13. Februar 2019, 11:00 Uhr

Schädlicher Schlamm

Zu viel Schlamm in der Horloff

Der viele Schlamm in der Horloff sei schädlich für Lebewesen im und am Wasser, heißt es beim Regierungspräsidium in Darmstadt. Der Nidda-Zufluss soll nun genauer untersucht werden.
13. Februar 2019, 11:00 Uhr
Forscher entnehmen Proben des Schlamms an der Horloff. Davon gibt es in dem 44,5 Kilometer langen Fluss viel zu viel. (Foto: RP Darmstadt)

Es gibt zu viel Schlamm in der Horloff. Die Sedimentbelastung im 44,5 Kilometer lange Zufluss der Nidda wird derzeit im Auftrag des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt untersucht. Die Verschlammung werde als schädlich für die darin befindlichen Lebewesen und damit auch für den Zustand des Gewässers erachtet, heißt es beim RP.

Die Horloff entspringt nördlich von Schotten, fließt durch den Vogelsberg in Richtung Wetterau, durchquert das Naturschutzgebiet »Kuhweide« zwischen Hungen und Grund-Schwalheim, um am Flugplatz Reichelsheim in die Nidda zu münden. Forscher der Uni Frankfurt wollen nun herausfinden, woher genau die Sedimente stammen, welche Auswirkungen sie haben und wie sie vermindert werden können. Das Institut für Ökologie, Evolution und Diversität hat bereits zahlreiche Sedimentproben entnommen. Erste Erkenntnisse deuten laut RP darauf hin, dass die Verschlammung schädliche Auswirkungen auf die Gewässergüte hat. Die Frankfurter Umwelt-Abteilung des RP als Obere Wasserbehörde Südhessens hat daher ein Ingenieurbüro beauftragt, im Laufe dieses Jahres den Umfang der Verschlammung und die möglichen Ursachen zu ermitteln. Im Frühjahr ist eine Begehung vorgesehen.

 

Zum Teil einen halben Meter hoch

In der Vergangenheit habe es bereits große Anstrengungen gegeben, um die Wasserqualität der Horloff zu verbessern, teilt das Regierungspräsidium mit. So seien Kläranlagen ausgebaut und im Zuge von Renaturierungen neue Biotopstrukturen geschaffen worden, die eine Bereicherung für die Artenvielfalt bedeuteten.

Der ökologische Zustand der Horloff sei aber nach wie vor durch umfangreiche Sedimentablagerungen und eine Verschlammung auf der Gewässersohle (insbesondere im Unterlauf) beeinträchtigt. Zum Teil sind die Ablagerungen mehr als einen halben Meter hoch. Es sei nicht auszuschließen, dass dies die bisherigen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur torpediere.

Durch die Verschlammung reichern sich auch Schadstoffe in den Sedimenten an (»Gedächtnis des Gewässers«). Diese Belastungen haben negativen Einfluss auf Flora und Fauna, etwa die in der Gewässersohle lebenden Bodenfische oder Algen. Werden die Sedimente aufgewirbelt, können die Schadstoffe auch andere Arten schädigen.

 

Grund könnte Begradigung sein

Ein Grund für die Verschlammung könnte die Begradigung der Horloff in den vergangenen Jahrzehnten sein, mutmaßen die Forscher. Dies bedeute nach heutigen Erkenntnissen für das Gewässer eine gestörte Abflussdynamik, die den natürlichen Transport bzw. die Ablagerung der Sedimente verändere. Auch Zuflüsse aus Kläranlagen, Mischwasser- und Regenwasserentlastungen und die angrenzenden Flächen mit landwirtschaftlicher Bewirtschaftung stellten mögliche Quellen für die Sedimentbelastung dar.

Info

Flüsse in schlechtem Zustand

Die schlechte Qualität der Flüsse in der Wetterau ist wissenschaftlich erwiesen. Forscher der Uni Frankfurt haben für das dreijährige Großprojekt »NiddaMan« den Gewässerzustand der Nidda untersucht und dabei viele Stoffe gefunden, die Tiere und Pflanzen belasten. Hintergrund ist die Forderung der EU, bis zum Jahr 2027 alle Gewässer in »einen guten ökologischen Zustand« zu versetzen. Das größte Problem ist die Belastung aus Kläranlagen – Arzneimittel, Industriechemikalien, Haushaltschemikalien, Nahrungsergänzungsmittel, Shampoos und Pflanzenschutzmittel. Auch die Belastung mit Pestiziden, meist aus der Landwirtschaft, ist ein Problem.

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