Viele Ziele und manche Schelte

30. Januar 2018, 19:41 Uhr
Stephanie Becker-Bösch (2. v. l.), hier eingerahmt von (v. l.) Benjamin Ster, Marion Götz, Reyhan Demir und Lisa Gnadl, stellt ihre Ziele vor, die sie im Falle einer Wahl zur Landrätin verwirklichen möchte. (Foto: pv)

Die Landratswahl am 4. März und die Gespräche über eine neue Große Koalition in Berlin standen im Zentrum des gut besuchten Neujahrsempfangs der Friedberger SPD. Nach der Begrüßung durch den Ortsvereinsvorsitzenden Benjamin Ster stellte SPD-Landratskandidatin und Kreis-Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch ihre wesentlichen Ziele vor, wobei der Ausbau der Wirtschaftsförderung von zentraler Bedeutung sei, »um überhaupt erst die Mittel zu erwirtschaften, um engagierte Sozialpolitik für die Menschen des Landkreises betreiben zu können«. Eine intensivere Förderung der Schulsozialarbeit und der Inklusionsmaßnahmen seien ihr genauso wichtig wie eine bessere Betreuung älterer Menschen, deren Lebensleistung in der Gesellschaft mehr Anerkennung und Respekt verdiene. Die Errichtung eines zweiten Pflegestützpunktes im Landkreis sowie eines stationären Hospizes beschrieb Becker-Bösch als wichtige Schritte ihres Wirkens als Landrätin für ein Leben und auch ein Sterben in Würde.

Mehr Wohnungen schaffen

Zudem warb sie für die bereits vom ehemaligen Landrat Joachim Arnold vorgeschlagene Errichtung eines Zweckverbands zur Schaffung bezahlbaren Wohnraumes, getragen vom Wetteraukreis sowie von den Städten und Gemeinden. Dabei gehe es nicht nur um den Bau neuer Wohneinheiten, sondern auch um Maßnahmen zur innerörtlichen Belebung hinsichtlich des Wohnens – unter anderem die Beseitigung von Leerständen – und des gewerblichen Handelns. Die Verbesserung der interkommunalen Zusammenarbeit hat für Becker-Bösch ebenso zukunftsweisenden Charakter wie der Erhalt und die Verbesserung der natürlichen Umweltbedingungen.

Die Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Wetterau und stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Lisa Gnadl, dankte eingangs allen ehrenamtlich tätigen Menschen für ihre wichtigen Dienste zum Wohle der Gesellschaft. Sie bräuchten eine bessere Förderung und mehr Anerkennung. Gnadl betonte die lebendige Diskussionskultur in der SPD in der Groko-Frage. Dass es in weiten Teilen der SPD und der Wählerschaft starke Vorbehalte gegen einen erneuten Eintritt der Sozialdemokraten in eine von Angela Merkel geführte Koalition gebe, habe viel mit dem Vertrauensverlust gegenüber CDU/CSU als verlässlichem Regierungspartner zu tun. Zudem dürfe es kein einfaches »weiter so im Merkel’schen Sinne« geben.

Kritik wegen »Mogelpackungen«

Gnadl kritisierte die jüngste Jahresbilanz der schwarz-grünen Landesregierung in Wiesbaden, die keine Ideen für die Lösung der Zukunftsfragen offenbare. Nach Darstellung der SPD-Unterbezirksvorsitzenden gibt es einen markanten Investitionsstillstand in der Infrastrukturpolitik – ob in der Verkehrspolitik, bei der Wohnraumbeschaffung, oder bei Bildung und Erziehung. Es herrsche Lehrermangel, und die Maßnahmen der Landesregierung auf dem Weg zu den von der SPD seit Langem geforderten gebührenfreien Kitas seien wahlkampfgesteuerte »Mogelpackungen«, deren Lasten die Kommunen zu tragen hätten.

Musikalisch wurde der Neujahrsempfang der Friedberger Sozialdemokraten von Martin Schnur umrahmt. Abschließend unterhielten sich die SPD-Mitglieder, aber auch die anwesenden Vertreter anderer Parteien, Verbände, Organisationen und Kirchen bei einem Imbiss und Getränken.

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