16. Februar 2018, 13:00 Uhr

Neujahrsempfang der Grünen

Tansania-Rock und Politik mit Tarek Al-Wazir

Ein Wirtschaftsminister, der vor kostenlosem Nahverkehr warnt, ein Wahlkampf-Song für Wölfersheim und ein Bio-Buffet: Der »Neujahrsempfang« der Wetterauer Grünen fiel aus dem Rahmen.
16. Februar 2018, 13:00 Uhr
»Wölfersheim hat die Wahl«, singen und spielen Thomas Zebunke (Saxofon), Thomas Küchenmeister (Gitarre) und Sängerin Christina Dern. (Foto: Nicholas Hollmann)

Ein Neujahrsempfang Mitte Februar, das ist rekordverdächtig. Dass der Termin mit dem politischen Aschermittwoch und dem Heringsessen zusammenfiel, war eher Zufall. Kein Zufall war die Wahl des Ortes. In Wölfersheim wird am 4. März nicht nur der Landrat gewählt, sondern auch der Bürgermeister. Die Grünen unterstützen Thomas Küchenmeister, der ein versierter Gitarrist ist und mit Landratskandidat Thomas Zebunke (Tenorsaxofon), Michael Rückl (Gitarre) und Sängerin Christina Dern auch fürs musikalische Rahmenprogramm sorgte. Sowas nennt man Energieeffizienz.

Uneffizient ist nach Meinung des Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Tarek Al-Wazir die Idee der Bundesregierung, kostenlosen Nahverkehr einzuführen. Das würde bedeuten, »den letzten vor dem ersten Schritt zu machen«. Eine knappe Milliarde Euro pro Jahr nehme der RMV durch Fahrgelder ein. Fehle dieser Betrag, werde es noch schwieriger, den öffentlichen Personennahverkehr in Rhein-Main auszubauen. »Ein kostenloser RMV kostet ja trotzdem«, sagte Al-Wazir. Nämlich die Steuerzahler. »Wir brauchen mehr Geld für mehr Züge, bessere Taktungen und die Reaktivierung von Nebenstrecken.«

Mehr Bio-Betriebe in Hessen

In der urigen Kulturwerkstatt des Antik-Cafés erinnerte sich Al-Wazir an frühere Zeiten, als er die örtlichen Grünen bei ihrem Protest gegen gentechnische Versuche auf einem Wölfersheimer Acker unterstütze. »Der Landrat hieß Rolf Gnadl und brachte immer Rotwein vorbei.« Heute gebe es längst Kooperationen zwischen Ökobauern und herkömmlichen Betrieben. 13,5 Prozent aller hessischen Äcker werden biologisch bearbeitet, mehr als der Bundesdurchschnitt (7,5 Prozent). Das zeige, dass die Grünen »in der Koalition mit den Erben von Alfred Dregger etwas bewegen konnten«.

Die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, hatte die Kreisvorsitzende Kathrin Anders bei ihrer Begrüßung als charakteristisch für die Grünen bezeichnet. »Wir waren bereit, in Berlin Verantwortung zu übernehmen.« Diese Bereitschaft treibt auch Thomas Küchenmeister an. Er berichtete von der Städtepartnerschaft mit dem slowakischen Rabca, die er vor Jahren initiiert hat. Der Bürgermeister heiße in der Slowakei »Starosta«, was auf Deutsch soviel wie »Der Sorgende, Kümmernde« heiße. Genau das wolle er für die Gemeinde sein.

Das Tansania-Bündnis

Landratskandidat Zebunke wischte mit der Bemerkung »Manche fürchten meine agrarpolitischen Vorträge« alle Bedenken, er werde einen solchen halten, zur Seite. Zebunke sprach sich für kleinere Wirtschaftskreisläufe und gegen Gigantismus bei Bauprojekten aus. Das geplante Hochregallager war mehrfach Thema an diesem Abend. Noch-Bürgermeister Rouven Kötter (SPD), der wie sein Vorgänger Joachim Arnold unter den Gästen war, hörte stoisch zu und erfuhr, wie sich die Opposition in seiner Gemeinde neuerdings nennt: Tansania-Bündnis. »Das sind wir«, sagte Michael Rückl und deutete auf eine Nationalflagge mit den Farben Grün, Blau (Freie Wähler), Schwarz (CDU) und Gelb (FDP), den Unterstützern von Küchenmeister.

Damit dieser nach fast 70 Jahren mit SPD-Bürgermeistern ein neues Kapitel in der Geschichte der Gemeinde aufschlagen kann, wurde ein Wahlkampflied uraufgeführt. »Oh, ho, ho, ho, Wölfersheim hat eine Wahl«, lautet der Refrain des Lagerfeuer-tauglichen Schrammelrocksongs zum Mitklatschen mit Referenzen an die Agitprop-Kultur. Dass Küchenmeister und Zebunke nun als »Thomas & Thomas« eine Schlagerkarriere starten und den »Amigos« Konkurrenz machen, ist nicht zu erwarten.

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