21. Juni 2017, 11:00 Uhr

Alber-Debatte

Schlammschlacht geht weiter

Seit Thomas Alber vorgeschlagen hat, die Bürgermeisterwahlen vorzuziehen, gibt es in Rosbach eine Schlammschlacht. Inzwischen ist eigentlich klar: Alber wird bis 2019 im Amt bleiben. Oder doch nicht?
21. Juni 2017, 11:00 Uhr
Thomas Alber sitzt entspannt auf seinem Stuhl, während um ihn der Sturm tobt. Zu den Vorwürfen seiner Gegner sagt er: Wer etwas will, soll Taten folgen lassen. (Foto: nic)

Für mich ist das Thema durch«, sagt Thomas Alber. Er habe nur sagen wollen: »Ich mache den Weg frei, wenn ihr mich nicht mehr wollt.« Die Politik habe sich aber anders entschieden, gewollt, dass der Rosbacher Bürgermeister im Amt bleibt. Damit sei das Thema für ihn abgeschlossen. Andere sehen das anders, greifen den 47-Jährigen scharf an, machen ihm Vorwürfe, er habe keinen Plan gehabt, nicht über die Folgen seiner Entscheidung nachgedacht. Alber reagiert gelassen: »Wenn Veränderung gewünscht ist, muss man etwas dafür tun. Hier gilt: Taten, statt Worte.«

Aber alles auf Anfang. Es ist zwei Wochen her, dass der Bürgermeister der Stadt Rosbach den beiden überraschten WZ-Redakteuren im Interview verkündete, er werde bei der Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr nicht mehr antreten. »Die Zeit ist reif für Veränderung«, sagte der 47-Jährige. Es sei nicht einfach, das große Potenzial Rosbachs zu nutzen, oft habe er sich mit den anderen Fraktionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen müssen. Und das sei ihm zu wenig. Er wollte die Fraktionen bitten, die Neuwahl vorzuziehen – wenn es nach ihm ginge, bereits auf den 24. September.

Dass die Reaktionen nicht lange auf sich warten lassen würden, war zu erwarten. Denn wenn seit Beginn von Thomas Albers Amtszeit eines sicher war, dann, dass er polarisiert. Unterstützt wird der parteilose Alber von SPD, Stimme und FWG. Stimmen-Fraktionschef Dieter Kurth sagte am Tag nach der Rückzugsverkündung: »Wenn der Bürgermeister einen Vorschlag gemacht hat, wurde der sofort abgelehnt, ohne sich in Ruhe mit der Sache auseinanderzusetzen.« Beinahe reflexartig seien Streitigkeiten entstanden. Die SPD-Fraktion erklärte: Dass dieses »Anti-Alber-Bündnis« es nun geschafft habe, dass der Bürgermeister seinen Posten aufgeben wolle, sei zu bedauern.

Doch wollte Thomas Alber jemals wirklich aufgeben? Und war das überhaupt möglich? Wenn aufgeben bedeutet, zurückzutreten, dann war das nie der Plan. »Zurücktreten werde ich nicht«, hatte Alber im Interview am 7. Juni erklärt. Dass Alber den Rücktritt ausschließe, habe rein finanzielle Gründe, sagt FDP-Fraktionschef Hans-Otto Jacobi, der den Bürgermeister nun erneut scharf kritisiert. Bei der Sitzung mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadt, bei der Alber seinen Vorschlag präsentierte, die Neuwahlen vorzuziehen, habe laut Jacobi keiner der Gesprächsteilnehmer den »erhofften Blanko-Scheck« signalisiert.

Dass es auch finanzielle Gründe habe, dass er nicht zurücktreten werde, sei klar, sagt Alber: »Damit würde ich mich versorgungslos stellen. Das wäre verantwortungslos mir selbst gegenüber.« Dass er jedoch durch das Abwahlverfahren einen finanziellen Freibrief erhalten hätte, stimme nicht: »Bei einer Abwahl wäre mir die Versorgung durch die Stadt nur in diesem Monat und den drei folgenden zu gewähren. Wenn man das mit meinem Resturlaub abgleicht, wäre das wie ein bezahlter Urlaub gewesen.« Außerdem würde er auch im Fall einer Abwahl weiterhin arbeiten gehen. Zurückzutreten habe er aber auch aus einem anderen Grund ausgeschlossen: »Ich werfe nicht einfach hin. Das habe ich noch nie gemacht.« Vorgezogene Neuwahlen vorzuschlagen sei nur ein Angebot gewesen.

Inzwischen ist klar: Das Abwahlverfahren wird nicht stattfinden. Der Grund: Nachdem die CDU-Fraktion sofort erklärte, sie werde die Abwahl nicht unterstützen, folgte die SPD-Fraktion auf dem Fuße. Damit das Parlament ein Abwahlverfahren einleiten könnte, wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Ohne CDU und SPD kann diese jedoch nicht zustande kommen.

Doch war der Vorschlag von Thomas Alber überhaupt realistisch? Nicht wirklich, sagt FDP-Vorsitzender Jacobi: Zu seinem »abgesagten Abgang ohne Plan und Fakten« habe er keine zeitlichen Vorstellungen nennen können. Stimmt nicht, sagt Alber. Schließlich habe er von Anfang an den 24. September als Termin für eine Neuwahl vorgeschlagen. »Das wäre sportlich gewesen, das gebe ich zu. Aber machbar.« 90 Tage vor dem Wahltag müsse man den Termin öffentlich bekanntgeben. »Man hätte die Stadtverordnetenversammlung einfach nur eine Woche vorverlegen müssen, dann wäre das möglich gewesen.«

Dass die FDP-Fraktion Alber vorwirft, nun erfolge der »Rückzug vom Rückzug« obwohl die Gründe unverändert bestehen blieben, kommentiert er gelassen: »Wenn man möchte, dass ich abgewählt werde, muss man einen Antrag stellen.« Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung am 27. Juni habe er jedoch keinen Antrag auf Abwahl entdeckt – weder von der FDP, noch von anderen Fraktionen.

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