28. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Schutzmann in Bad Nauheim

Unterwegs für die Sicherheit: So lief 2018 für den Bad Nauheimer Polizist Bernd Büthe

Bernd Büthe, Schutzmann vor Ort in Bad Nauheim, spricht in seinem Jahresrückblick über Kameras am Marktplatz, das Geheimnis des richtigen Riechers, Haftbefehle und eine Verfolgungsjagd.
28. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Von Christoph Agel , 1 Kommentar
Auch auf dem Bad Nauheimer Wochenmarkt zeigt Bernd Büthe Präsenz. Überhaupt spielt die Fußgängerzone bei der Arbeit des Schutzmanns vor Ort eine besondere Rolle, denn Polizeiautos fahren dort eher selten. Also kommt Büthe zu Fuß. (Foto: Nici Merz)

An welchen Einsatz in diesem Jahr erinnern Sie sich am intensivsten, Herr Büthe?

Bernd Büthe: An eine Geschichte Ende Oktober in Nieder-Mörlen. Auf einem Kleingartengrundstück haben wir mehrere Drogenkonsumenten festgestellt. Die haben dann die Flucht ergriffen. Ich bin mit dem Fahrrad hinterhergefahren. Das war für mich sehr spannend, eine Verfolgungsjagd mit Fahrrad hat man eher selten. Da haben wir relativ viele Drogen entdeckt. Das Fahrrad war gestohlen.

Mit welchen Vergehen und Verbrechen hatten Sie es in diesem Jahr besonders zu tun?

Büthe: Ich hatte dieses Jahr viele, die ohne Führerschein gefahren sind. Über ein halbes Dutzend waren es bei Kontrollen. Auch Leute, die noch nie einen Führerschein gemacht haben. Und ich hatte relativ viele Menschen, die per Haftbefehl gesucht wurden. In Sachen Fahrraddiebstahl habe ich wieder besonders kontrolliert. Ein beliebtes Delikt in Bad Nauheim und in Deutschland insgesamt, seitdem die Fahrräder ab 500 Euro aufwärts kosten und die meisten relativ schlecht gesichert sind. Ich habe den einen oder anderen mit einem gestohlenen Fahrrad erwischt. Außerdem habe ich 300 Fahrräder codiert.

Zwei Haftbefehle habe ich in der Fußgängerzone vollstreckt

Bernd Büthe

Gibt es Orte, an denen Sie besonders genau schauen?

Büthe: Die Fußgängerzone ist ein Bereich, in den die Polizei selten hinkommt. Dadurch, dass ich dort Streife laufe, bin ich eher mal an Stellen,von denen viele denken, dass kein Polizist hinkommt. Zwei Haftbefehle habe ich in der Fußgängerzone vollstreckt.

Haben Sie manchmal das Gefühl, an zwei Orten gleichzeitig sein zu müssen. Oder ist Bad Nauheim einfach eine friedliche Kurstadt?

Büthe: Grundsätzlich geht es uns in Bad Nauheim ziemlich gut. Natürlich haben wir hier Straftaten wie überall anders auch. Mehr Polizei kann mehr Straftaten verhindern. Das ist ganz klar. Im Sommer war es mal relativ stressig, da wäre es schon gut gewesen, an zwei Orten gleichzeitig zu sein.

Welche Rolle spielt denn der Lärm am großen Teich im Kurpark? Wird dort noch viel gefeiert?

Büthe: Da war es dieses Jahr recht ruhig. Obwohl es so warm war oder gerade weil es so warm war, ist da weniger los gewesen als in den Jahren zuvor. Die Leute waren eher im Freibad.

Die Zahl der klassischen Schlägereien draußen auf dem Marktplatz hat meiner Meinung nach abgenommen

Bernd Büthe

Stichwort Kameras am Marktplatz: Wirken sie sich positiv aus – bei der Aufklärung und für die Abschreckung?

Büthe: Genaue Zahlen habe ich jetzt noch nicht, aber generell habe ich schon das Gefühl, dass es weniger geworden ist, dass es auch den einen oder anderen abschreckt. Die Zahl der klassischen Schlägereien draußen auf dem Marktplatz hat meiner Meinung nach abgenommen.

Sie waren in diesem Jahr erstmals auch mit dem Roller auf Streife unterwegs. Wie hat sich das bewährt?

Büthe: Das war eine Testphase. Ich hatte ihn nur für ein paar Wochen. Es hat an sich Spaß gemacht. Der Elektroantrieb war für mich in der Stadt optimal, aber die Transportmöglichkeiten sind beschränkt. Ich bin eher ein Fan von E-Bikes. Wir haben zwei bekommen, und die habe ich im Sommer kräftig genutzt. Fahrradstreifen werde ich auch nächstes Jahr wieder machen.

Werden Sie auf Streife oft von Menschen angesprochen, die sagen, dass sie sich wegen Ihnen sicherer fühlen? Oder die Ihnen sagen, da und dort müsste die Polizei mal gucken und mehr machen?

Büthe: Sowohl als auch. Überwiegend werde ich ganz positiv angesprochen: Schön, dass die Polizei da ist. Das habe ich sehr häufig, gerade vom älteren Publikum in Bad Nauheim. Ich werde aber auch regelmäßig angesprochen, wenn es heißt: »Da können Sie mal gucken« oder »Das stört mich schon ewig«. Mein Amt wird sehr gut angenommen.

Ich kann so arbeiten, wie ich es für richtig halte, und ich habe eine Riesen-Rückendeckung von der Dienststelle

Bernd Büthe

Sind sie in diesem Jahr auch angepöbelt worden.

Büthe: Nein, das wird sehr positiv aufgenommen. Das einzige ist natürlich, wenn ich durch die Karlstraße laufe und im absoluten Halteverbot wieder alles zugeparkt ist. Wenn ich dann meine Strafzettel verteile, gibt es den einen oder anderen, der sich nicht freut. Und da gibt es auch das eine oder andere freche und böse Wort gegen mich. Ich bin dafür aber lange genug Polizeibeamter, dass ich damit umgehen kann. Die kriegen dann auch das Passende von mir zu hören, denn Anstand und Benimm sollt eigentliche jeder berücksichtigen – auch wenn er mal was falsch gemacht hat und verwarnt wird.

In der Vergangenheit haben Sie schon oft den richtigen Riecher bewiesen. Gibt es da ein Geheimnis? Hat man diese Fähigkeit einfach oder kann man sie sich antrainieren?

Büthe: Ich mache das ja auch schon ein paar Jahre. Da kriegt man den richtigen Riecher. Aber das Wichtigste ist für mich, dass ich Spaß an der Sache habe. Dieses Amt, das ich bekommen habe, ist für mich ein Gewinn gewesen. Ich kann so arbeiten, wie ich es für richtig halte, und ich habe eine Riesen-Rückendeckung von der Dienststelle. Die lassen mich hier frei Streifen laufen und fahren. Wenn ich sage »Ich will heute nur Fahrräder kontrollieren«, dann sagt keiner was dagegen. Und ich bin frei, ich bin nur für Bad Nauheim zuständig.

Info

Von Frankfurt nach Bad Nauheim

Bernd Büthe ist seit dem Dezember 2015 als Schutzmann vor Ort in Bad Nauheim unterwegs. Er schaut dort nach dem Rechten und engagiert sich für mehr Sicherheit. Vorher hatte der 42-Jährige als Wachhabender und als Streifenpolizist in Friedberg und in Bad Nauheim gearbeitet. Davor wiederum war das zehnte Revier in Frankfurt seine berufliche Heimat. Angefangen hatte Bernd Büthe bei der Bereitschaftspolizei. »Es gibt Tage, an denen ich nicht rauskomme, weil ich den ganzen Tag über schreiben muss. Und es gibt Tage, an denen ich nur draußen bin«, sagt der in Hungen wohnende Polizist über seinen Job in Bad Nauheim. Neben dem Streifendienst gehören die Anzeigenaufnahme und weitere Tätigkeiten im Büro zu Büthes Job. Außerdem engagiert er sich bei der Schulwegsicherung. (agl)

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