07. Februar 2018, 09:53 Uhr

Die Heilige Messe retten

Zölibat-Rebellion in Ockstadt

Wer römisch-katholischer Priester sein will, muss muss auf eine Ehe verzichten. Pfarrer Bernd Weckwerth aus Ockstadt und sein Vorgänger Dr. Horst Gebhard wollen nun das Ende des Zölibats.
07. Februar 2018, 09:53 Uhr
Pfarrer Bernd Weckwerth spricht vom Recht der Gläubigen auf die Heilige Messe. Die jedoch sieht er in Gefahr, weil ein großer Priestermangel droht. Dabei spielt nach Ansicht des Ockstädter Geistlichen der Zölibat eine entscheidende Rolle. (Archivfoto: dpa)

Sie plädieren dafür, den Zölibat abzuschaffen. Kritiker würden vermutlich sagen, dass man sich mit Familie nicht mehr voll auf den Priesterberuf konzentrieren kann. Was entgegen Sie?

Bernd Weckwerth: 20 Prozent der katholischen Priester unterliegen nicht dem Zölibat, weil sie persönlich übergetreten sind oder weil sich die ganze Kirche uniert hat. Priester dort erkennen den Papst an, sind aber verheiratet. In der griechisch-unierten Kirche in Rumänien beispielsweise gilt der Zölibat erst ab Bischof aufwärts. Ein Priester aus meinem Weihekurs war früher evangelisch und ist verheiratet. Bei unseren regelmäßigen Treffen hat er seine Familie nie als Ablenk- oder Stress-Element beschrieben, aber als Stütze in seinem Beruf.

Ist es Ihnen schwer gefallen, sich auf die Einhaltung des Zölibats zu verpflichten?

Weckwerth: Es ist mir schwer gefallen. Mit 19 habe ich es sogar abgelehnt. Mit 30 hatte ich Physik und Religion studiert, war Gymnasiallehrer, da habe ich die Frage anders beantwortet, auch wenn ich mich als guten Familienvater vorstellen könnte. Mein Regens, also mein Ausbilder, sagte: »Genau so Leute brauchen wir.«

Mit 30 ist Ihnen die Entscheidung also auch schwer gefallen?

Weckwerth: Da ist sie mir auch schwer gefallen. Wie bei der SPD mit der Großen Koalition. Zwei Herzen haben in meiner Brust geschlagen.

Mit Ihrer Initiative möchten Sie dem Priestermangel entgegenwirken. Wie stark ist die Wetterau davon betroffen?

Weckwerth: Wir haben im Bistum gerade acht Leute im Priesterseminar. Die Hälfte davon wird Priester, das lehrt die Erfahrung. Von denen, die Priester sind, springt nochmal die Hälfte während dieser Zeit ab. Schade, da werden oft gute Priester in die Wüste geschickt. In meinem Kursjahrgang waren es 14, alle sind zum Glück heute noch dabei. Bei uns im Bistum hat Kardinal Lehmann einen sehr weichen Kurs gefahren: Es wurden schon Dinge zusammengelegt, aber freiwillig und niemals gezwungen. Als ich im Priesterseminar war, und da haben wir schon vom Priestermangel gesprochen, waren wir 120. Wenn viele in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Rente gehen, dann werden wir ein Riesenproblem bekommen. Es ist mehr als 5 vor 12. Den Zölibat-Zwang abzuschaffen, ist kein Allheilmittel, aber es ist ein Mittel, das Problem 20, 30 Jahre nach hinten zu schieben. Als größtes Dekanat im Bistum würde auch die Wetterau davon profitieren.

Den Zölibat-Zwang abzuschaffen, ist kein Allheilmittel, aber es ist ein Mittel, das Problem 20, 30 Jahre nach hinten zu schieben

Bernd Weckwerth

Im Vatikan gibt es Überlegungen, den Zölibat abzuschaffen. Ist der Papst liberaler als viele Bischöfe hierzulande und weltweit?

Weckwerth: Der Papst ist glaubwürdig in seiner Lebensführung, er ist bereit, den Menschen zuzuhören. Er kennt das Problem, aber es tritt unterschiedlich stark auf. Deshalb sagt er zu seinen Bischöfen: »Seid verwegen und verändert mutig etwas, wenn es regional notwendig ist.« Doch keiner hat es bisher getan, weil man gar nicht erst Bischof wird, wenn man sich vorher für eine Freistellung vom Zölibat ausgesprochen hat.

Wie stehen die Mitglieder Ihrer Gemeinde zum Zölibat?

Weckwerth: Da sind, wie ich weiß, alle dafür, dass es dem einzelnen Priester freigestellt wird, ob er sich dem Charisma des Zölibats oder dem Charisma der Ehe stellt.

Info

Initiative startet am Mittwoch, 7. Februar 2018

Bernd Weckwerth und Dr. Horst Gebhard rufen dazu auf, »die Bischöfe von Deutschland und Frankreich jetzt zu überzeugen, das Ruder noch herumzureißen, um die sonntägliche Feier der Eucharistie auch in Zukunft noch zu erhalten«, schreibt Weckwerth in einer Pressemitteilung. »Wir dürfen so nicht weitermachen«, fordern die beiden Theologen. Papst Franziskus habe die Weichen gestellt, um regional tätig werden zu können. Für Mittwoch, 7. Februar, um 19.30 Uhr laden Gebhard und Weckwerth Interessierte zu ihrer ersten gemeinsamen Initiativ-Veranstaltung ins katholische Jugendheim (Waldstraße 17) nach Ockstadt ein. Im Rahmen der Erwachsenenbildung soll, ausgehend von der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Pflicht-Zölibats, »die Notwendigkeit, ihn wegen des Priestermangels endlich aufzuheben, dargelegt werden«, heißt es in der Einladung. Und weiter: »Was kann jeder von uns tun, um dazu beitragen zu können, damit nicht durch Nichtstun ab 2030 überall in den Kirchen die Kerzen ausgehen?« (pm)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bischöfe
  • Diözesen
  • Evangelische Kirche
  • Geistliche und Priester
  • Große Koalition
  • Heilige
  • Heilige Messe
  • Messen
  • Ockstadt
  • Papst Franziskus I.
  • Priesterseminare
  • Päpste
  • Römisch-katholische Kirche
  • SPD
  • Zölibat
  • Friedberg-Ockstadt
  • Christoph Agel
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.