die vorhandenen Rastanlagen an der A 5 in Hessen auf ihr Erweiterungspotential untersucht.« Die bewirtschaftete Rastanlage Wetterau Ost sei aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht erweiterbar. Insbesondere könne »die benötigte Lkw-Parkstandkapazität« an diesem Standort nicht annähernd erreicht werden.

Deshalb hat man laut Hessen Mobil eingehende Variantenuntersuchungen angestellt. Grundsätzlich strebe man einen Standort an, bei dem »der räumliche Bezug sowie die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur (Ver- und Entsorgung) aufrechterhalten werden kann«. Aus der Untersuchung sei ein Ersatzneubau rund einen Kilometer nördlich der bestehenden Anlage als zu favorisierende Variante hervorgegangen. »Damit können auf einer Gesamtgröße von etwa 8,5 Hektar etwa 165 Lkw-Stellplätze geschaffen werden.« Es handle sich um eine bewirtschaftete Tank- und Rastanlage. Für den geplanten neuen Standort liege ein vom Bundesverkehrsministerium genehmigtes Standortkonzept vor.

Beginn des Vorentwurfs

»Damit liegt der Planungsauftrag für den Vorentwurf vor«, so Hessen Mobil. Die nächsten Schritte seien der Start der Umweltverträglichkeitsstudie und der Beginn des Vorentwurfs. »Aufgrund des derzeitigen Planungsstandes kann aber noch keine Aussage zu einem möglichen Baubeginn gemacht werden.«

Die Hessische Landgesellschaft, die Anfang 2012 von Hessen Mobil alle Flächenmanagement-Aufgaben für den Straßenbau, einschließlich des Grunderwerbs, übernommen hat, wollte nicht Stellung beziehen und verwies auf die Pressestelle von Hessen Mobil.

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