15. Februar 2019, 21:32 Uhr

Wenn aus Paaren Eltern werden

15. Februar 2019, 21:32 Uhr
Von der Theorie zur Praxis: Der meist hilflose Buch-Vater bekommt sein frisch geborenes Kind zum ersten Mal in die Arme gelegt. Um voller Panik erstmals »Halt mal, Schatz!« zu rufen. Daher hat Kabarettist Jochen Malsheimer sein Programm genauso genannt. (Foto: cf)

) Wenn der aus der ZDF-Sendung »Die Anstalt« bekannte Kabarettist Jochen Malsheimer vom Elternsein erzählt, kann man sich denken: Von nervigen Waldorf-Papas bis zu den eigenen Schwiegereltern bekommt jeder sein Fett weg. Dem Vilbeler Publikum gefiel’s jedenfalls.

Scharfe Alltagsbeobachtungen, spitze Formulierungen, krachende Pointen und Muskelkater vom Lachen: Dafür steht das Programm »Halt mal, Schatz!« von und mit Kabarettist Jochen Malmsheimer. Es geht um die mitten aus dem Leben gegriffene Schilderung all dessen, was ist, wenn aus Paaren Eltern werden. Oder es auf keinen Fall werden wollen, und denen dazu noch die wesentlichen Argumente fehlen. Beide Parteien waren am Mittwochabend im Theater Alt Mühle richtig. Bei vielen handelte es sich um Fans des Künstlers.

Die Qual der Namenswahl

Diese zitierten leise bevor oder mit dem kernigen Kabarett-Quereinsteiger aus dem Ruhrpott die Inhalte des Programms, kannten sie auswendig. In geschliffenen Worten, mit skurrilen Vorschlägen gab dieser seinem Publikum Nachhilfeunterricht. Und ließ dabei ab und zu seinem Faible für Fäkalwitze freien Lauf. Nichtsdestotrotz soll es ein Familienprogramm sein. Abgehandelt werden vom Komiker die Anforderungen und Vorbereitungen für eine Hausgeburt. Malmsheimer schildert auch den beschwerlichen Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses oder die Qual der Namenswahl.

Zu beachten sei, dass beim »Wehensingen« die Vokalauswahl ganz wichtig ist. Dank professioneller Hilfe verläuft die Geburt recht problemlos. Und der meist etwas hilflose Buch-Vater bekommt sein frisch geborenes Kind zum ersten Mal in die Arme gelegt. Um voller Panik erstmals »Halt mal, Schatz!« zu rufen.

Herausforderungen sind aber auch Elternabende in der Krabbelgruppe und die Kindergartenauswahl. Nach sechs Elternabenden mit Dinkelplätzchen der Sorte »Kies-Oblate« und Kübeln voller Spott ausgeschüttet über waldörfliche Väter lautet seine Bilanz: »An Waldorf habe ich nur noch Interesse, wenn davor ein Astoria steht.« Geschildert wird das Ganze meist aus der Perspektive eines jungen, oft überforderten Papas. Jochen Malmsheimer transportiert stimmgewaltig, mit vollem Körpereinsatz und skurrilen Grimassen dessen Nöte: »Wie soll das Kind heißen?«. Für den Vater ganz wichtig, »Harmonie, Melodie und Rhythmus« müssen im Namen mitschwingen. Welcher Name erfüllt dies? In Reclams-Lexikon lauten die Vorschläge Bogumil und Sulpiz. Weder diese noch Denis, Kevin oder Malte kommen infrage. Am Ende heißt der Stammhalter dann Jakob. Kaum ist diese Hürde genommen, tauchen neue auf. Wie stemmt ein Vater souverän Herausforderungen wie die, wenn das hungrige, in vollen Windeln liegende Baby, ihn nachts um 3.15 Uhr weckt? Und die Mutter selig schläft. Von vielen Lachern begleitet schildert der Künstler die anstrengende Fahrt in den Campingurlaub im Auto auf die griechische Insel Lefkas. Die Wortspiele des mehrfach ausgezeichneten Bochumer Entertainers und Komödianten Jochen Malmsheimer gepaart mit drastischer Situationskomik kamen beim Publikum an. Schnell zeigte sich, hier geht es ans Eingemachte. Der Kabarettist lässt seine Befindlichkeiten zum Vergnügen der Zuhörer mit einer Wort-, Satz- und Gedankenflut freien Lauf.

Einsichten wie »die Welt wäre eine schönere ohne das Plusquamperfekt« und wehmütige Erinnerungen an die Zeit, »bevor meine Kinder mein Privatleben beendeten«, gibt es gratis dazu.

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