10. August 2018, 17:00 Uhr

Arbeiten ruhen

S 6-Ausbau: Milliardenschwerer Stillstand?

Seit Wochen scheinen die Arbeiten an der viergleisigen Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Friedberg stillzuliegen. Das sei kein Wunder, sagen die Projekt-Gegner. Die Bahn hält sich bedeckt.
10. August 2018, 17:00 Uhr
An der Nidda-Überführung in Bad Vilbel soll laut Plan schon lange für den Ausbau der Main-Weser-Bahn gearbeitet werden. Davon ist aber seit Wochen nichts zu sehen. (Fotos: Nici Merz)

Über 30 Jahre Planung stecken in dem Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Friedberg. Rund 350 Millionen Euro solle die Erweiterung der Main-Weser-Bahn auf vier Gleise, wovon zwei nur die S-Bahn befahren soll, nach Angaben der Bahn kosten. Kritiker meinen, dass der Ausbau vor allem für den Güterverkehr gedacht ist. Ein halbes Jahr nach dem Spatenstich für den ersten Bauabschnit bis Bad Vilbel scheint das Projekt brachzuliegen. Michael Hub, Sprecher der Ausbaugegner des Aktionsbündnisses »Ba(h)nane«, fürchtet, dass die Kosten in die Milliarden gehen könnten.

Mehr als dieser abgesperrte Teil des Fußweges deutet nicht auf Baumaßnahmen hin.
Mehr als dieser abgesperrte Teil des Fußweges deutet nicht auf Baumaßnahmen hin.

In den Sommerferien erreichten die WZ Nachfragen von Pendlern, warum trotz Sperrzeit keine Bauarbeiten an der Strecke zu sehen seien. Tatsächlich ist dieser Tage von Bautätigkeiten, beispielsweise an der Niddabrücke in Bad Vilbel, nichts zu sehen. »Außer ein paar eingebauter Bauweichen, der Demontage der Gleise am Frankfurter Berg, Untergrundvorbereitungen in Bockenheim und gefällten Bäumen hat sich seit den Winterferien nichts getan«, bestätigt Hub die Beobachtungen.

Auf Nachfrage verweist die Bahn auf den »stets aktuellen« Internetauftritt des Großprojektes (www.s6-frankfurt-friedberg.de). Im Baustellen-Journal informiert ein Zeitstrahl über die Maßnahmen. Im Juli trug die Bahn dort ein: »Nach Neubau einer Weiche erneuert die Bahn in Ginnheim die Schwellen.« Die letzten Einträge aus Bad Vilbel datieren aus dem April (»Schweißarbeiten in Bad Vilbel«) und dem Februar (»Bäume und Sträucher entlang der Strecke gerodet«).

Es war absehbar, dass die Planungen nicht umsetzbar sind

Michael Hub

Besonders die gefällten Bäume sorgen bei Hub für Kopfschütteln: »Die Bahn hat für weitere Arbeiten keine Genehmigungen gehabt, die Baumfällungen waren also überflüssig.« Die Baupläne für die Sperrzeiten seien schon lange über den Haufen geworfen worden. Laut seinen Informationen habe die Bahn das Nichtstun in den Sommerferien damit begründet, dass beauftragte Unternehmen keine Zeit gehabt hätten. »Vor Gericht hat die Bahn noch gesagt, dass die Sperrzeiten auf keinen Fall verschoben werden dürfen, da diese Jahre im voraus europaweit angemeldet werden mussten«, sagt Hub. Mit dieser Argumentation habe das Gericht auch die Gültigkeit der vorläufigen Besitzeinweisung begründet und Klagen der Projektgegner abgewiesen.

Die rund 30 Eigentümer der betreffenden Flurstücke, von denen Hub Kenntnis habe, hätten Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt. Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel habe auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Verhandlungen noch in diesem Jahr terminiert werden sollen. Das hänge aber auch mit der Verfügbarkeit der Richter zusammen.

Die Bahn sucht nach Wegen, an die Genehmigungen zu kommen, ohne die Anwohner und Betroffenen beteiligen zu müssen

Michael Hub

Hub glaubt, dass die Bahn ohne ein ordentliches Planänderungsverfahren nicht alle Genehmigungen bekommt. »Es war absehbar, dass die Planungen nicht umsetzbar sind. Die Praxis gibt uns Recht.« Für den zweiten Bauabschnitt von Bad Vilbel nach Friedberg mussten die Planungen nach Prüfung des Regierungspräsidiums Darmstadt erneut beginnen. Auch auf dem ersten Bauabschnitt stockt es. Auf zwei Dritteln der Strecke sind Bodenverbesserungsmaßnahmen notwendig, wie 2014 aus einem Gutachten hervorging.

Ein Antrag, um Grundwasser abzupumpen, der nach Gesetzeslage beim Eisenbahnbundesamt erforderlich ist, sei nicht gestellt worden, behauptet Hub. Würde aber abgepumpt, beträfe das nicht nur angrenzende Grundstücke, sondern auch Felder und Brunnen in zweiter und dritter Reihe. »Wird der Wasserspiegel abgesenkt, fließt das Wasser ja von links und rechts nach«, sagt Hub. Deswegen müsse die Bahn eigentlich auch die Zustimmung unter Beteiligung der Bürger einholen, was bislang nicht geschehen sei. Hub vermutet: »Die Bahn sucht nach Wegen, an die Genehmigungen zu kommen, ohne die Anwohner und Betroffenen beteiligen zu müssen.« Er prognostiziert: »Wenn es so weiter geht, liegen die Kosten am Ende in Milliardenhöhe.« Ähnliche Projekte seien gestoppt worden, weil bei zu hoch steigenden Kosten die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben gewesen sei, sagt Hub. Fortsetzung folgt.

INFO

Geplanter Ablauf

Nach Angaben der Bahn sollen bis zum vierten Quartal 2018 in Bad Vilbel Stützwände eingebaut und zwischen Bad Vilbel und Frankfurter Berg die Eisenbahnüberführung Nidda verbreitert und die bei Bad Vilbel Süd neu gebaut werden. Der Beginn der zweiten Bauphase von Bad Vilbel nach Friedberg wird von der Bahn 2023 erwartet. Ob dieser Termin nach erforderlichen Neuplanungen nach den Erörterungsterminen zum Planfeststellungsverfahren eingehalten werden kann, ist fraglich.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeiten
  • Bahngleise
  • Friedberg
  • Regierungspräsidium Darmstadt
  • Schienenstrecken
  • Wunder
  • Wetteraukreis
  • Erik Scharf
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.