26. April 2013, 10:58 Uhr

Es eaß nirgends schinner wäi dehaam

Niddatal-Assenheim (nol). Geht unsere Mundart verloren? Diese Frage stellte sich am Dienstag beim Vortragsabend in der Stadtbücherei, zu dem die Leiterin Gertrud Mayr und der »Assemer Boub« Karl Meisinger eingeladen hatten. Der Zuspruch war enorm.
26. April 2013, 10:58 Uhr
Karl Meisinger begeistert mit Gedichten und Geschichten das Publikum in der Assenheimer Stadtbücherei. (Foto: nol)

Über 50 Gäste erlebten einen einzigartigen Mundartabend, bei dem viel gelacht, geschwätzt und übersetzt wurde.

Mit einem »Ei goude wäi« begrüßte Meisinger die Zuhörer, stellte sich als zweisprachiger Assemer (Hochdeutsch und Platt) vor und dankte Mayer für die Organisation des Abends. Meisinger widmete den Abend der heimischen Mundart und im Besonderen dem »Assemer Platt«, das einst von Otto Bauer in Gedichten und Geschichten festgehalten wurde. Auch von Luise Pickert, Pfarrersfrau aus Kaichen, von Wilhelm Philipps, Karl Weigand, Erich Stümpfing, Fritz Ulrich und Peter Geibel gab es viel Amüsantes und Nachdenkliches zu hören. Mit einem Gedicht von Florstadts berühmtestem Sohn Karl Weigand, »Ds Läidche von dr Wearrerah« (»Das Liedchen von der Wetterau«) eröffnete Meisinger eine fast zweistündige Reise in eine Sprachkultur, die nicht allen Gästen geläufig war.

Meisinger stellte fest, dass die alten Formen oberhessischer Dialekte meist nur noch von Angehörigen der älteren, ortsgebundenen Generation gesprochen würden. Oder die Mundart werde in der Traditionspflege des heimischen Brauchtums am Leben erhalten, was seit einigen Jahren in Florstadt geschehe. Dort schwätzten die Einheimischen auch heute noch mehr Platt als bei den Assenheimern, was wohl damit etwas zu tun habe, dass die Durchmischung der Einwohnerschaft durch Zugezogene in Assenheim größer sei. Als bedauerlich befand Meisinger, dass die Jugend eine ganz andere Sprache entwickelt. In E-Mails oder beim Simsen würden Abkürzungen eingeführt, die manche Eltern nicht mehr entziffern könnten. In der Mundart sei das konsequente Abkürzen von Wörtern und Sätzen ebenfalls ein wesentliches Merkmal des Dialektes. »Wir Oberhessen wollen halt schneller vorankommen und keine endlosen Monologe führen«, meinte Meisinger und zeigte Beispiele auf: Aus Kühen werden »Koi«, aus Pumpe »Bomb«.

Bauer als Multitalent

Einen großen Teil des Abends widmete Meisinger dem Assenheimer Otto Bauer, der 1878 geboren wurde und bis 1971 hier wohnte. Mit dem Schreiben eigener Gedichte habe er schon früh begonnen, seine Erstlingswerke datierten auf 1890. Später veröffentlichte er kleine Gedichtbände, wirkte lange Jahre mit Beiträgen zu den Sendungen von Radio Frankfurt »Hibb de Bach und dribb de Bach« mit. Bauer war Heimat- und Mundartdichter, Chronist, Fotograf, Botaniker und Sammler, er war der Musik, der Literatur und allen Musen zugewandt. Er war auch ein Romantiker, der seine Gedichte zuerst in Hochdeutsch verfasste und später zur Mundart überging. Meisinger beendete den Abend denn mit einer von Bauer geschriebenen Huldigung auf die Wetterau. Darin heißt es: »Es eaß doach nirgends schinner wäi dehaam.«

Mit lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum für einen gelungenen Mundartabend, der rundum begeisterte und eine Neuauflage erfahren sollte.

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