06. November 2018, 19:21 Uhr

Strafen fürs Vernachlässigen

06. November 2018, 19:21 Uhr
Christine Gredel, Vorsitzende des Vereins Tierschutz Karben, hofft auf ein neues Zuhause für den kleinen Kater Maxi. (Foto: pv)

Mit streunenden Katzen hat es der Karbener Tierschutzverein schon seit vielen Jahren zu tun. Weil das auch in den Nachbarstädten bekannt ist, erreichen den Verein immer wieder Hilferufe aus Nachbarkommunen, vielfach auch aus Bad Vilbel. Die Verantwortlichen haben jetzt in dieser Sache einmal Grund zur Freude. Denn in der Stadt Karben ist als erste Kommune im Wetteraukreis eine Katzenschutzverordnung in Kraft getreten. Sie schafft den rechtlichen Rahmen dafür, dass Tierhaltern, die ihre Katzen weder registrieren noch kastrieren lassen und sie aussetzen, ein Bußgeld droht.

Immer wieder hat die Vorsitzende des Tierschutz Karben, Christine Gredel, in den Jahreshauptversammlungen und bei anderen Gelegenheiten auf die Problematik hingewiesen. »Seit Jahren liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit bei der Kastration und tierärztlichen Versorgung frei lebender Katzen.« Der Verein hat mittlerweile Hunderte erwachsene Katzen, wildlebend oder aus schlechter Haltung, kastriert und deren Nachkommen mit viel Liebe aufgezogen und dann in gute Hände vermittelt.

»Wir haben viel Elend gesehen«, sagt Gredel. Und das nicht nur in Karben, sondern auch in den Nachbarkommunen. Immer wieder habe der Verein schwer kranke oder verwahrloste Katzenbabys »mit viel Liebe ins Leben zurückholen müssen«. »Belastend für uns alle waren auch verunfallte oder überfahrene Tiere, die sich an verkehrsreichen Stellen unkontrolliert vermehrt hatten.«

Tiere bei Auszug zurückgelassen

Gredel und ihre Mitstreiter wissen, wie sich das anfühlt, wenn sie die zumeist kranken Katzen finden. »Die Tiere tun einem sehr Leid.« Sie berichtet von Fällen, die einen den Kopf schütteln lassen. »Da sind Leute in Petterweil ausgezogen und haben ihre Katzen einfach zurückgelassen.« In Klein-Karben seien jüngst gleich mehrere Katzen aufgetaucht. »Die haben richtig elend ausgesehen.« Man habe zusammen mit Mitarbeitern der Stadt umfangreich recherchiert und die Tochter der Halterin ausfindig gemacht.

Weil es so viele frei laufende Katzen gibt, sind alle Pflegestellen bei den Tierschützern belegt. Die befinden sich beileibe nicht nur in Karben, sondern man habe auch in Bad Vilbel viele Stellen.

Das größte Problem sei, dass sich unkastrierte Katzen rasant vermehren. Sie seien mit spätestens sechs Monaten geschlechtsreif und können in einem Jahr bis zu zwölf Junge werfen. Im zweiten Jahr könnten daraus maximal 144 Katzen werden. Gredel verweist auf eine Katzenpyramide, die für Kastration wirbt und in zeichnerischer Form aufzeigt, was passiert, wenn sich alle unkastrierten Katzen ungehemmt vermehren. Im dritten Jahr wären es rechnerisch 1726 Katzen.

Ein weiteres Problem seien die nicht gekennzeichneten und registrierten Fundtiere, die durch die Nachlässigkeit ihrer Halter oft im Tierheim landen oder verunfallte Tiere, die in der Tierkörperbeseitigungsanstalt enden, weil deren Halter nicht zu ermitteln seien. »Wenn ein Unfall gemeldet wird, fahre ich raus und schaue, ob die Tiere gechipt sind. Vielfach sind sie das nicht«, erzählt die Vorsitzende.

Weil das Elend streunender Katzen so groß ist, hat sich der Tierschutz Karben seit seiner Gründung 2012 beim Magistrat der Stadt Karben für eine kommunale Katzenschutzverordnung eingesetzt. Mit Erfolg. Denn die Verordnung hat Schutz, Leben und Gesundheit von frei lebenden Katzen zum Ziel. Im Kern fordert sie die Kastration, Kennzeichnung und Registrierung frei laufender Katzen. »Durch die Katzenschutzverordnung hoffen wir darauf, dass Tierhalter, die sich bis jetzt keine Gedanken über die Problematik gemacht haben, so auf die Notwendigkeit der Kennzeichnung und Registrierung ihrer Tiere aufmerksam gemacht werden.«

Die Vorsitzende weist besonders auf Paragraf 2 der Verordnung hin. Er sagt aus, dass als Katzenhalter auch gilt, wer frei laufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt. »Melden Sie sich beim Tierschutz Karben, wenn Sie zu diesem Personenkreis gehören, hier finden Sie Hilfe«, appelliert Gredel. Sie hofft nun, dass weitere Kommunen im Wetteraukreis und auch Nachbarkommunen aus dem Main-Kinzig-Kreis dem Beispiel Karbens folgen und eine solche Verordnung auf den Weg bringen. »Denn Hilferufe erreichen uns ständig von überall her.«

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