18. Januar 2011, 19:28 Uhr

Bundesverdienstkreuz für Gisela Spruck

Glauburg-Stockheim (vc). Das Bundesverdienstkreuz am Bande hat am Montag die Stockheimerin Gisela Spruck erhalten. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn überreichte in der Staatskanzlei in Wiesbaden die hohe Auszeichnung an die Eigentümerin des Hofgutes Leustadt. Damit soll ihre über 60-jährige ehrenamtliche Denkmalpflege gewürdigt werden.
18. Januar 2011, 19:28 Uhr
Minister Hahn und Gisela Spruck bei der Ordensverleihung. (Foto: vc)

Glauburg-Stockheim (vc). Das Bundesverdienstkreuz am Bande hat am Montag die Stockheimerin Gisela Spruck erhalten. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn überreichte in der Staatskanzlei in Wiesbaden die hohe Auszeichnung an die Eigentümerin des Hofgutes Leustadt. Damit soll ihre über 60-jährige ehrenamtliche Denkmalpflege gewürdigt werden.

Als Politiker mit Wurzeln im Kreis nehme er die Ehrung mit besonderer Freude vor, aber auch als Justizminister, da Gisela Spruck jahrzehntelang als ehrenamtliche Richterin tätig gewesen sei. In ihrer Dankesrede wollte Spruck die Verleihung als Ehrung aller privaten Eigentümer von Kulturdenkmälern verstanden wissen, »die ohne Entschädigung bereit sind, Opfer für ihre Baudenkmäler zu bringen«.

In unermüdlicher Tätigkeit ist durch sie aus dem Hofgut Leustadt ein Schmuckstück geworden. Doch auch andernorts setzte sich die Vorsitzende des Beirats der Unteren Denkmalschutzbehörde des Wetteraukreises für das Baudenkmal ein. So hat sich die Geehrte an der Renovierung der katholischen Kirche in Stockheim beteiligt. Gisela Spruck war es, die den Wert des Denkmals im Art-Déco-Stil erkannte und für die Aufnahme in den »Dehio«, das Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, sorgte. Für diese Leistungen hat sie schon den Hessischen Denkmalschutzpreis und die Silberne Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz erhalten. Auch tragen das Hofgut Leustadt und die Kirche in Stockheim das »Blaue Schild«, die europäische Denkmalplakette für Baudenkmale von nationaler Bedeutung. Spruck hat damit Stockheim die Ehre verschafft, gleich zwei nationale Baudenkmäler zu besitzen. Sie hat sich auch 19 Jahre lang im Ortenberger Archiv engagiert, zudem ist sie Mitglied im Büdinger Geschichtsverein.

Ihre beiden Hauptinteressen gaben ihr die Eltern mit auf den Weg. Die Kölner Mutter, in deren Familie Kunstinteresse Tradition hatte, war Schülerin von Kunsthistoriker Georg Dehio und restaurierte selbst . Gisela Spruck entschied sich daher für ein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und hospitierte in einer Restaurierungswerkstatt. Das Interesse für die Landwirtschaft weckte ihr Vater, der zu seiner Arbeit bei einer Bank in der Landwirtschaft einen Ausgleich suchte und einen Hof bei Berlin erwarb.

Schon im dritten Jahr endete ihr Studium, da die Universität kriegsbedingt geschlossen und Gisela Spruck zum Landwirtschaftsdienst nicht weit vom Familienhof einberufen wurde. Von dort schlug sie sich nach dem russischen Oderdurchbruch in abenteuerlicher Flucht mit Mutter und Schwester bis Gießen durch. Dass sie dort wieder, diesmal von der amerikanischen Militärverwaltung, zum Dienst in der Landwirtschaft einberufen wurde und nach Leustadt kam, sollte für ihren Lebensweg die entscheidende Weichenstellung werden.

In Leustadt wurde Spruck zu einem Motor des Betriebs, und so fand der Eigentümer Erwin Spruck seine zukünftige Frau vor, als er aus der Gefangenschaft auf sein geplündertes Anwesen zurückkehrte.

1946 nahm sie das Angebot an, für einen Professor der Münchener Universität als Restauratorin zu arbeiten, um so zu einem Studienplatz an der dortigen Universität zu kommen, für die es damals für Nichtbayern noch eine strenge Aufnahmesperre gab. Leustadt ließ sie aber nicht los. 1948 heiratete sie Erwin Spruck, zwei Töchter und zwei Enkelsöhne gingen aus der Ehe hervor. Den Erhalt von Leustadt machte sie zu ihrem Lebenswerk.

1955 legte Spruck die Prüfung als Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft ab. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1976 führte sie den Betrieb zwölf Jahre weiter. Sie hofft, dass einer ihrer Enkel in ihre Fußstapfen treten wird.

Laut dem Landesamt für Denkmalpflege ist die Restauratorin durch ihre Arbeit für Leustadt »in der privaten Denkmalpflege eine Ausnahmeerscheinung und nimmt nicht nur für Hessen eine Vorbildstellung ein«.

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