13. März 2018, 17:00 Uhr

Kaicher Schweinehalter

Umstieg auf Bio? Für den Kaichener Schweinehalter Christian Weber hat er sich gelohnt

Schweinehalter Christian Weber aus Kaichen ist zufrieden nach seinem Umstieg zur ökologischen Landwirtschaft. Doch seinem Beispiel folgen bislang nur wenige Wetterauer Landwirte.
13. März 2018, 17:00 Uhr
»Für Bio braucht man eine positive Grundeinstellung«: Der Kaicher Landwirt Christian Weber vor seinen nach Ökolandbaukriterien gehaltenen Schweinen. (Foto: jwn)

Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt seit Jahren. Doch von rund 1000 Betrieben in der Wetterau würden derzeit nur 49 und damit nicht einmal 5 Prozent ökologisch geführt, teilt der Wetteraukreis mit. Die Betriebe, die beispielsweise auf Antibiotika und Glyphosat, auf Kunstdünger, Insektizide und Herbizide verzichten, bewirtschaften insgesamt 3650 Hektar Fläche. Das sind 7 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Wetterau, in ganz Hessen sind es fast doppelt so viel.

Deshalb sollten sich noch mehr Landwirte in der Wetterau um die Umstellung zum Ökolandbau bemühen. Um gute Beispiele für bereits erfolgte Wechsel auf Bio zu präsentieren, hatte der Fachbereich Landwirtschaft des Kreises Landwirte zum Besuch bei drei Ökobetrieben eingeladen. Einer von ihnen war der Hof der Familie Weber in Kaichen.

 

Bereits in den 90ern umgestellt

 

Unter der heutigen Leitung von Christian Weber hatte sich der Betrieb bereits in den 90ern auf die ökologische Schweinehaltung spezialisiert. Dazu hält Weber noch Hühner und Bienen. Auf gut 60 Hektar werden Winterweizen, Triticale, Kartoffeln, Luzerne, Senf, Kümmel, Ackerbohnen und auch Sojabohnen als Eiweißfutter für die Schweine angebaut. Neben der Schweinemast betreibt der »Naturland«-Hof Weber auch einen erfolgreichen Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. »Man muss Neues probieren und damit Erfahrungen sammeln, immer neugierig bleiben und nicht hadern, falls mal etwas schief geht«, sagt Weber. In Anbetracht der Zahlen sei der Ökolandbau heute immer noch ein Nischenbetrieb. Trotzdem sei es wichtig, sich seine Marktlücke zu suchen, um der Konkurrenz zu trotzen.

Wir konnten uns nicht mehr mit der konventionellen Landwirtschaft identifizieren

Schweinehalter Christian Weber

 

Nachdem Christian Weber den Hof 1999 von seinen Eltern gepachtet hatte, wollte er etwas verändern und den Betrieb so ausbauen, dass zwei Familien davon leben können. Die Beweggründe für die Umstellung erklärt Weber folgendermaßen: »Das Gefühl hat einfach nicht mehr gepasst. Wir konnten uns nicht mehr mit der konventionellen Landwirtschaft identifizieren. Daher kam die Motivation, etwas anders zu machen und den Hof zu verändern und umzustellen.«

 

Teuer und arbeitsintensiv

 

Die Familie entschied sich, Mitglied im Bio-Anbauverband »Naturland« zu werden. Weil die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft in der Regel einige Zeit beansprucht, bei der mit erheblichen finanziellen Einbußen gerechnet werden muss, trug Weber Senior mit einem außerlandwirtschaftlichen Einkommen zum Gelingen der Umstellungen bei.

Seit 2004 wird der Hof nun mit zwei Vollerwerbskräften geführt. Natürlich habe es während des Umbaus auch Schwierigkeiten gegeben, sagte Christian Weber. So musste der Betrieb nicht nur von Zuchtsauen auf Schweinemast umgestellt werden, zwischenzeitlich habe er aus Krankheitsgründen für ein halbes Jahr alle Schweine abschaffen und die Ställe umbauen müssen. Auch auf die Direktvermarktung, die mit viel Geld und viel Mühe aufgebaut worden sei, habe er schließlich aus Rentabilitätsgründen verzichtet, berichtet der Landwirt.

 

Die Einstellung muss stimmen

 

Probleme habe während der Umstellung auch die Nachbarschaft gemacht. Denn es sei schon ein Unterschied, ob die Schweine im Stall oder im Freien gehalten werden. Geruchsbelästigungen seien da nicht ausgeschlossen. »Familiärer und dörflicher Druck darf aber nicht den Schritt verwehren, dass man über eine Umstellung zum Bioanbau als Alternative nachdenkt«, betont Weber. Bio funktioniere nur dann, wenn die Einstellung und die Philosophie stimmen.

Eine positive Einstellung sei auch aus einem weiteren Grund notwendig: Denn die vielen Auflagen und Kontrollen für einen Ökobetrieb zögen viele Stunden Verwaltungsarbeit am Schreibtisch nach sich. Deshalb rät Weber auch allen an einer Umstellung interessierten, konventionellen Betrieben, sich von der Ökoberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) oder den erfahrenen und Verbandsberatern unterstützen zu lassen und sich einem Verband anzuschließen.

Info

Zuschüsse für Umstellung

Der Wetteraukreis ist seit 2015 eine von drei Ökomodellregionen in Hessen. Das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt wurde nun verlängert. Es gibt Zuschüsse für Landwirte, die auf Bio umstellen. Maßgebend dafür ist das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM). Gefördert wird der ökologische Landbau für eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Die Förderung hängt von der Nutzung der Flächen ab. Sie beträgt etwa für Ackerland 260 Euro pro Hektar, für Dauergrünland 190 Euro pro Hektar, für Gemüse 420 Euro pro Hektar. Die Zuschüsse sind an die Einhaltung der Vorgaben in der Flächenbewirtschaftung sowie in der Tierhaltung gebunden. (prw)

 

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