28. April 2013, 17:48 Uhr

Ewalda Klein gewinnt den Wetterauer Mundartwettbewerb

Nidda (ema). An Interesse fehlte es nicht beim 3. Wetterauer Mundartwettbewerb. 14 Tage vorher waren die 250 Plätze des Ulfaer Bürgerhauses restlos ausverkauft. Alphornmusik und ein Sketch der »Ülfer Schaustecker«, ein Singspiel der Grundschulkinder und Bewirtung mit Hausmacher Wurst und Handkäs’ begeisterten das Publikum.
28. April 2013, 17:48 Uhr
Die Sieger des Wetterauer Mundartwettbewerbs. In der Mitte steht die Erstplatzierte Ewalda Klein mit ihrem Pokal. (Fotos: ema)

Die Ulfaer Gastgeber sorgten für einen absolut passenden Rahmen und die Grußworte von Landrat Joachim Arnold, Bürgermeister Hans-Peter Seum und Ortsvorsteher Ottmar Weber wurden selbstverständlich in Platt gehalten. Mit Rücksicht auf Bedauernswerte, die diese schöne Sprache nicht verstehen, wurde doppelt moderiert: Katja Sang sprach Hochdeutsch, Michael Fritzius, hier ebenso in Polizeidieneruniform wie beim Ulfaer Fasching, führte im heimischen Dialekt durch das Programm.

Mit Spannung wurden die Beiträge erwartet. 20 waren eingereicht worden, eine Jury wählte zehn davon aus und jetzt war das Publikum zur Endabstimmung gefragt. Wetterauer aus dem ganzen Kreisgebiet stellten ihre Beiträge vor. Bunt waren die Themen: Von Kindheitserinnerungen zu heiter Gereimtem, von Situationskomik aus dem Wartezimmer bis zum Schlachtfest der alten Zeit – vom Friedberger Josef Dönges in Metzgerschürze vorgetragen. Als die vom Publikum ausgefüllten Stimmzettel eingesammelt waren, stieg die Spannung. Da war es gut, dass die Schauspielerin Gertraud Gilbert die Zeit überbrückte: Mit Plaudereien in Wetterauer Platt, mit heiter-nachdenklichen Gedichten des Klein-Karbener Mundartdichters Peter Geibel, mit Liedern, bei denen sie das Publikum zum Mitsingen einlud.

Dann war es so weit, die drei Teilnehmer auf den Spitzenplätzen wurden bekannt gegeben. Dritte wurde die Ulfaerin Edeltraut Klauer, die die gymnastischen Abenteuer ihrer Landfrauengruppe mit »Däi Beckeburremgymnastik« in Verse gefasst hatte. Zweiter wurde Olaf Kromm aus Gelnhaar mit seinem gereimten »Owerhessichen ABC«. Souverän hatte er selbst schwierige Laute wie Q (»Quetsche«), X (»Xanxveroin«) und Y (»Ymesehoufe«) einbezogen.

Groß war der Applaus, als die Erstplatzierte bekannt gegeben wurde: Ewalda Klein aus Ockstadt mit ihrem Text »Usdern von freuhe«, ebenfalls in Reime gefasst. Pfiffig wird der Osterputz vom Keller bis zum Dach beschrieben: »Wer näi hod gebotzt / Der wor naud notz«. Nichts blieb ungenannt: Das Eierfärben mit »Zwiwwelschole«, das samstägliche Backen des »Riwwelkuchens«, das »Ajeschibbeln« der Kinder, der Gang über den Markt am Osterdienstag, wo die Mutter den Vater erst mit einem Glas »Äbbelwoi« in »Kuaflaune« versetzen musste, um ein neues »Milchdebsche« zu bekommen. Kein Wunder, dass Ewalda Klein vergangene Zeiten so authentisch schildern kann: 1936 in Wernborn bei Usingen geboren, musste sie von Kind auf in der kleinen Selbstversorgerlandwirtschaft der Eltern mit Ziegen, Schafen, Schweinen und Hühnern mithelfen. Der Großputz – bei den katholischen Familien hauptsächlich am Karfreitag – war unverzichtbare Pflicht, sonst wäre Ostern nicht perfekt gewesen. Ewalda Klein heiratete nach Ockstadt und »lernte um« – von der Sprache des Taunus’ in den Wetterauer Dialekt. Schon als junge Frau schrieb sie Verse für Familienfeste, verfasste Sketche für die Kameradschaftsabende der Feuerwehr, wo ihr Mann engagiert war, und führte mit anderen Frauen die heiteren Szenen auf. Nach und nach wurde daraus die Theatergruppe »Anno dazumal«, und Ewalda Klein schrieb abendfüllende Dialektstücke mit Titeln wie »Die silbern Huchzet«, »Die gruß Wesch« oder »Es Christbeemsche«.

Im Selbstverlag veröffentlichte sie ein Kinderbuch, mit dem Kindertheaterstück »Die Schoul vo freuer« trug sie zum Jubiläum der Ockstädter Schule bei und kam bei einem Bad Nauheimer Märchenwettbewerb mit ihrer Geschichte »Wie die Rose zu ihren Dornen kam« auf den ersten Platz. Sie freut sich über den Wetterauer Mundartpreis, hat aber wenig Zeit zum Verschnaufen. Demnächst macht sie beim Ockstädter Pfarrfest mit dem Einakter »Die Gemeussupp« mit.

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