31. Mai 2017, 14:00 Uhr

Nachwuchs

Urmel aus dem Ei: Kükenzeit im Kurpark

Es ist Kükenzeit im Bad Nauheimer Kurpark. Mehrere Grau-, Kanada- und Nilgänse, Stockenten und Blässrallen haben Nachwuchs bekommen. Und auch von Biber-Dame Molly gibt es Neues.
31. Mai 2017, 14:00 Uhr
Urmel frisst schon Löwenzahnblätter aus der Hand, aber noch hat das kleine Küken Mühe, ein Stück abzubeißen. Schon in ein paar Tagen wird es dafür stark genug sein. (Foto: leo)

Urmel ist eine kleine Hausgans und erst wenige Tage alt. Am Samstag kam das Küken zum ersten Mal mit Mutter Pinky zum Erna-Ente-Treff und verzückte die Besucher. Es bemühte sich schon, hingehaltene Löwenzahnblätter zu fressen, doch mit seinem kleinen Schnabel fiel das Abbeißen noch schwer. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, und die Kleinen wachsen rasend schnell. Viel spannender als das Futter war für den Knirps allerdings etwas anderes: Erstmals begegnete er dem Rest seiner Familie. Und die ist ganz schön groß. Um die etwas verwirrenden Familienverhältnisse zu verstehen, lohnt sich ein Blick ins vergangene Jahr. Damals bekamen die Hausgänse Hans und Djanga fünf Küken und adoptierten noch drei kleine Graugänse. Von ihren eigenen Küken überlebten drei, die Brüder Rotes und Gelbes sowie ein Mädchen namens Pinky, alle benannt nach den Farben ihrer Ringe.

Küken Urmel hat eine große Familie (v. l.): Onkel Gelbes, Vater Rotes, Mutter Pinky und Oma Djanga sind um den Nachwuchs versammelt. (Foto: leo)
Küken Urmel hat eine große Familie (v. l.): Onkel Gelbes, Vater Rotes, Mutter Pinky und Om...

Eine der Graugänse, Winnie, war auffallend klein und wurde zusammen mit einem anderen verwaisten Graugansküken mit der Hand großgezogen. Im Sommer wurden sie wieder an den Teichen ausgewildert. Die anderen beiden Graugänse wuchsen bei der Familie auf und werden »die Zwockelchen« genannt, da sie sehr zierlich sind. Im Winter verschwand Familienvater Hans, und sein größter Sohn, Gelbes, nahm seinen Platz an Djangas Seite an. Sein Bruder Rotes tat sich mit Schwester Pinky zusammen, und im Frühjahr ging es dann an die Brutvorbereitungen. Zunächst hat Pinky zwar keine Anstalten gemacht zu brüten, da sie mit einem Jahr noch sehr jung ist, aber schließlich entschied sie sich dazu, es doch mal zu probieren. Mit Erfolg: Nach nun vier Wochen ist sie Mutter geworden. Djanga ist nun Oma, Rotes Vater, Gelbes Onkel. Die Adoptivkinder Winnie und die Zwockelchen sind Stiefonkel und Stieftanten. Viele neue Familienmitglieder, die Urmel kennenlernen muss.


Strenge Rangordnung in der Gänsefamilie

Doch dass sie alle mehr oder minder verwandt sind, heißt nicht, dass sie sich auch alle mögen. In Gänsegruppen, auch Familienverbänden, herrscht eine strenge Rangordnung. Die junge Pinky muss sich nun in ihrer neuen Mutterrolle einfinden, lernen, ihr Küken zu verteidigen und trotz großen Hungers nicht nur nach dem Futter zu gieren, sondern auch auf ihren Sprössling aufzupassen. Und auch Vatersein will gelernt sein, wobei sich Rotes schon alle Mühe gibt, wenn Pinky mit dem Kleinen bei ihm ist. Zumindest wenn sie zum Mittagessen an die Station kommen, sind auch noch die Erna-Ente-Helfer und viele Besucher da, die gerne ein extra Auge auf das kleine Urmelchen haben. Die Gänse werden täglich zwischen 16 und 17 Uhr an der Erna-Ente-Station zwischen kleinem Teich und Holzdeck gefüttert.

Gleicher Park, anderes Tier: Seit Biberdame Molly vor drei Wochen ihren Babybauch am hellichten Tag durch den Kurpark geschleppt hat, fiebern viele Bad Nauheimer und andere Biberfreunde auf den Nachwuchs hin. Ein bisschen Geduld braucht es zwar noch, auf der Welt sind die Kleinen aber immerhin schon. Molly wurde wieder gesichtet, diesmal rank und schlank – zumindest für Biberverhältnisse.



Molly ist fleißig am Fressen

Biberdame Molly ist nach ihrer Schwangerschaft wieder rank und schlank. (Foto: leo)
Biberdame Molly ist nach ihrer Schwangerschaft wieder rank und schlank. (Foto: leo)
Ihr Appetit scheint nach wie vor so groß zu sein, dass sie auch tagsüber kleine Ausflüge in die Usa macht. Am frühen Abend ab etwa 17 bis 18 Uhr stehen die Chancen, Molly zu sehen, gar nicht schlecht. Dann schneidet sie in der Usa-Böschung junge Triebe von Ahorn oder Haselnuss und stopft sich genüsslich die Blätter in den Mund. Auf dem Rückweg zum Bau macht sie gerne noch mal einen Stopp im Röhricht an den Ufern des großen Teichs und lässt sich dort Gräser und Kräuter schmecken. Das ist ein vielversprechendes Zeichen, denn ihr andauernder hoher Energiebedarf spricht dafür, dass sie Junge zu versorgen hat. Sie muss Milch produzieren, ihre geschwollenen Zitzen weisen darauf hin, dass sie säugt.

Frühestens mit einem Monat verlassen die jungen Biber erstmals den Bau. In Begleitung ihrer Eltern und großen Geschwister dürfen sie erste Ausflüge machen, tauchen lernen und spielen. Zwei Jahre werden sie am großen Teich bei der Familie bleiben, danach sind sie groß genug für ein eigenes Revier und werden von den Eltern sanft, aber bestimmt vertrieben. Bis dahin müssen die Kleinen aber erst einmal viel lernen und zuallererst – wortwörtlich – den Sprung ins kalte Wasser schaffen.



Warten auf Biber-Entdeckungstour

Da der genaue Geburtstermin nicht bekannt ist, kann der Zeitraum, ab dem Sichtungen des Familienzuwachses möglich sind, nur geschätzt werden. Geht man aber von einer Geburt in den letzten drei Wochen aus, sollten die kleinen Biber im Laufe des Juni auf Entdeckungstour gehen. Wahrscheinlich werden sie sich erst einmal im Bereich des Baus auf der Insel aufhalten und erst mit wachsender Schwimmsicherheit den großen Teich und seine Ufer erobern. Vermutlich wird die Biberfamilie, anders als Molly jetzt, auch erst ab dem späten Abend zu sehen sein, wenn sich der Besucherverkehr im Kurpark legt und die Jungtiere im Schutz der Dunkelheit ungestört herauskommen können. Dann aber könnten ruhige Beobachter das Glück haben, nicht nur Molly zu sehen, die sich in letzter Zeit wahrlich häufig zeigt, sondern auch ihren Partner Bobby und ihren Nachwuchs. Wo die Nager sich dann aufhalten, ob die Babys sich zeigen und wie viele es überhaupt geworden sind, bleiben bis dahin Geheimnisse, auf deren Auflösung alle Biberfreunde noch ein klein wenig warten müssen.

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