10. Januar 2014, 09:48 Uhr

Einblick in die Erdgeschichte

Glauburg-Stockheim (prw). »Die Wetterau ist eine an Naturschönheiten reiche Landschaft. Dass es auch wertvolle Geotope gibt, ist nur wenigen bewusst«, sagte Landrat Joachim Arnold kürzlich beim Besuch des Naturdenkmals »Kieskaute von Stockheim«.
10. Januar 2014, 09:48 Uhr
Werfen einen Blick in die Vergangenheit (v. l.): Professor Gotthard Kowalczyk, Karl-Hermann Heinz, Karl-Friedrich Michl, Joachim Arnold, Dr. Günter Seidenschwann, Carsten Krätschmer, Werner Erk und Kerstin Bär.

Er erfuhr von den anwesenden Experten, dass die unweit des Feuerwehrgerätehauses liegende Kiesgrube einen Blick in die Vergangenheit gewährt: Vor rund 250 Millionen Jahren sah es ganz anders auf der Erde aus. Die Kontinente waren zu einem Großkontinent vereinigt. Es herrschte ein überwiegend warmes und trockenes Klima, in dem rote Gesteine, sogenanntes Rotliegende, gebildet wurden. Das Rheinische Schiefergebirge, zu dem auch der Taunus gehört, wurde abgetragen, und das von Gewässern mitgeführte Material wie Ton, Schluff, Sand und Geröll lagerte sich in den randlichen Becken ab. Neben großen Amphibien traten die ersten Reptilien auf. Sie hinterließen Spuren in den noch nicht verfestigten Ablagerungen. Vor 260 Millionen Jahren kam es dann zum Einbruch des Zechsteinmeeres, das die Ablagerungen des Rotliegenden mehrere Hundert Meter überdeckte, und an dessen Grund sich Kalk und Mergel bildeten.

Ein versteinerter Fluss

Diesen Übergang kann man in der Stockheimer Kieskaute nachvollziehen. »Im oberen Teil der Wände sind Kalke des Zechsteins zu finden, darunter sind die sogenannten Kupferletten als dunkle Streifen zu erkennen. Im unteren Teil sind die typisch roten Steine des Rotliegenden zu finden, der nach diesem spektakulären Fundort auch als ›Glauburger Formation» bezeichnet wird«, erläuterte Gotthard Kowalczyk, emeritierter Professor für allgemeine und regionale Geologie, beim Ortstermin. Diese Schicht des Rotliegenden sei bis zu 400 Meter stark und in Stockheim besonders gut erkennbar.

In der Kieskaute bestehe die sichtbare Schicht des Rotliegenden aus einem chaotischen Gemisch, das auch viele grobe Gerölle enthalte. Diese Gerölle stammten von Gesteinen des Taunus. Kowalczyks Interpretation: Hier floss ein Hauptstrom von Schutt aus dem Taunus in eine Rinne in das Becken. Dort, wo nur feinkörnige Ablagerungen zu finden sind, sei der Strom als Flut über die Ränder der Rinne hinausgetreten. Man habe also eine Art versteinerten Fluss vor sich. »Vor 260 Millionen Jahren wäre man an dieser Stelle fortgerissen worden. « Das Material habe sich anschließend zu einem Konglomerat verfestigt. »Das Gestein wurde durch Verwitterung wieder aufgelockert und später in der Kiesgrube als Wegebaumaterial abgebaut – so entstand die Kieskaute.«

»Zu verdanken haben wir diese hervorragende Darstellung des Geotops vor allem dem Wirken vieler Ehrenamtlicher«, sagte Joachim Arnold. Werner Erk, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Glauburg, Professor Dr. Gotthard Kowalczyk, der die Arbeit wissenschaftlich begleitete, Kerstin Bär von der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft, Sektion Vogelsberg, und Dr. Günter Seidenschwann, Vertreter der Wetterauischen Gesellschaft, hätten sich dabei besonders hervorgetan. Die Gesellschaft übernimmt Teile der Sammlung von Professor Kowalczyk mit regionalem Gestein, die künftig auch im Heimatmuseum Glauberg ausgestellt werden könnten. Finanziert wurden die Arbeiten aus Mitteln des Wetteraukreises. (Foto: prw)

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