12. April 2011, 18:55 Uhr

Nidda: Anabolika-Händler muss für vier Jahre in Haft

Nidda/Gießen (kan). Zu vier Jahren Haft ist am Dienstag der Anabolikahändler verurteilt worden, der zwischen 2002 und 2010 mit Steroiden zur Herstellung von Dopingmitteln im ganz großen Stil gehandelt hatte. Damit lag die Strafe am obersten Rand dessen, was die Beteiligten am ersten Verhandlungstag in einer Verständigung als Strafrahmen ausgehandelt hatten.
12. April 2011, 18:55 Uhr
Die in einem Stadtteil von Nidda gelegene Halle diente dem Dopingring als Lager. Zollfahnder beschlagnahmten dort illegale Arzneimittel im Wert von rund zehn Millionen Euro. (Foto: dpa)

 

In 45 Fällen habe der 57-Jährige aus Altenstadt mit unerlaubten Arzneimitteln gehandelt, begründete die Vorsitzende der Zweiten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts, Regine Enders-Kunze, das Urteil. Dazu kamen acht Fälle von Steuerhinterziehung, weil der Angeklagte die Gewinne aus seinen Geschäften - immerhin bis zu 15 000 Euro monatlich - nicht versteuert hatte. »Natürlich kann man, wenn man illegal mit Arzneimitteln handelt, keine Steuer angeben«, sagte die Richterin. Dennoch hatte er sich durch die Geschäfte eine Einnahmequelle verschafft, für die Einkommens- und Gewerbesteuer fällig gewesen wäre. Dafür wurde er - zusätzlich zur Haft - zu einer Geldstrafe in Höhe von rund 43 000 Euro verurteilt.

Bereits Anfang 2006 hatte die Polizei das Haus des 57-Jährigen durchsucht und dabei Steroide sichergestellt. Schon fast zwei Jahre lang hatte er damals monatlich zehntausende Ampullen und Tabletten importiert und nach Österreich weiterverkauft, wo sie zu Anabolika weiterverarbeitet wurden. Etwa 300 000 Euro hatte er in diesen Monaten mit seinen Geschäften verdient. Gegen den 57-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. »Und was macht der Angeklagte jetzt?« fragte Enders-Kunze. »Die Antwort darauf: Er macht weiter wie zuvor. Da steckt eine kriminelle Energie dahinter, die kaum zu überbieten ist.«

Nur gut zwei Monate nach der Hausdurchsuchung kommt die nächste Lieferung bei ihm an. Über vier Jahre lang soll er nun mit mehr als 30 verschiedenen Präparaten gehandelt haben - darunter auch solche, die die Nebenwirkungen der Anabolika bekämpfen. Die in Österreich fertiggestellten Dopingmittel kamen wieder zurück in die Wetterau, von hier aus verkaufte sie der Angeklagte weiter an vier Großkunden, die sie in Sportstudios unter die Leute brachten. Dass auch Spitzensportler zum Kundenkreis zählten, bestritt der 57-Jährige.

Im September 2010 folgte dann die nächste Durchsuchung. In einem Lager des Angeklagten stellten die Fahnder über fünf Millionen Ampullen und Tabletten sicher - der weltweit größte Fund an Dopingmitteln, den die Ermittler bisher gemacht haben. Das Verhalten des 57-Jährigen zeuge von »völliger Ignoranz gegenüber jeglicher Rechtsordnung und völliger Ignoranz gegenüber den Nebenwirkungen«, sagte die Richterin. Dem Wetterauer sei nur wichtig gewesen, sich ein großes Haus und ein teures Auto leisten zu können.

Damit ist es nun erst einmal vorbei. Denn 500 000 Euro wurden gepfändet, womit auch der Steuerschaden in Höhe von knapp 235 000 Euro wieder ausgeglichen ist. »Er wird jetzt in einfachen finanziellen Verhältnissen zurecht kommen müssen.« Diese Schadenswiedergutmachung wirkte sich auf das Strafmaß aus, vielmehr aber noch sein umfassendes Geständnis. Er sei fast so etwas wie ein »Kronzeuge« gewesen, meinte die Kammer. Der 57-Jährige hatte die Ermittlungen mit seinen Angaben unterstützt, dank seiner Aussagen konnten weitere Verfahren eingeleitet werden.

Anabolika-Händler räumt illegale Geschäfte ein Anklage gegen internationalen Doping-Händler

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