08. November 2018, 17:00 Uhr

Entscheidung vertagt

Zukunft des Bad Nauheimer Stadtwalds: Politiker streiten ums Geld

Der Zustand des Bad Nauheimer Stadtwalds wurde in der Vergangenheit heftig kritisiert. Das Ziel ist klar: Ein Erholungswald soll entstehen. Doch jetzt streiten die Politiker ums liebe Geld.
08. November 2018, 17:00 Uhr
Die Weber-Hütte am Johannisberg ist eine von zahlreichen Schutzhütten im Stadtwald. Sollen sie ebenso wie Bänke und Wege erhalten werden, will man den Zustand des Walds zudem deutlich verbessern, kostet das eine Stange Geld. (Foto: Nici Merz)

Der Frust war Bürgermeister Klaus Kreß und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha anzumerken. Das Waldparkpflegewerk, für das die Stadt gut 100 000 Euro ausgegeben hat, soll Schritt für Schritt umgesetzt werden. Das kostet Geld, zehn Jahre lang sollen je 100 000 Euro bereitgestellt werden. Mit der Verabschiedung des Waldwirtschaftsplans 2019/20 hätten der Bau- sowie der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend grünes Licht für diese Investition geben können.

Doch die Mehrheit aus UWG und CDU schreckte zurück, möchte noch mal beraten, ob wirklich so viel Geld in den Wald fließen soll. »War das Waldparkpflegewerk nur ein Lippenbekenntnis? Sollen die 100 000 Euro, die das Gutachten gekostet hat, für die Katz gewesen sein?«, fragte ein hörbar verärgerter Bürgermeister.

 

Unheimlich viele Beschwerden

Ein Rückblick: In den vergangenen Jahren gab es ständig Streit über den Zustand des Stadtwalds. Es würden zu viele alte Bäume gefällt, Wege, Bänke und Hütten seien marode, die Umwelt komme zu kurz – so die Vorwürfe. Vor allem die Bürgerinitiative, die sich um den denkmalgeschützten Waldpark Skiwiese kümmert und sich 2003 erfolgreich gegen dessen Umwandlung in einen Golfplatz gewehrt hatte, übte Kritik an Stadt und Forstbehörde. Doch auch andere Bürger, die im Wald Erholung suchen, melden sich zu Wort. »Es gibt unheimlich viele Beschwerden über den Ist-Zustand«, sagte Fachbereichsleiter Patscha am Dienstag.

Letztlich setzten sich die Kritiker durch. Vor etwa drei Jahren entschied die Politik: Der Stadtwald soll vor allem der Erholung dienen. Unter Mitwirkung der BI erarbeiteten Experten das Waldparkpflegewerk und stellten es im Sommer vor. Es soll als Grundlage dienen, um den 170 Hektar umfassenden Wald wieder seiner vor etwa 100 Jahren entwickelten Struktur anzunähern sowie Hütten, Bänke oder Wege in einen deutlich besseren Zustand zu versetzen.

 

Erholungswald? Im Prinzip ja

»Der Wald hat einen höheren Erholungswert als der Kurpark, in den wir viel mehr Geld investieren«, erklärte Kreß. Für die Bürger sei der Stadtwald von unheimlich großer Bedeutung. Grünflächen prägten das Bild Bad Nauheims, es sei vernünftig, in sie zu investieren.

CDU und UWG folgten diesem Appell nicht – zumindest vorerst. Wie Christdemokrat Oliver von Massow betonte, halte seine Fraktion am Ziel eines attraktiven Erholungswalds im Prinzip fest. »Die Frage ist aber, was wir uns leisten können.« Ähnlich argumentierte UWG-Fraktionschef Markus Theis. Denkbar sei, die Realisierung zu strecken und weniger Mittel pro Jahr bereitzustellen.

 

Deutlich weniger Holzernte

»Nur weil der Haushalt besser dasteht, können wir das Geld nicht einfach raushauen«, sagte Theis. Um das Defizit im Waldwirtschaftsplan zu verringern, schlug er vor, über eine Erhöhung des Holzeinschlags nachzudenken. Gerade das wird durch das Pflegewerk aber ausgeschlossen, wie Bernd Reißmann, Leiter des Forstamts Nidda, erläuterte. In manchen Teilen des Stadtwalds sei gar keine Ernte mehr vorgesehen.

Sprecher von SPD, FDP und Grünen zeigten wenig Verständnis für die Haltung der Union und der Freien Wähler. »Nach Jahrzehnten des Streits haben wir in Kooperation mit den Bürgern eine durchdachte Planung entwickelt. Jetzt müssen wir den Investitionsstau im Wald auflösen«, sagte Peter Heidt (FDP).

 

Fortsetzung am 20. November

Wie Grünen-Politiker Dr. Martin Düvel unterstrich, gehe es darum, dem Bürgerwillen zu folgen und einen Erholungswald zu schaffen. »Wir investieren in Ästhetik und Biodiversität – das kommt der Stadt zugute.« Verwundert über CDU und UWG zeigte sich SPD-Fraktionschef Axel Bertrand. Die Umsetzung des Pflegewerks koste Geld, das sei von Anfang an klar gewesen. »Es gibt ordentlich was zu tun. Wieder etwas zu stoppen, was schon beschlossen ist, halte ich für falsch.«

Die Realisierung des Pflegewerks zu stoppen – davon reden die beiden größten Fraktionen nicht. Nach einer Sitzungsunterbrechung beantragte Markus Philippi (UWG), die Entscheidung, wie viel Geld fließen soll, bis zum 20. November zu verschieben. Bis dahin wollen sich CDU und UWG die aktuellen Haushaltszahlen für 2019/20 genau ansehen, laut Kämmerer Peter Krank gibt es nämlich neue Sparzwänge.

Info

Defizit steigt deutlich

Die Stadt muss es sich eine Stange Geld kosten lassen, will sie ihren Wald in einen vorzeigbaren Zustand versetzen und denkmalgerecht verändern. Das zeigt sich im Entwurf des Waldwirtschaftsplans 2019/20. Danach soll das Defizit, das bei der Bewirtschaftung entsteht, im kommenden Jahr um 105 000 auf 250 000 Euro steigen. Weil erste Punkte des Waldparkpflegewerks umgesetzt werden sollen, steigen die Ausgaben für Erhalt und Neugestaltung deutlich. Zudem wird der Holzeinschlag zurückgefahren. 2019 sind nur Einnahmen von gut 42 000 Euro veranschlagt, halb so viel wie im laufenden Jahr. Wie der zuständige Forstamtsleiter Bernd Reißmann sagte, sei die Stadt verpflichtet, das Kulturdenkmal Waldpark zu erhalten. Zudem habe die Politik entschieden, den Forst zu einem Erholungswald zu entwickeln. Das alles koste Geld. Das Forstamt Nidda betreut 25 kommunale Wälder, nur in zwei – Bad Nauheim und Bad Vilbel – entstünden Defizite. Bad Nauheim habe den größten Fehlbetrag. Normalerweise werde in Wäldern eine Umsatzrendite von 20 bis 70 Prozent erwirtschaftet. »Zurzeit liegen die Preise für Laubholz sehr hoch«, sagte der Amtsleiter. Aufgrund der extremen Trockenheit 2018 werde sich die Holzernte in den kommenden Jahren verringern. (bk)

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