14. September 2018, 11:00 Uhr

Bahnhof Friedberg

Zwei Jahre Verzögerung: Sanierung von Friedberger Bahnhof soll 2020 beginnen

Ende 2018 sollte die Sanierung des Friedberger Bahnhofs beginnen. Daraus wird nichts. Die Arbeiten verzögern sich aufgrund »bürokratischer Hürden« um zwei Jahre.
14. September 2018, 11:00 Uhr
Nix wie weg: Der Bahnhofstunnel in Friedberg wirkt wenig einladend. Er soll ebenso wie die Bahnsteige saniert werden, außerdem werden Aufzüge eingebaut. Nach einer Verzögerung sollen die Arbeiten bald beginnen und Ende 2022 abgeschlossen sein. (Foto: Nici Merz)

Vor zwei Jahren stellten Vertreter der Deutschen Bahn den Friedberger Kommunalpolitikern und der Öffentlichkeit die Pläne für die Modernisierung des Bahnhofs vor. Es fehlte nur noch das Planfeststellungsverfahren, das in die Zuständigkeit des Eisenbahnbundesamtes fällt, das sich hierüber mit dem Regierungspräsidium abstimmen muss. »Ich habe gedacht, ich würde dieses Projekt noch vor meiner Pensionierung abschließen«, sagte Horst Schaak, Projektleiter im Baumanagement der DB, am Mittwochabend im Rathaus. Daraus wird nichts. Wichtiger aber: Jetzt stehe das Projekt ganz oben auf der Agenda, und die ersten Kommentare der öffentlichen Auslegung der Pläne seien auch allesamt positiv.

»Es lag nicht an uns«, sagte Schaak zur zeitlichen Verzögerung, ohne Schuldzuweisungen auszusprechen. Gegenüber der WZ konkretisierte er: »Das hatte bürokratische Gründe im Genehmigungsverfahren.« Hinzu komme, dass Sperrungen von Gleisen drei Jahre vorher angemeldet werden müssten.

Irgendwann war die Frist überschritten und es musste ein neuer Zeitplan aufgestellt werden. Jetzt habe das Projekt aber höchste Priorität, sagte der Bahn-Vertreter. Umgebaut und modernisiert werden die Bahnsteige 1a bis 4, die Unterführung und die Treppen. Vier Aufzüge werden gebaut, Bahnsteige und Unterführung sind dann barrierefrei erreichbar. Der Bahnsteig 5 bleibt zunächst außen vor; er soll im Zuge des S-Bahnausbaus erneuert werden.

 

Sanierung Bahnhof Friedberg: Mehr Fahrradabstellplätze

Die Personenunterführung ist derzeit in einem baulich sehr schlechten Zustand. Nicht nur die Wände werden erneuert. Die Durchgangshöhe des Tunnels ist relativ niedrig. Der Bodenbelag soll daher bis auf den Rohbeton abgetragen und durch dünnere Platten ersetzt werden; das bringt acht Zentimeter mehr Höhe. Das sind aber nur die augenscheinlichsten Mängel. Stahlträger sind verrostet, die Gleiströge sind undicht. Werden auf den Bahnsteigen die Bodenplatten entfernt, stoßen die Bauarbeiter auf ein Gewirr von Kabeln und Rohren. Alles muss erneuert werden, auch die Wartehäuschen, die Dächer, die Anzeigetafeln, die komplette Elektronik samt Beleuchtung und die Wegesicherungsstreifen für Sehbehinderte. Der alte Gepäcktunnel wird verfüllt.

Durchblick am Pkw-Parkplatz in der Hanauer Straße. 	(Archivfoto: Wagner)
Durchblick am Pkw-Parkplatz in der Hanauer Straße. (Archivfoto: Wagner)

Eine Frage, die noch nicht gelöst ist: Wo werden Abstellplätze für die Fahrräder eingerichtet? Derzeit gibt es – neben der von Stadt und RMV gebauten Bike-and-Ride-Station bei den Taxiständen – auf Gleis 1 Platz für 186 Räder, teils in Fahrradboxen der Stadt. In der Vergangenheit hatte die Bahn verlauten lassen, den Radabstellplatz dort auflösen zu wollen. Die Räder stellen für Bahnkunden ein Sicherheitsrisiko dar.

 

Sanierung Bahnhof Friedberg: Probleme bei Auftragsvergabe

Aber wohin mit den Fahrrädern? Das, sagte Bahnhofsmanager Carsten Hoepfner, werde noch zu klären sein. Die Stadt will den Vorplatz umgestalten und einen Busbahnhof bauen. Es gibt noch keine Pläne, die Verkehrsführung steht auch noch nicht fest. Möglich, dass der ehemalige Biergarten der Gaststätte genutzt wird. Fest steht laut dem Bahnhofsmanager aber, dass die Zahl der Abstellplätze für Fahrräder sogar erhöht wird, um 44 auf 230, und dass die Abstellplätze möglichst nah an den Gleisen eingerichtet werden sollen.

In der Diskussion mit den Stadtverordneten kam ein weiteres Problem zur Sprache, mit dem die Bahn bei ihren Baumaßnahmen derzeit zu kämpfen hat: Der Markt ist gesättigt, es finden sich kaum Firmen, die Aufträge übernehmen können. Und wenn doch, dann nicht selten zu überteuerten Preisen. Hoepfner nannte ein Zahlenbeispiel: Auf eine Ausschreibung mit einem Auftragsvolumen von 400 000 Euro meldete sich nur eine Baufirma und verlangte 1,4 Millionen Euro. Die Bahn habe der Firma abgesagt und kurz drauf das Angebot einer anderen Firma erhalten, das die beabsichtigte Summe zwar überstieg, aber nicht mehr so deutlich. Ansonsten hätte sich auch dieses Projekt deutlich verzögert.

 

Info

Die Ruinenlandschaft der Bahn

Baufällige Schuppen, defekte Mauern, Bäume, die aus Dächern wachsen und immer wieder Müll: Das Gelände südlich des Bahnhofs ist alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Bernd Stiller (Grüne) erinnerte im Ausschuss für Stadtentwicklung daran, dass hier etwas geschehen muss. Die Bahn will der Stadt Gelände für einen Busbahnhof zur Verfügung stellen. Dann käme zumindest der Schuppen an Gleis 1 a weg. Doch es gibt auf dem Bahngelände noch viele weitere Ruinen. Die SPD hat für die nächste Stadtverordnetenversammlung einen Antrag angekündigt, demzufolge der Magistrat die Bahn dazu bewegen soll, die an den letzten Weltkrieg erinnernde Ruinenlandschaft im Süden von Friedberg endlich zu beseitigen. Wann dies geschieht, muss abgewartet werden. Mit Verzögerungen ist auch hier zu rechnen. (jw)

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