Karnevalistische Kunst

Orden in Ober-Mörlen: Närrische Zeugen der Zeit

Eine Ausstellung im Ober-Mörler Schloss zeigt Karnevalsorden von MCC und KG Mörlau. Die Werke sind närrische Zeugen der Zeit.
08. Januar 2018, 12:00 Uhr
Besondere Fastnachtsorden haben Alfons König (r.) und Manfred Seipel (hier wegen Krankheit vertreten durch seine Frau Elvira) zusammengestellt, Albert »Abi« Recht ergänzt die Schau mit selbst geschnitzten Krampusmasken im XXS-Format. (Foto: hau)

Ursprünglich war der Karnevalsorden als Persiflage auf staatliche und militärische Orden, auf Benehmen und Pomp der Obrigkeit gedacht. Politik, Orts- oder Zeitgeschichte fanden ihren Niederschlag auf den kleinen Kunstwerken, und bald variierten die Themen zwischen Spott und Ehrbezeugung. Schon lange hat sich die ursprüngliche Bedeutung ins Gegenteil verkehrt, und so gilt der etwas andere Orden heute als Belohnung für karnevalistisches Engagement.

 

Werke aus 70 Jahren

 

Wie kunstvoll und kreativ der Fastnachtsorden gestaltet werden kann, zeigt derzeit eine Ausstellung im Ober-Mörler Schloss. Die Vitrine im Schlosskeller bietet eine illustre Zeitreise durch die Geschichte besonderer Orden, wie sie die beiden örtlichen Fastnachtsvereine im Laufe der vergangenen 70 Jahre kreiert haben. Die beiden Mirler Urgesteine Alfons König (MCC) und Manfred Seipel (KG Mörlau) haben sie mit viel Liebe zum Detail in ihrer 17. Gemeinschaftsschau zusammengestellt.

 

Närrische Schlittenfahrt

 

Wer genau hinschaut, kann feine Details entdecken. Aufgegriffen werden neben Vereins- oder Gruppenjubiläen auch die Verbundenheit zum Dorf oder historische Ereignisse wie die deutsche Wiedervereinigung oder die Einführung des Euro. Beide Vereine verewigten 2003 die närrische Schlittenfahrt auf ihren Orden, die für 250 Jahre Fastnachtstradition in Mörlau steht. Auch der Bau der jeweiligen Vereinshallen wurde »ordentlich« dokumentiert, derweil die KG 2004 auch den geplanten Abriss der alten Mädchenschule thematisierte.

 

Raffiniert mit glitzerndem Globus

 

Zwei Mal verzichtete der MCC auf seinen Orden, um das gesparte Geld anderweitig anzulegen: 1971 für Leprakranke und 1985 für die zu errichtende Vereinshalle. Jüngster Hingucker beim MCC ist der »Dreifachorden« von 2017, auf dem 50 Jahre Rote Husaren, 22 Jahre Mirler Hexen und 11 Jahre Mirler Dibbeklobber vereinigt sind. Die KG Mörlau hält für ihre Elferräte den Mohren-Sonderorden bereit. Eine Augenweide mit Überraschungseffekt ist der diesjährige KG-Jubiläumsorden zum 70-jährigen Vereinsbestehen: Das Mittelteil, ein silbern glitzernder Globus, ist drehbar und zeigt auf der anderen Seite das Vereinswappen.

 

Lindwürmer und Maskenbälle

 

Bis vor wenigen Jahren entwarf seit 1973 der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler Klaus F. Roth die Orden der KG Mörlau, und auch beim MCC finden sich immer wieder kreative Köpfe, um in der Fastnachtshochburg keine Orden »von der Stange« zu verleihen. Dass die Ehrenzeichen entsprechend gewürdigt und aufgehoben werden, hofft man in den Vereinen nicht zuletzt wegen der kostspieligen Anstrengung für die kleinen Kunstwerke.

Die Fastnacht mache ein Dorf wie »Klein Mainz am Usastrand« so besonders, sind die Ausstellungsmacher überzeugt, und: »Ohne die Ortsvereine stünde es um die Kulturpflege im Ort schlecht.« Seit 2002 stellen sie jährlich ihre Sammlungen auf den Kopf, um ihre Themenschauen bestücken zu können. Von Orden, Lindwürmern und Fastnachtsitzungen über Kampagneneröffnungen, Maskenbälle, Wagenbau, Bühnenbilder, Utensilien für die Sitzungen, die Vorsitzenden und Präsidenten bis zu den Trägern aus elf Jahren Bürgermeisterorden reicht die Palette.

Zum wiederholten Mal ergänzt heuer der Ober-Mörler Maskenschnitzer Albert Recht die Ausstellungs-Parade mit seinen Krampusmasken, diesmal im Mini-Format. »Die großen Masken sind alle weg«, sagt der »Vater der Wintersteingeister« schmunzelnd. Heuer seien mehr als 30 Maskenträger beim närrischen Lindwurm durch Mörlau am Fastnachtssonntag unterwegs.

 

Die Ausstellung in der Schlossvitrine ist bis Aschermittwoch (14. Februar) während der Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung im Gewölbekeller des Ober-Mörler Schlosses zu sehen (hinterer Eingang).

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