Großer Teich

Wels-Problem im Kurpark von Bad Nauheim

Fressen und gefressen werden. So läuft das in der Natur. Auch im Großen Teich im Bad Nauheimer Kurpark. Doch es gibt ein Problem, das für den Teich gefährlich ist. Das Problem heißt Wels.
08. Juni 2018, 18:37 Uhr
Ein Hecht wie dieser ernährt sich von Weißfischen, die wiederum Krebstierchen und Larven fressen. Diese filtern Algen und Schwebeteilchen aus dem Wasser. Wenn es also wenige Hechte gibt, dann gibt es viele Algen – alles hängt zusammen. (Fotos: leo/pv)

Im großen Kurparkteich wimmelt es von Fischen. Besonders auffällig sind die großen Karpfen, die als dunkle Schatten unter der Wasseroberfläche entlanggleiten, und die in verschiedenen Orangetönen schillernden Goldkarauschen und Goldorfen, Verwandte des Goldfisches. Letztere wurden bereits vor über zehn Jahren an den Teichen ausgesetzt. Diese und andere, meist kleinere Fischarten wie Rotfedern, Bitterlinge und Brasse sind sogenannte Friedfische, die sich von Krebstieren, Larven und Pflanzen ernähren. Im Anglerlatein werden sie auch unter dem Begriff Weißfische zusammengefasst. Ihnen gegenüber stehen die Raubfische Hecht und Zander – und beide haben ein großes Problem.

»Wir haben im großen Teich ein Welsproblem«, sagt Ralph Ollmann, Erster Vorsitzender des Angelsportvereins Bad Nauheim. Der Wels, auch Waller genannt, ist ein großer Raubfisch, der nahezu alles frisst, was in sein Maul passt. Andere Fische machen den Großteil seiner Beute aus, dazu gehören auch Hecht und Zander.

 

Zwei Meter lange Tiere im Teich

 

Im Großen Teich sind Welse mit einer Länge von zwei Metern nachgewiesen. Es gibt aber auch kleinere Exemplare, bei denen es sich nicht um eingesetzte, sondern um im Teich geschlüpfte Jungtiere handelt. Die Welse vermehren sich, und sie haben keine Feinde, denn sie stehen am Ende der Nahrungskette. Bereits nach vier Jahren ist ein Wels über einen Meter groß.

Der Angelsportverein versucht, den Bestand der Welse zu reduzieren, doch das ist aus vielerlei Gründen nicht einfach. Zum einen müssen Welse nach einem erfolgreichen Beutezug viele Tage lang nicht mehr fressen, dann beißen sie auch an der Angel nicht an. Zum anderen jagen Welse nicht im Freiwasser, sondern halten sich gerne in Verstecken auf. Auch Fangnetze stellen keine geeignete Lösung dar, denn zu viele andere Fische bleiben in den Netzen hängen, auch Hecht und Zander.

 

Der Wels ist ein Riesenbrocken. Gefangen wird er nur selten, weil er nach dem großen Fressen eine Pause macht und somit auch nicht in den Angelhaken beißt. Außerdem hält er sich gerne in Verstecken auf.
Der Wels ist ein Riesenbrocken. Gefangen wird er nur selten, weil er nach dem großen Fress...

 

Dass diese beiden Arten in ausreichendem Maß im Teich vorhanden sind, ist extrem wichtig für das biologische Gleichgewicht. Denn die Krebstierchen und Larven, von denen sich Weißfische ernähren, filtern Algen und Schwebeteilchen aus dem Wasser. Fehlen die Räuber, steigt der Bestand der Weißfische. Werden zu viele Krebstiere gefressen, können sich Algen ungehindert vermehren und trüben das Wasser. Dadurch kann der Sauerstoffgehalt im Wasser sinken, denn auch wenn Algen tagsüber Fotosynthese betreiben und somit Sauerstoff produzieren, kehrt sich dieser Prozess nachts um. Ohne Licht verbrauchen die Algen selbst Sauerstoff. Hecht und Zander müssen den Bestand der Weißfische also im Rahmen halten, doch vom vielen Fisch vollgefressen, sind sie träge und werden schnell Beute der Welse.

 

Eingreifen der Angler wichtig

 

Das Eingreifen des Angelsportvereins ist nötig, um den gesamten Fischbestand auf eine nachhaltige Art und Weise zu regulieren. Das Ziel ist ein artenreiches, intaktes Ökosystem und nicht das Überhandnehmen weniger Arten. Dazu gehört auch die Pflege des Biotops. Regelmäßiges Absammeln von Müll in den Uferbereichen gehört genauso zu den Aufgaben des Angelsportvereins, wie die Überwachung der Wasserwerte.

 

Kurpark-Besucher können was tun

 

Die sind – trotz Welsproblem und phasenweiser Eintrübung durch beispielsweise auf der Wasseroberfläche schwimmende Pollen – sehr gut. Die durchschnittliche Sauerstoffsättigung liegt bei circa 70 Prozent. Auch wenn das Wasser auf den ersten Blick manchmal trüb wirken mag, spricht Ollmann von »einer beachtlichen Sichttiefe«. Es kommt nicht nur auf die Oberfläche, sondern vor allem auch auf die Bereiche darunter an.

Die Wasserqualität ist zu großen Teilen abhängig vom Nährstoffeintrag in das Gewässer. Hier können auch Besucher etwas beitragen: Vor allem das Füttern von Wasservögeln muss unterlassen werden, da sich dadurch mehr Tiere ansammeln und mit ihrem Kot das Wasser düngen. Dann steigt das Algenwachstum, und bei hohem Weißfischbestand haben es die Krebstiere schwer, die Schwebeteilchen zu reduzieren. So hängt eins am anderen, denn in der Natur ist alles ein großer Zusammenhang.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Algen
  • Echte Welse
  • Kurparks
  • Larven
  • Sauerstoff
  • Bad Nauheim
  • Laura Eßer
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.