05. Dezember 2018, 14:00 Uhr

50 Jahre unfallfrei

Rosemarie Schneider: Am Steuer nur eine Jugendsünde

Sind ältere Autofahrer ein Verkehrsrisiko, sollten mehr Führerscheine zurückgegeben werden? Viele Senioren machen sich darüber keine Gedanken, Rosemarie Schneider aus Friedberg schon.
05. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Seit 50 Jahren ist Rosemarie Schneider unfallfrei und ohne Punkt in Flensburg unterwegs. Dafür hat sie jetzt eine Urkunde der Verkehrswacht erhalten. (Foto: Nici Merz

Ein halbes Jahrhundert unfallfrei mit dem Auto unterwegs – das ist keine Selbstverständlichkeit. »Vor 50 Jahren, als ich mit dem Fahren angefangen habe, war noch viel mehr Platz auf den Straßen«, erinnert sich Rosemarie Schneider. Im Lauf der Zeit sei der Verkehr deutlich dichter geworden, fordere den Fahrer mehr als früher.

Inzwischen legt die Friedbergerin mit ihrem Kleinwagen nur noch kürzere Strecken zurück, längere Ausflüge mit dem Auto, etwa in den Bayrischen Wald oder nach Luxemburg, unternimmt sie nicht mehr. Wegen ihrer umsichtigen und rücksichtsvollen Fahrweise wurde Rosemarie Schneider kürzlich für eine Auszeichnung durch die Verkehrswacht Wetterau vorgeschlagen. Nach einer Abfrage in der Verkehrssünderdatei in Flensburg überreichte Verkehrswacht-Vorsitzender Wolfgang Heil jetzt die Urkunde für 50 Jahre unfallfreies Fahren.

Mit 90 km/h durch Friedberg

Als Rosemarie Schneider, die sich selbst als vorsichtige Fahrerin einschätzt, Ende 1967 mit den Fahrstunden begann, hatte sie die nötigen Grundkenntnisse bereits erworben. Wie damals üblich, übte sie privat, damit die Prüfungsvorbereitung nicht zu teuer wurde. »Mit meinem Mann war ich einige Male auf der Straße zwischen Ossenheim und Assenheim unterwegs. Das war damals kein Problem«, blickt die 72-Jährige zurück. Nach 15 Fahrstunden hatte sie den Führerschein, tuckerte mit dem 34-PS-Käfer der Familie gleich nach Bad Vilbel, um ihren Eltern die freudige Nachricht zu überbringen.

Erstes eigenes Auto war ein Fiat 500, den sie als junge Frau manchmal zu Höchstleistungen trieb. »Einmal wurde ich in Friedberg mit 90 km/h geblitzt. Freunde, denen ich das erzählt habe, wollten gar nicht glauben, dass der Kleine so schnell fährt«, erzählt Rosemarie Schneider lachend von einer Jugendsünde, die heute ein kurzes Fahrverbot nach sich ziehen würde.

Keine längeren Strecken mehr

Damals gab es keinen Eintrag in die Flensburger Kartei, auch nicht, als Rosemarie Schneider in den 80er Jahren mal vom rechten Weg abkam. Bei Glatteis war ihr Wagen eine Böschung runtergerollt. Sie blieb unverletzt, ihr Auto unbeschädigt, ein Traktor zog ihr Fahrzeug wieder nach oben.

Bei längeren Reisen setzt sich die Friedbergerin heute nicht mehr hinters Steuer, nimmt den Bus oder lässt ein Familienmitglied fahren. »Wäre ich unsicher, würde ich gar nicht mehr fahren. Damit hätte ich kein Problem, ein Einkaufsmarkt und die Bushaltestelle sind in der Nähe unserer Wohnung«, sagt Rosemarie Schneider.

Fahrtüchtigkeit getestet

Noch ist es aber nicht soweit. Ihre Fahrtüchtigkeit hat die Rentnerin kürzlich von ihrer Tochter testen lassen, die als Beobachterin mit von der Partie war. »Sie hatte nur ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln, etwa das zu späte Einfädeln in die Linksabbiegespur«, berichtet Rosemarie Schneider.

Tatsächlich macht sie einen sehr fitten Eindruck – auch abseits des Fahrersitzes. Vor der Rente war sie viele Jahre lang als Küchenleiterin in der Behindertenwerkstatt in Ockstadt tätig, bewies dort viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit ihren Kollegen. Im Ruhestand ging sie zunächst einer Freizeitbeschäftigung nach, die etwas ungewöhnlich für eine ältere Dame ist.

Zehn Jahre Polizeihelferin

Zunächst vier Jahre in Rosbach, dann sechs Jahre in Bad Nauheim war Rosemarie Schneider als freiwillige Polizeihelferin tätig. Unzählige Kilometer spulte sie in Parks und Straßen der Kurstadt ab, hatte dank ihrer freundlich-resoluten Art keine Schwierigkeiten, mit Leuten klarzukommen, die sich ein wenig danebenbenahmen. Mit 70 musste die Friedbergerin diesen Job aus Altersgründen aufgeben, eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Nachbarschaftshilfe Friedberg schloss sich an.

Doch damit nicht genug. »Vor einiger Zeit wurde ich in Bad Nauheim als ›Brunnenmädchen‹ engagiert«, erzählt sie schmunzelnd. Regelmäßig schenkt sie in der Trinkkuranlage Heilwasser aus. Das Rentnerdasein wird ihr also nicht langweilig. Und zu ihren Einsätzen fährt sie natürlich mit ihrem Kleinwagen – unfallfrei.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Autofahrer
  • Fahrtüchtigkeit
  • Fiat
  • Friedberg
  • Führerschein
  • Jugendsünden
  • Kleinwagen
  • Rentnerdasein
  • Unfallfreiheit
  • Verkehrssünderdateien
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.