11. Oktober 2018, 14:00 Uhr

Nahverkehr

Ziel der Verkehrsplaner: Mehr Wetterauer Pendler in den Bussen

Mehr Pendler sollen auf Busse umsteigen. Das ist eines der Hauptziele, die mit dem Nahverkehrsplan 2020 für die Wetterau erreicht werden sollen, der in Friedberg vorgestellt wurde.
11. Oktober 2018, 14:00 Uhr
In Grünberg bei Gießen ersetzt ein Kleinbus die größere Variante. Auch für die östliche Wetterau wäre das denkbar. (Foto: tb)

In Fulda ist seit dieser Woche Hessens erster E-Bus im öffentlichen Linienverkehr unterwegs. In der Wetterau dürfte es noch ein paar Jahre dauern, bis sich diese Antriebsart durchsetzt. Ein Diesel-Bus kostet etwa 300 000 Euro, ein E-Bus 700 000. Für Busunternehmen rechne sich das nicht, sagte Gerhard Muth-Born von der Verkehrsabteilung des Zweckverbandes Oberhessischen Versorgungsbetriebe (ZOV).

Muth-Born und Stefan Dorn, Projektleiter bei der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), stellten am Montagabend vor dem Fahrgastbeirat Wetterau den Nahverkehrsplan 2020 vor. Wo und wann fährt welcher Bus? Wie sind Busse und Haltestellen ausgestattet? Wie wird der Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver? Das wird im Nahverkehrsplan festgelegt.

Gut 800 Anregungen

Der Fahrgastbeirat ist ein ehrenamtliches Gremium. Die Mitglieder sind Nutzer des ÖPNV, vertreten Organisationen wie den DGB oder Seniorenbeiräte. »Wir sammeln Kritik und Anregungen und machen den VGO-Vertretern Verbesserungsvorschläge«, fasst Jürgen Priem (Echzell), Sprecher des Fahrgastbeirats, die Aufgaben zusammen.

Mehr als 800 Anregungen von rund 40 Ämtern und Behörden sowie von 400 Bürgern gingen beim ZOV Verkehr ein. »Vieles wurde übernommen«, sagte Muth-Born. So gibt es neue Gewerbegebiete, die ans Busliniennetz angeschlossen werden sollen.

West-Ost-Gefälle

Die Wetterau ist verkehrstechnisch ein heterogener Raum. Im Westen herrscht ein besseres Angebot als im Osten. Je näher an Frankfurt eine Stadt liegt, desto mehr Busse fahren. Das deckt sich mit der Zahl der Auspendler. Richtung Frankfurt sind es 27147 (Zahlen von 2017), ein Spitzenwert. Aber auch in Richtung Hochtaunus- und Main-Kinzig-Kreis sowie in den Landkreis Gießen gibt es größere Verkehrsströme.

Eine »Unterdeckung« besteht in Pohl-Göns sowie in Assenheim und Kaichen. Die Verkehrsexperten berechnen aber auch die Reisezeit. So braucht man mit dem Auto von Altenstadt nach Büdingen (13 Kilometer) nur 16 Minuten, mit dem Bus sind es 37. Genauso lange benötigt man mit dem Auto von Bad Nauheim bis Frankfurt, während es mit dem Zug nur vier Minuten länger dauert.

Ab 2020 Barrierefreiheit für alle

Was auch die Städte und Gemeinde beschäftigt, ist die per Gesetz vorgeschriebene Barrierefreiheit im ÖPNV. Ab 2020 soll sie gelten, und zwar »vollständig«. Was genau Barrierefreiheit ist, werde nicht festgeschrieben, sagte Muth-Born. Klar ist, dass nach und nach die Haltestellen auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Das betrifft den Einbau von Noppenplatten auf dem Boden oder die Bordhöhe. Wenn der Bus hält und die Tür geht nicht auf, weil das Bord zu hoch ist, muss nachgebessert werden.

Für Blinde müssen akustische Signale vorhanden sein. Die Schriftgröße der Fahrpläne muss beachtet werden. Rund 35 000 Euro kostet der Umbau einer Haltestelle. Viele seien aber bereits umgebaut, sagte Muth-Born.

Weniger Ärger mit Busfahrern

Ein Problem, das der Fahrgastbeirat immer wieder anspricht, ist das Verhalten von Busfahrern. Es kam vor, dass Fahrer während der Fahrt auf dem Smartphone Filme ansahen oder rauchten. Rauchen kostet 200 Euro Strafe. »Die Busunternehmen geben das an ihre Fahrer weiter. Deshalb hat das aufgehört.« Die VGO schickt Testkunden auf die Strecke. Zuletzt seien keine größeren Verstöße mehr festgestellt worden. Wie Muth-Born sagte, sei es für die Busunternehmer schwierig, geeignetes Personal auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu finden. Da kommt es vor, dass der Busfahrer, weil er den Bordcomputer nicht beherrscht, keine Anschlussfahrkarte ausstellen kann.

Die VGO will Anreize setzen, damit die Pendler umsteigen. Denkbar sind kleinere Busse für Dörfer, wo es eine geringere Nachfrage, gleichzeitig aber auch keine Geschäfte oder Banken mehr gibt. »Es gibt Verbesserungpotenzial, aber das kostet Geld. Darüber entscheidet die Politik«, sagte Muth-Born. 2019 soll der erste Entwurf des Nahverkehrsplans vorliegen.

Ausführliche Informationen über den Nahverkehrsplan gibt es auf der Internetseite www.nvp-zov.igdb.de.

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