05. Dezember 2018, 19:53 Uhr

Sie geben den Ton an Zwei Konzerte am Wochenende

05. Dezember 2018, 19:53 Uhr
Anke Blochwitz (l.) und Sabine Haag-Richter spielen im Orchester zwar nur die zweite Geige, als Vorsitzende und Stellvertreterin im Kammerorchester haben sie allerdings die Fäden des Orchesters in ihren virtuosen Händen. (Foto: cf)

Im Vorstand des Bad Vilbeler Kammerorchesters (BVKO) geben zwei Geigerinnen gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter Klaus Albert Bauer den Ton an. Dabei stand die heutige Erste Vorsitzende vor einigen Jahren vor großen Problemen, überhaupt im Orchester aufgenommen zu werden.

Es herrscht eine umtriebige Stimmung im Probensaal des Bad Vilbeler Kammerorchesters (BVKO). Instrumente werde ausgepackt, geputzt, gestimmt und eingespielt. Selbst ein Laie erkennt mit einem Blick: Hier sind leidenschaftliche Profis am Werk. Und ganz vorne mit dabei sind zwei Geigerinnen, die sich nicht nur bei Konzerten in der erste Reihe tummeln. Denn beim 1973 gegründeten Kammerorchester geben die Geigerinnen Anke Blochwitz (50) als Vorsitzende und ihre Stellvertreterin Sabine Haag-Richter (52) den Ton an. Und dies, obwohl die beiden Musikerinnen im aus 30 Musikern bestehenden Kammerorchester »nur« die zweite Geige spielen.

Abgelehnt und nicht aufgegeben

Anke Blochwitz zog mit ihrer Familie 2002 aus Halle an der Saale nach Bad Vilbel. Die aus dem nordsächsischen Torgau stammende Geigerin lernte erst Blockflöte spielen. »In der ersten Klasse wollte ich Klavier spielen lernen, doch das ging an der dortigen Musikschule nicht. Und so spielte ich Geige«, erinnert sich die BVKO-Vorsitzende. Heute ist sie mit ihrem Streichinstrument glücklich.

»Das Schöne an einem Orchesterinstrument wie der Geige ist, dass man sowohl in einer Gruppe als auch als Solist auftreten kann. Und beim Transport des Instrumentes von zu Hause ins Konzert nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist.«

Während des Studiums, Anke Blochwitz ist Diplom-Landwirtin, spielte sie weniger, fing aber gleich danach regelmäßig an zu spielen. »Nach der Geburt unseres ersten Sohnes Jonas 1997 rief ich bei der Musikschule Bad Vilbel an. Die hatten kein Orchester. Die Verwaltung empfahl mir, Kontakt mit der damaligen Ersten Vorsitzenden des BVKO, Siglinde Eggenschwiller, aufzunehmen.«

Doch das Gespräch verlief ernüchternd. Eggenschwiller lehnte die Geigerin wegen der Spielunterbrechung während des Studiums mit den Worten »solche Musiker wie Sie haben wir gerade aussortiert« ab. Blochwitz gab nicht auf, wurde zum Vorspiel beim damaligen künstlerischen Leiter Arndt Heyer eingeladen. »Ich bin zur ersten Probe gegangen und geblieben.«

2002 wählten die Kammermusiker die heute beim Wetteraukreis tätige Geigerin zu ihrer Vorsitzenden. Ihre musikalische Bandbreite ist groß. Klassik und Jazz sind ihre Favoriten.

Ihre Stellvertreterin Sabine Haag-Richter ist eine aus Oberkochen stammende Schwäbin, die heute mit ihrer Familie in Oberursel lebt. Seit 2013 ist sie Mitglied im BVKO und betont: »Ich spiele sehr gern im Orchester.« Seit 2014 ist sie darüber hinaus im Vorstand für die Finanzen zuständig. Die Biologin Sabine Haag-Richter spielt von klein auf Geige. »Durch Beruf und Familie habe ich lange nicht gespielt. Als ich wieder anfing, habe ich einige Stunden bei einer Geigenlehrerin genommen. Diese war im BVKO Konzertmeisterin und holte die Geigerin ins Kammerorchester.«

Bei den Burgfestspielen

Das Duo plant mit dem künstlerischen Leiter Klaus Albert Bauer gemeinsam Konzerte, wie das in Bad Vilbel und Frankfurt im Dezember oder Benefizkonzerte wie im Januar 2019 in Dietzenbach und Königstein. Auch bei den Burgfestspielen tritt das Orchester wieder mit zwei Pianisten und Schauspielerin Margarita Broich als Sprecherin bei der Matinee am 1. September 2019 mit einem anspruchsvollen Familienprogramm auf. »Wir spielen von Camille Saint-Saëns »Karneval der Tiere«, die beiden Pianisten von Darius Milhaud mit »Scaramouche« eine Suite für zwei Klaviere und den Abschluss bildet Rodion Shchedrins dramatische Carmen-Suite für Streichorchester und fünf Schlagzeuger.«

Ende Juni 2019 packen die Musiker ihre Koffer und gehen auf Konzertreise. Für zehn Tage geht es dann in die Mongolei. Dort werden sie in ihrem Konzertprogramm westliche Musik mit mongolischen Traditionen und Instrumenten wie der Pferdekopfgeige konfrontieren.

Das Bad Vilbeler Kammerorchester lädt mit seinem Dirigenten Klaus Albert Bauer und dem Cellisten Simon Tetzlaff am zweiten Adventswochenende zu Konzerten nach Bad Vilbel und Frankfurt ein. Auf dem Programm stehen symphonische Werke der beiden englischen Komponisten Edward Elgar und Peter Warlock. Von Elgar interpretieren die Kammermusiker das berühmte Cellokonzert e-Moll, Opus 85 und die Streicherserenade e-Moll, Opus 20. Und von Warlock die »Capriol-Suite« aus dem Jahr 1926. Schirmherr der beiden Konzerte ist mit Andreas Fabritius der Britische Honorarkonsul. Das Konzert in der Heilig-Geist-Kirche (Am Kreuz 2, Bad Vilbel) findet im Rahmen der »VilBelMonte-Reihe« am Samstag, 8. Dezember, ab 18 Uhr statt. In Frankfurt ist das Konzert in der Festeburgkirche (An der Wolfsweide 58) am Sonntag, 9. Dezember, ab 11.30 Uhr zu hören.

Karten für die Konzerte sind an den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Kasse erhältlich. (cf)

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