08. November 2018, 14:00 Uhr

Reichelsheim

Trocknen, reparieren, schützen - Angst vor Unwettern in Reichelsheim

Ende Mai wütete in Reichelsheim ein schweres Unwetter. Dutzende Keller liefen voll, die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Die meisten Schäden sind beseitigt, doch die Angst vor erneuten Unwettern bleibt.
08. November 2018, 14:00 Uhr
Bei dem Unwetter in Reichelsheim im Mai waren die Feuerwehrkräfte die ganze Nacht und am Folgetag im Einsatz. Dutzende Keller mussten vom Wasser befreit werden. (Symbolfoto: dpa)

Heftiger Regen prasselt auf Dächer und Straßen, zwischendurch hagelt es, Blitze zucken über den Himmel, und der Donner grollt. Die Abwasserkanäle können die Wassermengen nicht fassen, Wiesen sind überschwemmt, es laufen reihenweise Keller voll. Teilweise steht das Wasser bis zu einen Meter hoch. Rund 70 Einsatzkräfte sind die ganze Nacht unterwegs, um Keller auszupumpen und Sandsäcke zu verteilen.

So ereignete es sich am Abend und in der Nacht des 22. Mai in Reichelsheim. Ein heftiges Unwetter zog über den Ort. Auch Alexander Hitz aus der Friedensstraße bekam das zu spüren. »Meine Frau war alleine zu Hause, ich war noch unterwegs. Wegen des heftigen Regens hatte sie ein ungutes Gefühl und ging in den Keller, um nachzuschauen«, erzählt Hitz. Ihr Gefühl trügte sie nicht: Der Keller stand unter Wasser – je nach Raum schon zehn bis 20 Zentimeter hoch. »Wir hatten Glück, dass wir das Wasser relativ früh bemerkt haben«, sagt Hitz.

 

Sockel, Bretter und Spezialdichtungen

Da er in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, konnte er sich zunächst selbst helfen: »Mit meiner Tauchpumpe habe ich das Wasser aus dem Keller gepumpt.« Danach musste alles ausgewischt und die tiefer gelegenen Räume leer geschöpft werden. »Es hat rund vier Stunden gedauert, alles wieder einigermaßen trocken zu bekommen. Wir hatten neben der Pumpe nur Eimer, Handtücher und Schippen zur Verfügung«, erzählt Hitz von der »Horrornacht«.

Nachdem er sich um seinen eigenen Schaden gekümmert hatte, half der Feuerwehr-Vorsitzende seinen Nachbarn. »Bei einem stand das Wasser schon relativ hoch, und es drang immer mehr in den Keller ein, weil sein Garten die Mengen nicht fassen konnte«, erzählt er. Mithilfe der Pumpe schafften die Männer es, den Keller weitestgehend trocken zu halten, doch »die Pumpe lief die ganze Nacht durch – so viel Wasser war das«.

Am nächsten Morgen wurde das volle Ausmaß des Schadens sichtbar: Möbel und Elektrogeräte wie die Waschmaschine sowie die Wände waren beschädigt. »Wir nutzen den Keller nicht nur als Abstellfläche, ich habe dort auch mein Büro«, erzählt Hitz. Einige Möbel waren noch zu retten, doch vieles musste der Reichelsheimer entsorgen.

Die Pumpe lief die ganze Nacht durch - so viel Wasser war das

Anwohner Alexander Hitz

Seit dem Mai habe es zum Glück nicht mehr so stark geregnet. Trotzdem hat Hitz einige Vorkehrungen getroffen, um den Schaden bei einem erneuten Wassereinbruch möglichst gering zu halten: »Alles Wichtige steht jetzt auf einer erhöhten Position. Den Möbeln und der Waschmaschine habe ich eine Art Sockel verpasst.« Ein in den Türrahmen zwischen Waschküche und Keller eingepasstes Brett mit einer Spezialdichtung soll verhindern, dass der gesamte Keller geflutet wird. Lichtschächte hat Hitz mit einer Umrandung versehen, damit kein Wasser mehr eindringen kann. »Außerdem habe ich eine leistungsstärkere Pumpe gekauft und einen Industrie-Wassersauger.«

 

Nur eine Zusatzversicherung schützt

Für alle Maßnahmen musste Hitz aus eigener Tasche aufkommen. Um in Zukunft finanziell abgesichert zu sein, hat er eine Elementarschaden-Versicherung abgeschlossen. Diese wird als Zusatz zur Hausrat- und Wohngebäudeversicherung angeboten, wie Versicherungskauffrau Tanja Loos erklärt. »Hausrat- und Wohngebäude-versicherung decken Schäden durch Hochwasser in der Regel nicht mit ab.«

Ein Versuch, das Wasser aufzuhalten: Mit einem Brett mit Spezialdichtung im Türrahmen will Alexander Hitz verhindern, dass der gesamte Keller geflutet wird. (Foto: Hitz)
Ein Versuch, das Wasser aufzuhalten: Mit einem Brett mit Spezialdichtung im Türrahmen will...

Die Kosten der Elementarschadenversicherung richteten sich nach dem Gefährdungsrisiko der Immobilie für Überschwemmungen. »Gebäude, die direkt an Flüssen wie dem Main stehen, können nicht gegen Elementarschäden versichert werden«, sagt Loos.

Heute ist von den Wasserschäden in Hitz’ Keller nichts mehr zu sehen. Doch die Sorge vor einem erneuten Wassereinbruch bleibt – trotz aller Vorkehrungen und Absicherungen. »Wenn es regnet, gehen wir lieber dreimal in den Keller, um nachzuschauen. Wer weiß, ob es noch einmal so glimpflich für uns ausgeht.«

Info

Welche Versicherung greift wann?

Hausratversicherung: Über die Hausrat-versicherung ist der komplette Hausrat von Möbeln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten abgesichert. Sie kommt auf für Schäden durch Feuer, Blitzschlag, Explosion oder Implosion, Einbruch und Diebstahl, Sturm und Hagel, Leitungswasser und Überspannung.

Wohngebäudeversicherung: Die Wohngebäudeversicherung wird vom Eigentümer des Hauses abgeschlossen. Versichert ist das gesamte Gebäude einschließlich aller fest eingebauten Gegenstände. In der Regel sind Schäden durch Feuer, Blitzschlag, Explosion oder Implosion, Sturm und Hagel, Leitungswasser und Überspannung abgedeckt.

Elementarschadenversicherung: Eine Elementarschadenversicherung wird ergänzend zur Hausrat- und Gebäudeversicherung angeboten. Neben Hochwasser zählen auch Schäden durch Erdbeben, Erdrutsch und Lawinen zu den Elementarschäden.

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