21. Juni 2018, 20:22 Uhr

Wald ist mehr als 1000 Klafter Holz

21. Juni 2018, 20:22 Uhr

Die Multifunktionalität des Stadtwaldes vorzustellen war Thema einer Veranstaltung des Rosbacher Forums am Sonntag im Rodheimer Oberwald. Der Schwerpunkt lag auf der unterschiedlichen Entwicklung von forstlich bewirtschafteten und nicht mehr bewirtschafteten Buchenwäldern.

Erster Stadtrat Heinz Sill sagte, die Bewaldung um Rosbach sei aufgrund der Holznot im 17. und 18. Jahrhundert erfolgt. Vorher hätten weite Teile des Taunushanges als Weideflächen für das Vieh gedient. Bei den Aufforstungen wurden von der Rodheimer Gemeinde vor allem Buchen angebaut, die heute als Altbestände weite Teile des Stadtwaldes beherrschen. Diese seinerzeitigen plantagenartigen Erstaufforstungen sowie ihre Folgebestände sollen nach dem Willen der Stadt in multifunktionalen Dauerwald überführt werden, der neben der wirtschaftlichen Funktion auch dem Schutz vor Hochwasserereignissen und der Erholung diene.

Zunächst durften sich die Teilnehmer ein Bild von einem bewirtschafteten Buchenwald machen, der trotz erfolgter Holzernte als naturnah empfunden wurde. Unter dem aufgelichteten Schirm 140-jähriger Buchen war hier eine üppige Vegetation aus junger Buche und krautigen Pflanzen zu sehen. Revierförster Michael Knebel stellte klar: »Eine verstärkte Ernte der alten Buchen ist wegen des hohen inländischen Holzbedarfs und altersbedingt fortschreitender Entwertung notwendig.« Dabei werde weder die Nachhaltigkeit noch der Naturschutz außer Acht gelassen. Letzterem werde selbst im Wirtschaftswald, insbesondere durch Ausweisung sogenannter Habitatbäume, Rechnung getragen. Dann ging man in einen Buchenbestand, der seit Längerem nicht mehr bewirtschaftet wird. Auf 16 Hektar stehen hier 200-jährige Buchen, die durch Baumhöhlen- und Totholzreichtum Lebensraum bieten sollen. Die Kombination dieser in ihrer Struktur unterschiedlichen Lebensräume soll den Fortbestand der jeweils darauf spezialisierten Arten sichern.

Dr. Karsten Brunk vom Rodheimer Geschichts- und Heimatverein ergänzte Daten zu alten Wegen, zur früheren Waldnutzung und Entstehung der Grenzen des Rodheimer Oberwalds sowie des in Vergessenheit geratenen Jagdschlösschens im Rodheimer Walde. Auf den kaum noch erkennbaren Resten zitierte Brunk aus historischen Quellen sowie Reise- und Wanderführern, die voller romantisierender Begeisterung über dieses 1864 auf Veranlassung der »Curhaus-Administration von Homburg« errichteten Anwesens berichteten. An der seit 1738 ausgesteinten Rodheim-Köpperner Grenzschneise wurden an einem der alten Grenzsteine die früheren territorialgeschichtlichen Verhältnisse erläutert. Dabei kamen auch die Umstände zur Sprache, die damals zur Teilung der ehemals bis zum Erlenbach reichenden Rodheim-Köpperner Waldmark geführt hatten. Unweit der Grenzschneise über den Graue Berg wurde noch ein Blick in den sich immer mehr der Rodheimer Gemarkungsgrenze nähernden Taunus-Quarzit-Steinbruchs an der Lochmühle geworfen, dessen Inbetriebnahme im März 1901 begonnen hatte.

Sill sagte, dass die Veränderung der Waldstruktur im Laufe der letzten 150 Jahre eine drastische Anpassung der Tierwelt zur Folge hatte. »Waren damals Birkwild, Haselwild, Rebhühner und Hasen dominierend, sind es heute Rotwild, Schwarzwild und Rehwild.«

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