17. Mai 2017, 14:00 Uhr

Windkraft-Debatte

»Windräder im Wald? Nur über meine Leiche!«

In einer emotionalen Stellungnahme hat sich Bürgermeister Wilfried Mogk gegen Vorranggebiete für Windkraft in der Gemeinde Echzell ausgesprochen. Der Regionalplan sieht anderes vor.
17. Mai 2017, 14:00 Uhr
Echzell will eine Fläche im Gemeindewald an der Grenze zu Dauernheim aus dem Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans herausnehmen lassen. Das würde mehr Schaden als Nutzen nach sich ziehen, so das Argument. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa))

Unterstützung bekam der Echzeller Bürgermeister Wilfried Mogk in seiner Abneigung gegenüber Windkraftanlagen in der Gemeinde von der SPD und Ralf Kopf von den Grünen. Dagegen kritisierten dessen übrige Fraktion und die CDU, dass zu wenig Zeit gewesen sei, sich eine Meinung zu bilden. Am Ende stimmte einzig Martin Rüb (CDU) gegen Mogks Vorlage.

Der Bürgermeister hatte darauf verwiesen, dass Echzell sich bereits 2014 mit Vorrangflächen für Windenergie beschäftigt habe. Damals seien die Gebiete, in denen ausreichend Wind vorhanden war, wegen möglicher Konflikte mit dem Naturschutz nicht genehmigungsfähig gewesen. Inzwischen sei die Genehmigungspraxis aufgeweicht worden. Das Regierungspräsidium Darmstadt begründe dies mit detaillierteren Daten, die aus den erfolgten Genehmigungsverfahren zur Verfügung stünden. Allerdings sei ein weiterer Grund, dass ohne diese Aufweichung das Ziel nicht erreichbar sei, zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft auszuweisen.


Neue Vorrangfläche in Echzell

Für Echzell bedeutet dies, dass eine Fläche, die eigentlich wegen einer Flugsicherungsanlage nicht für Windkraft genutzt werden dürfte, jetzt als Vorrangfläche in den Regionalplan aufgenommen werden soll. Ob dort tatsächlich Windräder aufgestellt werden dürften, werde erst im tatsächlichen Genehmigungsverfahren geprüft, erläuterte Mogk.

Er betonte, dass der Gemeindevorstand die Ausweisung der Fläche im Gemeindewald an der Grenze zu Dauernheim kritisch sehe und eine Stellungnahme mit dem Ziel, diese Vorrangfläche aus dem Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans herauszunehmen, erarbeitet werden solle. Das sensible Ökosystem Wald »massiv zu stören, um Windenergieanlagen zu installieren, bedeutet, einen größeren Schaden anzurichten, als die Erzeugung von erneuerbaren Energien wieder aufwiegen könnte«, kritisierte Mogk.


Angst vor dem Waldsterben

Er schloss noch eine persönliche Stellungnahme an, in der er den negativen Einfluss möglicher Windräder auf angrenzende FFH-Gebiete hervorhob. Die Lebensräume von Rot- und Schwarzmilan sowie des Hirschkäfers und anderer Tierarten seien bedroht. »Hessen ist nach meinen Informationen das einzige Bundesland, das Windenergieanlagen im Wald zulässt.« Luftverwirbelung und Sogwirkung durch die Windräder führten zur Austrocknung des Waldes. »Windkraftanlagen im Echzeller Wald nur über meine Leiche«, schloss Mogk sein Plädoyer.

Simone Geist (SPD) erläuterte, die Planungen sähen vier Anlagen mit einer Höhe von 240 Metern vor, von denen eines auf Echzeller Gebiet, der Rest im Ranstädter Wald stehen solle. Für jedes Windrad müssten 5000 Quadratmeter Wald dauerhaft und in der Bauphase weitere 2500 Quadratmeter gerodet werden. Sie rügte, die Windprognosen für das Gebiet seien zu hoch. Auch in Kefenrod oder Rabenau seien die Erträge 15 bis 20 Prozent hinter den Erwartungen zurückgeblieben.


Kritik wegen geringer Einarbeitungszeit

Ralf Kopf schloss sich als einziger Grüner der Kritik an, obwohl er einräumte, dass seine Partei grundsätzlich für Windkraft sei. Doch die Pläne, große Windräder in den Wald zu stellen, sehe er als ökologisch nicht vertretbar an. Seine Fraktionsvorsitzende Christa Degkwitz unterstützte dagegen die Ausweisung des Waldgebiets als Vorrangfläche. Ob dort tatsächlich Windräder gebaut würden, hänge vom Ergebnis einer ökologischen und ökonomischen Prüfung ab. Ausdrücklich bedauerte sie »die Eile, mit der dieses komplexe Thema an uns herangetragen wurde«.

Auch Dr. Jochen Degkwitz kritisierte den engen Zeitplan. Seit dem 3. April sei der Teilplan öffentlich ausgelegt, die Frist für Stellungnahmen laufe bis zum 2. Juni. »Jetzt wird uns nur ein nichtssagender Grundsatz zur Beschlussfassung vorgelegt und nicht einmal die tatsächliche Stellungnahme, die wohl erst noch formuliert werden muss.«

Dabei werde diese Stellungnahme, wenn sie sich an der Begründung für den Beschlussvorschlag orientiere, kaum Aussicht auf Erfolg haben, sagte er voraus. »Da von den 144 in diesem Plan ausgewiesenen Vorrangflächen 130 ganz oder teilweise (…) in Wäldern (liegen), werden wir mit unserer Feststellung, dass der Wald ein sensibles Ökosystem ist, bestimmt niemanden sonderlich beeindrucken«, erklärte Degkwitz.

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