Weil er eine junge Frau belästigt und ausgeraubt haben soll, hat das Friedberger Schöffengericht einen Mann zu einer 15-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 48-jährige Familienvater die Frau erst in Altenstadt auf der Straße angesprochen und begrapscht und später auf dem Heimweg von einer Faschingsfeier in Florstadt ausgeraubt hat. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Im Gerichtssaal stand am Dienstag jedoch Aussage gegen Aussage. »Am Ende war es eine Frage der Glaubwürdigkeit«, sagte der Richter zum Urteilsspruch. Die Aussage des Opfers, einer 25-jährigen Frau aus Altenstadt, habe das Gericht mehr überzeugt. »Bei der Frau war kein Belastungseifer gegenüber dem Angeklagten festzustellen. Auch hat sie die Taten in ihrer Aussage zu keinem Zeitpunkt dramatisiert«, so der Richter. Des Angeklagte hatte jede Schuld von sich gewiesen und gesagt: »Die Frau kenne ich nicht. Hier muss eine Verwechselung vorliegen.«

Am 29. Juli vergangenen Jahres parkte die 25-jährige Mutter in der Altenstädter Hauptstraße ihr Auto. Als sie aussteigen wollte, habe ihr ein Unbekannter Komplimente gemacht und sie in ein Straßencafé eingeladen. Während die beiden nebeneinander saßen, habe er ihren Oberschenkel gestreichelt. Sie habe sich gewehrt und sei gegangen. Der Mann sei ihr bis an die Haustür gefolgt und habe sie nach ihrer Telefonnummer gefragt. Einige Monate später habe sie den Mann – dabei deutete die Frau auf den Angeklagten – in einem Lokal in Florstadt wiedergetroffen. Dort arbeitete der 48-Jährige als Koch. Sie habe in dem Lokal als Kellnerin anfangen wollen. »Ich habe den Mann gleich wiedererkannt an seinen Haaren und an seiner Stimme«, sagte sie im Gerichtssaal. Sie habe damals nichts gesagt, weil sie ihre Anstellung nicht gefährden wollte.

Aus der Anstellung wurde zwar nichts, doch den Mann habe sie nur zwei Monate später in Florstadt erneut getroffen. Sie sei von einer Karnevalsveranstaltung gekommen, und plötzlich sei der Mann vor ihr auf der Straße gelaufen. Sie habe die Straßenseite gewechselt, doch der Mann sei ihr gefolgt. Plötzlich habe er sie geschubst, sodass sie zu Boden gestürzt sei. Er habe ihr daraufhin die Handtasche aus den Händen gerissen und sei mit der Tasche geflohen. Darin befanden sich ihr Handy und rund 40 Euro an Bargeld.

Auch wenn sie an diesem Abend etwas getrunken habe – der Alkoholtest später auf der Wache ergab 1,1 Promille – sie sei sich ganz sicher, dass es sich bei den Vorfällen jeweils um den Angeklagten gehandelt habe. Der hingegen stritt in der Verhandlung jede Tatbeteiligung ab. Sein Verteidiger forderte deshalb einen Freispruch nach dem Grundsatz »Im Zweifel für den Angeklagten«. Bei seinem Mandanten seien auch bei späteren Hausdurchsuchungen weder das Handy noch die Handtasche der Frau gefunden worden.

Kein Zweifel an Aussage

Die Staatsanwältin hingegen hatte keinen Zweifel an der Aussage des Opfers. Sehr detailreich habe sie die Vorfälle geschildert, ohne sich dabei in Widersprüche zu verwickeln. Und nur weil der Schaden überschaubar und die Gewaltanwendung sich in Grenzen gehalten habe, halte sie eine Strafe von 15 Monaten Gefängnis für angemessen. Allerdings plädierte sie für einen Vollzug der Strafe.

Das Schöffengericht wertete die Aussage des Angeklagten als reine Schutzbehauptung. Im puncto Strafmaß kam es der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, aber nicht beim Vollzug. Da es sich um einen Ersttäter handele, der eine feste Arbeitsstelle und Familie habe, setze das Gericht die Strafe zur Bewährung aus. Zudem muss der Angeklagte 500 Euro als Ersatz für das Handy sowie eine Geldstrafe von 1000 Euro zahlen.

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