25. Oktober 2018, 19:42 Uhr

Warum Wetterauer Böden wertvoll sind

25. Oktober 2018, 19:42 Uhr
Prof. Siemens untersucht im Anschluss an seinen Vortrag den Boden am Römerhof. Ergebnis: Der Bohrer reicht über 1,50 Meter tief in den Boden aus Löss. (Foto: pm)

Zur ihrer letzten Veranstaltungen in diesem Jahr auf dem Römerhof hatte die Bürgerinitiative »Bürger für Boden« mit Prof. Jan Siemens einen Wissenschaftler eingeladen, der sich in seinem Vortrag der Bedeutung der Wetterauer Böden widmete. Die BI richtet sich gegen den Bau des Rewe-Logistikzentrums auf dem Acker in Berstadt an der A 45.

Siemens ist Leiter der Professur für Bodenressourcen und Bodenschutz am Institut für Bodenkunde und Bodenerhaltung der Universität Gießen. Mehr als 50 Interessierte folgten seinen Ausführungen. Boden befinde sich an der Schnittstelle verschiedener Sphären wie Atmosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre und Gestein und entwickle sich über sehr lange Zeiträume. Allerdings genieße der Boden im Vergleich zu anderen Umweltmedien vergleichsweise wenig Schutz. Das Bundesbodenschutzgesetz ziele vor allem auf den Schutz der Bodenfunktionen ab, weniger auf den Schutz des Bodens an sich. Dies sei ein großer Unterschied zum Naturschutzrecht, das Pflanzen und Tiere um ihrer selbst willen schütze, meinte Siemens.

Die Nutzung von Böden als Rohstofflagerstätte oder als Verkehrsfläche sei dabei anderen Nutzungen gleichberechtigt. Dabei ist nach seiner Ansicht auch die Funktion als Lebensraum für Organismen bedeutsam, weil im Boden wohl der größte Schatz an genetischer Information vorhanden sei.

Mit Zahlen der Welternährungsorganisation betonte er die Bedeutung des Bodens für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Um im Jahre 2050 geschätzte 9 Milliarden Menschen zu ernähren, müsste der Ertrag um 77 Prozent gesteigert werden. Dabei sei die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf der Erde begrenzt. Nur 11 Prozent der weltweiten Landoberfläche seien dafür ohne Restriktionen wie Trockenheit, Wasserüberschuss, Flachgründigkeit, Frost oder chemische Probleme der Böden geeignet. In Europa seien es 36 Prozent der Fläche.

Hauptgefährdungen für den Boden seien Flächenverbrauch und damit Versiegelung, sowie Erosion. Zugleich habe die zunehmende Versiegelung der Böden Auswirkungen auf das Klima, den Wasserhaushalt und steigere die Gefahren rascher Hochwasser. Zwar sei der Flächenverbrauch in Deutschland in den letzten 20 Jahren rückläufig. Doch sehe er die in letzter Zeit deutlicher geäußerten Begehrlichkeiten, u. a. im Zusammenhang mit der Schaffung von Wohnraum, mit größter Sorge, sagte der Wissenschaftler. Statt den weiteren Verbrauch von Boden voranzutreiben, sollten sich vielmehr alle Anstrengungen darauf richten, den Nettoflächenverbrauch weiter zu reduzieren und im Idealfall zu stoppen. »Die Politik ist gefordert, auch dem Boden an sich einen Schutzstatus zu verleihen, der für die Erhaltung der Lebensgrundlagen notwendig ist.«

Sorge um Lössboden

Aus dem Publikum wurde gefragt, wie die Ankündigung von Rewe zu werten sei, 130 000 Kubikmeter Mutterboden von der Planfläche abzubaggern und auf Flächen rund um Berstadt aufzubringen. Da die Verlagerung der Ackerkrume (die obersten 40 Zentimeter) nicht den Untergrund der Flächen als wesentlichem Bestandteil der Bodenqualität betreffen würde, ändere diese Maßnahme laut Siemens nichts am »erheblichen Eingriff in die landwirtschaftlich nutzbare Fläche«. Denn die Bebauung des Geländes führe zum Verlust des Lössbodens, der bis zu drei Meter mächtig sei. Dessen besondere Wasserspeicherfähigkeit erlaube es den Pflanzen, in der Vegetationszeit problemlos über Monate ohne Regen zu überstehen. Siemens: »Das hier sind Böden, die auch unter den Bedingungen des Klimawandels noch gute Erträge liefern, im Gegensatz zu sandigen Böden in Norddeutschland.«

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