06. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Abbruchreifes Gemeindezentrum

Wellenförmiges Dilemma für 65 Kita-Kinder

Das Gemeindezentrum West in Friedberg benötigt dringend eine Reformation, sprich eine Erneuerung. 2020 könnte die Kita geschlossen werden. Was dann kommt, ist ungewiss.
06. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Das Gemeindezentrum West in Friedberg muss dringend saniert werden, doch der der Evangelischen Kirchengemeinde fehlt das Geld. (Foto: Nici Merz)

Ästhetisch, sagt Pfarrer André Witte-Karp, sei das Gemeindezentrum ein schöner Bau. »Aber es gibt einen hohen Sanierungsaufwand.« Da ist zunächst das Flachdach. Es ist marode und undicht, immer wieder bilden sich an den Decken in den Räumen der Kindertagesstätte Wasserblasen. Auch von den Betonwänden platzt der Putz an vielen Stellen ab. Regnet es stark, staut sich am Eingang, dem tiefsten Punkt des Geländes, das Wasser und dringt durch die maroden Fensterelemente ins Gebäude ein. Sandsäcke sollen das verhindern.

Direkt vor dem Eingang befindet sich zwar ein Gulli, der ist aber nicht ans Abwassernetz angeschlossen. Betritt man die Kita, fällt ein weiterer Schaden sofort ins Auge: Der Linoleumboden ist an vielen Stellen geflickt. »Den Boden auszutauschen lohnt sich nicht«, sagt Witte-Karp. Der Estrich ist feucht, müsste im Eingangsbereich und in einem der Gruppenräume komplett ausgetauscht werden.

 

Wasser dringt ins Gebäude ein

 

Auch die Wasserleitungen müssten erneuert werden. »Wegen Legionellengefahr mussten wir die Warmwasserleitungen in die Gruppenräume abklemmen. Wir achten sehr auf Hygiene. Es wird aber immer schwieriger, das Gebäude instand zu halten«, sagt der Pfarrer. Im Jahr 2000 wurden schon einmal 1,3 Millionen Euro in die Sanierung investiert. Die Kirchengemeinde selbst habe keine finanziellen Mittel, die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) sträube sich. Für den Neubau der Kita in der Kaiserstraße hat die EKHN bereits die Hälfte der Kosten in Höhe von rund 2 Millionen Euro getragen. »Einen zweiten Neubau bekommen wir nicht finanziert«, sagt Witte-Karp.



Abbruch dürfte schwierig werden

 

Die Evangelische Kirchengemeinde betreibt als einzige in der Region zwei Kitas. »Wir haben ein hohes Interesse an dieser Aufgabe«, sagt Witte-Karp. Wie es weitergeht, weiß er aber nicht. »Diese Unsicherheit ist für Mitarbeiter und Eltern sehr belastend.« Die EKHN hat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das soll darlegen, ob eine Sanierung noch wirtschaftlich ist.

Auch an einen Abbruch wird gedacht. Das aber dürfte schwierig werden. Das 1980 errichtete Gebäude, das der Bad Nauheimer Architekt Prof. Johannes P. Hölzinger entworfen hat, steht unter Denkmalschutz. Theoretisch sei ein Abbruch möglich, sagt Moritz Kuhn von der Pressestelle des Wetteraukreises. »Aber die Hürden sind sehr hoch.« Käme es dennoch dazu, könnte sich Witte-Karp vorstellen, das Gelände für eine neue Kita zur Verfügung zu stellen und diese später auch zu betreiben. Bauen müsste sie die Stadt. Im Stadtparlament wird dies sehr kritisch gesehen, schließlich wird gerade in der Housing Area eine neue Kita gebaut.

2020 könnte das Gemeindezentrum schließen. Ein Weiterbetrieb ist kaum möglich. Die 65 Kita-Kinder sollten neulich auf Fragebögen beantworten, wo sie sich wohlfühlten. »Viele haben ›Hier‹ geschrieben«, erzählt Kita-Leiterin Martina Noblé.

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