13. Juni 2018, 17:00 Uhr

Nordumgehung

Stoßstange an Stoßstange durch Bad Vilbel

Vor etwas mehr als zehn Jahren fuhren die ersten Autos über die Bad Vilbeler Nordumgehung. Der Umgehung ging ein jahrelanges Ringen mit der Landesregierung voraus. Wir erinnern uns.
13. Juni 2018, 17:00 Uhr

Bad Vilbel bot früher kein schönes Bild, etwa wenn man aus Niederdorfelden über die Büdinger Straße in die Stadt fuhr. Dort, wo heute der Tegut-Supermarkt an der Ecke zur Friedberger Straße steht, fuhr man früher direkt auf einen Schrottplatz zu. Es ging scharf nach links auf die Friedberger Straße. Stoßstange an Stoßstange.

Dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, ist vielen lokalen Kräften zu verdanken. Erst seit zehn Jahren ist die Nordumgehung nutzbar. Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) kramt in Erinnerungen, als zusätzliche Stütze sitzt Stadtsprecher Yannick Schwander neben ihm, mit einer dicken Aktenkladde aus dem Stadtarchiv.

Zuallererst nennt Stöhr den »ewigen Stadtrat« Klaus Minkel (CDU), der das Projekt immer wieder angestoßen habe. Auch Norbert Kartmann (CDU) und Jörg-Uwe Hahn (FDP) hätten wesentlichen Anteil gehabt. Aber nicht nur die. Schon der 2012 verstorbene frühere Bürgermeister Erich Glück hatte in seiner Amtszeit von 1968 bis 1980 bereits immer wieder an dem Thema gerührt, ebenso sein Nachfolger Günther Biwer.

 

Minkel sicherte das Land

»Wir brauchten dringend eine direkte West-Ost-Verbindung«, erinnert sich Stöhr. Die B 3 a existierte schon. Wer von ihr in Richtung Niederdorfelden kommen wollte, musste sich durch die verstopfte Homburger Straße, dann über viele Ampeln die Friedberger Straße durchkämpfen. Dort traf er auf den Nord-Süd-Verkehr, der sich weiter über die Kasseler Straße und den Schöllberg Richtung Frankfurt vorarbeitete. Wer Richtung Nieder-Erlenbach unterwegs war, musste sich durch Massenheim lavieren. Die Nordumgehung oberhalb des Gewerbegebiets Am Stock gab noch nicht.

 

Hoffnung verpuffte

»Hoffnung kam auf, als Walter Wallmann die Straße in das Landesprogramm aufnahm«, sagt Stöhr. Wallmann war von 1987 bis 1991 Hessens Ministerpräsident. Diese Hoffnung zerschlug sich, als die nachfolgende Rot-Grüne-Koalition sich darauf verständigte, nicht so viele Landesstraßenprogramme voranzutreiben.

Als »Glücksgriff« bezeichnet Stöhr, dass in der Folgezeit Klaus Minkel die Planung übernahm. Der Straße wurde seitens der Landesregierung keine überregionale Bedeutung beigemessen, deswegen könne die Stadt selbst planen, argumentierte Minkel. Weil dies als reine Verbindungsstraße für eine Stadt nicht möglich ist, schlug nun die Geburtsstunde für ein Projekt, das bis jetzt andauert.

 

Grundstücksverkauf finanzierte Straßenbau

Minkel begann, Grundstücke im großen Stil anzukaufen. Nicht nur für die Straße, sondern auch für den heutigen Quellenpark, die frühere Krebsschere. »Um den Bau der Straße mitzufinanzieren.«

Wieder gab es in Wiesbaden einen Wechsel zu Roland Koch, seine Regierung stufte die Nordumgehung wieder als Landesstraße ein. Geld war in Wiesbaden nicht vorhanden, es schlug die Geburtsstunde des »Hessischen Kommunalen Interessenmodells«. Die Stadt finanziert ein Projekt vor, das Land zahlt seinen Anteil in 15 Raten zurück, ohne Zinsen. In Kochs Regierungskoalition saßen zwei Wetterauer: Norbert Kartmann und Jörg-Uwe Hahn. Sie brachten das Modell in die Koalitionsgespräche ein.

Zum 1. Januar 2000 stieg Thomas Stöhr als Erster Stadtrat ins Geschehen ein. Es gab ein nächstes Problem: Da der Bau der Straße nun eng mit dem Quellenpark verzahnt war, mussten die noch fehlenden Grundstücke, teils auf dem Verlauf der Trasse, schnell eingekauft werden.

 

Nordumgehung als Gemeindestraße

Es wurde vereinbart, dass die Nordumgehung zunächst als Gemeindestraße gebaut wird. Sobald aber das erste Auto darüber rollt, wird sie zur Landesstraße, die bisherige Landesstraße mitten durch die Stadt zur Gemeindestraße. »Wir bauten eine Gemeindestraße, auch wenn jeder wusste, dass sie zur Landesstraße wird«, sagt Stöhr.

Das hatte Auswirkungen. Der Landtag musste nicht über das Projekt abstimmen. Stattdessen waren es die 45 ehrenamtlichen Bad Vilbeler Stadtverordneten, die den endgültigen Startschuss gaben. Der erste Spatenstich folgte am 10. Dezember 2001.

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