24. Januar 2018, 14:00 Uhr

Kinocenter Friedberg

Roxy-Schließung: Wie geht's weiter mit Kino in Friedberg?

Am Mittwochabend läuft der letzte Film, das Kinocenter Friedberg ist Geschichte. Die Stadt wünscht sich ein modernes Kino.
24. Januar 2018, 14:00 Uhr
Das Kinocenter Friedberg wird abgerissen, Eigentumswohnungen werden gebaut. (Foto: Nici Merz)

Eine Epoche geht zu Ende. Für viele Wetterauer verbinden sich mit dem »Roxy« (wie das Kinocenter noch immer genannt wird) Erinnerungen an die Jugend, an erste Küsse und an Händchenhalten im Dunkeln. Schön war’s. Es war aber auch eine andere Zeit, ohne DVD-Technik, überdimensionale 3 D-Fernsehgeräte mit Stereo-Raumklang und Videos, die rund um die Uhr digital abgerufen werden können.

»Die Kinosäle waren damals brechend voll. Am Wochenende standen die Leute Schlange bis auf die Kaiserstraße«, erinnert sich Prof. Peter Schubert vom Bildungsforum Friedberg. Das war vor dem ehemaligen Central-Kino in der Wolfengasse. Es gab außerdem das Pali an der Ecke Bismarck- und Ludwigstraße und das Roxy. Alle drei Lichtspielhäuser wurden von der Familie Baab betrieben. Im Roxy gab die Landesbühne Rhein-Main früher sogar Theatervorstellungen. Jetzt ist auch das letzte Friedberger Kino Geschichte, aber in einem der Häuser werden demnächst wieder Filme laufen. Dazu gleich mehr.

 

Politik sorgt vor

Die Entscheidung, das Kinocenter zu schließen, fiel Betreiber Hans-Albert Wunderer nicht leicht. Aus privaten Gründen war sie unausweichlich. Das Grundstück ist verkauft, die Kinosäle werden abgerissen, dann entstehen in der Bismarckstraße drei Stadtvillen mit Eigentumswohnungen.



Die Politik hat vorgesorgt. Im Süden der Stadt am Elvis-Presley-Kreisel, direkt unterhalb der Auto-Wasch-Straße und in unmittelbarer Nähe zur B 3, wurde ein 12 500 Quadratmeter großes Grundstück als Standort für ein neues Kino ausgesucht. Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet, hatte der damalige Bürgermeister Michael Keller im Sommer gesagt. Ein Markterkundungsverfahren wurde in Gang gesetzt. Bislang gibt es nach Auskunft der Stadtverwaltung aber noch keine Bewerber. »Die Frist läuft aber noch«, sagt Dr. Christiane Pfeffer, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen. Bis 30. März können sich Unternehmen bewerben.

 

Filmreihe läuft im Central Studio

Und jetzt? Laufen vorerst keine Blockbuster mehr in Friedberg. Kein Star Wars mehr, keine Superhelden und auch keine Halblinge mit behaarten Füßen, die Seit’ an Seit’ mit Elfen und Zwergen gegen feuerspeiende Drachen kämpfen. Aber es werden weiterhin besondere Filme in Friedberg laufen. Schubert, bis zur Pensionierung Kunstprofessor mit einem Lehrstuhl in Malerei an der Universität Dortmund und auch als bildender Künstler hervorgetreten, hat angekündigt, dass die Kunstfilme-Reihe des Bildungsforums fortgesetzt wird.

Das Kinocenter schließt, die Kunstfilmreihe geht weiter, sagt Prof. Peter Schubert, der bereits einen neuen Kinosaal im Blick hat.
Das Kinocenter schließt, die Kunstfilmreihe geht weiter, sagt Prof. Peter Schubert, der be...

Seit November 2011 wurden im Kinocenter neben dem normalen Programm 64 »etwas andere« Filme gezeigt. Den Anstoß gab die Doku »Gerhard Richter Painting« über einen der bedeutendsten lebenden Maler Deutschlands. »Sowas müsste man auch in Friedberg zeigen«, dachte sich Schubert. In der Folge kamen 3 D-Dokus wie Wim Wenders »Pina« über das Tanztheater von Pina Bausch oder Filmepen wie »Die andere Heimat« von Edgar Reitz dazu. Musiker, Schriftsteller und immer wieder Maler standen im Mittelpunkt der Filme, die ein treues Publikum im eher reiferen Alter begeisterten.

 

"Loving Vincent"

Vergangene Woche wurde »Loving Vincent« gezeigt, ein Film, wie es ihn so noch nicht gab: Er ist im Stil von Vincent van Gogh gedreht bzw. gemalt, denn die mit Schauspielern gedrehten Szenen wurden in der Postproduktion in jenem Stil übermalt, der mit kräftigem Farbauftrag und plastisch hervortretenden Pinselstrichen ohnehin schon Bewegung simuliert und im Kino nun quasi laufen lernte. Ein Farbenrausch, der erst auf der großen Leinwand zur Geltung kommt.

Solche und ähnliche Filme will das Bildungsforum weiter zeigen. Schubert ist in Kontakt mit einem Filmverleih. Mit der Discothek Central-Studio ist ein neuer Saal gefunden. »Die Familie Janik ist dabei. Beamer und Leinwand sind vorhanden, die Zuschauer sitzen dann an Tischchen.« Bis zur Kaiserstraße werden die Zuschauer wohl kaum Schlange standen. Ist der Andrang aber gut, kann sich Schubert vorstellen, das Programm für populäre Filme zu öffnen. »Das wird eine Abstimmung mit den Füßen.«

Infobox

Zum Abschluss eine Komödie

Der letzte Film im Kinocenter lief zuletzt vor 56 Jahren in einem Friedberger Kino: »Eins, zwei, drei« heißt die US-amerikanische Screwball-Komödie von Billy Wilder, die vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts spielt und zahlreiche Stars vergangener Tage aufbietet: Lilo Pulver, Horst Buchholz, Ralf Wolter, Karl Lieffen und James Cagney. Der Streifen, der anfangs ein Flop an den Kinokassen war, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Kultfilm. Bei den Zuschauern der Kunstfilmreihe stand er ganz oben auf der Wunschliste. »Wir wollten keinen traurigen Abschiedsfilm wie ›Cinema Paradiso‹, sondern einen lustigen, schwungvollen Film. Denn es geht ja mit Schwung weiter«, sagt Schubert. »Eins, zwei, drei« läuft heute Abend um 19 Uhr im Roxy. Der Eintritt ist frei, ein Dankeschön von Kinobetreiber Hans-Albert Wunderer an das treue Publikum der letzten sechs Jahre. Wer Infos über die Filmreihe und andere Aktivitäten des Bildungsforums wünscht, kann einen Newsletter abonnieren (Mail an freitag.schubert@t-online.de) (jw).

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